Finnalnd gehört laut RobecoSAM zu den nachhaltigsten Staaten. Nicht nur wegen der verstärkten Nutzung von Erneuerbarer Energie. Im Bild ein finnisches WIndkraftprojekt von Nordex aus Deutschland. / Foto: Nordex

  Anleihen / AIF

RobecoSAM misst Nachhaltigkeit von Staaten – korrekt?

Norwegen, Schweden und Finnland sind die drei nachhaltigsten Länder der Welt. Das zeigt das Staaten-Nachhaltigkeitsranking von RobecoSAM. Der Züricher Vermögensverwalter ist für den Nachhaltigkeitsindex DJSI World bekannt, für den er die Nachhaltigkeitsanalysen liefert. Die Nachhaltigkeitsleistungen von Staaten sind für nachhaltige Investoren wichtig, um Staatsanleihen einschätzen zu können. Allerdings wirft das Staaten-Ranking von RobecoSAM etliche Fragen auf.

RobecoSAM hat insgesamt 62 Industrie- und Schwellenländer auf ihre Nachhaltigkeit in den Bereichen Soziales, Umwelt und Staatsführung überprüft. Norwegen, Schweden und Finnland haben vor allem in den Bereichen Soziales und Umwelt eine sehr gute Einschätzung erhalten und damit die Spitzenplätze erobert.

Dicht auf die drei am besten platzierten Staaten folgt die Schweiz auf Platz vier. Atomkraftgegner dürfte das verwundern. Laut Informationen der Schweizer Kernkraftwerkbetreiber produziert die Schweiz satte  37,9 Prozent ihrer Gesamtstrommenge durch Atomkraft. Das ist nahezu dreimal so viel wie in Deutschland produziert wird.

Sind Kanada und Australien nachhaltiger als Deutschland?

Ebenfalls in den Top Ten des Staaten-Nachhaltigkeitsranking listet RobecoSAM Kanada auf Platz sieben sowie Australien auf Platz neun. Dabei wird in Kanada Urwald abgeholzt, wogegen etwa Greenpeace seit langem protestiert, und betreibt im großen Stil den extrem umweltschädlichen Ölsandabbau. Australien wiederum ist bekannt für den massiven Raubbau an der Natur durch Abbau von Bodenschätzen und den Rückstand beim Klimaschutz. Außerdem steht das Land wegen der Situation der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, weiter in der Kritik. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International weist zum Beispiel darauf hin, dass Aborigine-Kinder in Australien unverhältnismäßig häufig inhaftiert würden - 26-mal häufiger inhaftiert als andere Kinder. In der Altersgruppe der 10- bis 17-Jährigen stellen Aborigines Amnesty zufolge 59 Prozent der Häftlinge in Australien, aber nur fünf Prozent der Bevölkerung in diesem Alter. Diese Situation habe sich zuletzt sogar noch verschlimmert.

Deutschland dagegen findet man in dem Staaten-Nachhaltigkeitsranking von RobecoSAM erst auf Platz 13, trotz der eingeleiteten Energiewende, des Atomausstiegs und der sozialstaatlichen Leistungen. Zum Vergleich: Deutschland liegt nur knapp vor den Vereinigten Staaten auf Platz 15. Dies obwohl in den Vereinigten Staaten die Gesundheitsversorgung für weite Kreise der Bevölkerung unzureichend ist, Einkommensschwache miserable Lebensbedingungen haben, die USA im großen Umfang die Todesstrafe anwenden, von einem Atomausstieg keine Rede ist und nur China noch mehr Treibhausgas ausstößt als die USA. Dennoch bewertet RobecoSAM die Nachhaltigkeit der Verenigten Staaten nur geringfügig schlechter als Deutschland.      

Schwellenländer sind die Schlusslichter


Bei der Entwicklung der Schwellenländer in dem Staaten-Nachhaltigkeitsranking liegt Singapur mit einem Punktwert von 6,85 klar vorne. In der Gesamtwertung reicht dies für den 17. Platz aus. Zum Vergleich: Gesamttabellenführer Norwegen hat einen Punktewert von 7,87 von maximal 10. Hinter Singapur folgen dann die Tschechische Republik und Taiwan, die in der Gesamtwertung auf Platz 20 und 21 liegen.

Weniger überraschend sind die Schlusslichter im Ranking. Die zehn Länder, die am schlechtesten abschneiden sind nahezu ausschließlich Schwellenländer mit einem mittleren bis niedrigen Einkommen. Auf Platz 60 liegt Ägypten, gefolgt von Venezuela auf Platz 61 sowie mit deutlichem Abstand Nigeria auf Platz 62. Ursächlich für die schlechte Platzierung sind laut RobecoSAM vor allem politische und soziale Defizite.

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