Bauarbeiten an einem Photovoltaikprojekt in den USA. Dort droht ab 2017 ein Markteinbruch. / Quelle: First Solar

28.09.15 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Rollt der boomende Solarmodulmarkt neuem Einbruch entgegen?

In diesem und im kommenden Jahr brummen die Geschäfte der Hersteller von Solarmodulen. Doch ab 2017 droht ihnen wieder heftiger Gegenwind, auch wenn der weltweite Solarmarkt insgesamt bis 2020 weiter mit hohem Tempo wachsen wird. Das geht aus Einschätzungen von Experten hervor. Wer langfristig auf Aktien von großen Solarherstellern setzen will, muss sich also auf neue heftige Wertschwankungen einstellen. Das gilt etwa First Solar und SunPower aus den USA, Canadian Solar aus Kanada oder Yingli Green Energy und Trina Solar aus China.

Experten des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens IHS Inc. aus Englewood in Colorado sagen voraus, dass allein im vierten Quartal weltweit Solarmodule mit einer Gesamtkapazität von 18,7 Gigawatt (GW) umgeschlagen werden. Zum Vergleich: Das ist fast die Hältfe der Solarstromleistung, die bislang insgesamt in Deutschland ans Netz gebracht wurde, dem weltweit größten Photovoltaikmarkt. 18,7 GW wären gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Zuwachs des Modulabsatzes von 29 Prozent. Hinzu kommt, dass die Solarhersteller für den Rest des Jahres weiter mit recht stabilen Preisen rechnen können.   Edurne Zoco ist Analyst bei IHS Technology. Ihm zufolge haben sich das große Angebot und die erhöhte Nachfrage so stark angenähert, dass die Preise für Solarmodule nur wenig unter Druck geraten (lesen Sie dazu auch unseren  Beitrag über die jüngste Entwicklung der  Preise für Solarmodule).

Laut Zoco dürften die Umsätze der Solarmodulhersteller in 2015 insgesamt auf knapp 40 Milliarden US-Dollar ansteigen und damit wieder das hohe Niveau von 2010 und 2011 erreichen. In 2012 und 2013 war der Weltmarkt aufgrund eines Überangebotes von Solarmodulen in Schieflage geraten und der Gesamtumsatz auf rund 30 Milliarden Dollar pro Jahr eingebrochen. In 2014 setzte dann eine Erholung auf rund 33 Milliarden Dollar ein. Für 2015 rechnet IHS sogar mit einem neuen Rekordjahresumsatz von 41,9 Milliarden US-Dollar.

Aktuell stärkstes Wachstum in China, Japan und in den USA

Das Beratungsunternehmen Mercom Capital Group mit Hauptsitz in Texas hat ebenfalls eine zuversichtliche Prognose für das Gesamtjahr 2015 veröffentlicht. Demnach werden im laufenden Jahr weltweit neue Photovoltaikanlagen mit zusammen 57,4 GW neu installiert. Das ist ein Plus um rund 25 Prozent. Laut Mercom Capital trägt vor allem China zu diesem Wachstum bei. Nach rund elf GW in den beiden Jahren zuvor würden in der Volksrepublik in 2015 voraussichtlich 17 GW neue Solarstromleistung errichtet. Dieser Zuwachs erfolge vor allem in der zweiten Jahreshälfte, gibt Raj Prabhu, CEO von Mercom Capital, hierzu zu bedenken. Ihm zufolge schreitet der Ausbau der Photovoltaik in Japan in 2015 weiter an, auf insgesamt 9,5 GW nach rund acht GW im Vorjahr. Damit würde Japan den zweiten Rang bei den derzeit wachstumsstärksten Solarmärkten der Welt verteidigen. Doch die Regierung in Tokio drückt hier auf die Bremse. Sie hat die Solarstromtarife deutlich gedrosselt, auch weil die Netzkapazitäten kaum ausreichen, um den starken Ausbau aufzunehmen. Der Mercom-Capital-CEO Raj Prabhu weist darauf hin, dass dafür der potentielle Solarriese Indien allmählich aufwacht. Dort seien bis August 2015 neue Solarstromanlagen mit zusammen 1,4 GW errichtet worden – ein Rekordwert. Für das Gesamtjahr traut Mercom Capital Indien einen Zubau um 2,5 GW zu. Er würde damit nach deren Experten etwa doppelt so hoch ausfallen in Deutschland. Für den deutschen Photovoltaikmarkt sagen sie voraus, dass der Zubau in 2014 mit rund 1,3 GW um etwa ein Drittel geringer ausfallen wird als im bereits schwachen Vorjahr. Am stärksten werde in Europa der britische Solarmarkt wachsen, mit einem Zubau von rund drei GW. Wie zuvor schon in Deutschland werde nun aber in Großbritannien die Solarförderung stark verringert, so dass für die nahe Zukunft ein solches Wachstum nicht mehr zu erwarten sei. Dagegen boome die Photovoltaik weiter in den USA. Die werden in 2015 mit einem geschätzten Zubau von 8,5 GW den Abstand zu Japan gegenüber dem Vorjahr deutlich verringern, so die Prognose von IHS.

Es drohen Preissenkungen und großer Margendruck ab 2017

Doch Ende 2016 läuft in den Vereinigten Staaten das wichtigste Förderinstrument für Investments in Photovoltaik aus, der so genannte ITC (Investment Tax Credit). Dort können Investoren danach nur noch zehn Prozent des in Solarprojekte gesteckten Kapitals beim Fiskus geltend machen statt wie bisher 30 Prozent. Wie auch andere Experten sagen Analysten von Mercom Capital daher für 2017 einen Einbruch der Nachfrage nach Solarmodulen in den USA voraus, nach einem weiteren Boomjahr 2016. Edurne Zoco erwartet für 2016 den Höhepunkt des aktuellen Aufschwungs der weltweiten Photovoltaik-Industrie. Der zu erwartende Nachfragerückgang in Japan und vor allem in den USA werde die globale Nachfrage für Solarmodule ab 2017 enorm schwächen. Weil die Solarhersteller ihre Kapazitäten erweitert haben, um die derzeit hohe Nachfrage zu bedienen, drohe dann sogar wieder ein Überangebot im Weltmarkt. Die Folge wäre ein starker Verfall der Preis und damit der Margen der Hersteller. Ein solcher Einbruch hatte ab 2012 für viele Solarhersteller das Aus bedeutet.

Experten von GTM Research aus Boston in Massachusetts beobachten den globalen Solarmarkt schon lange und sagen voraus, dass sich die Kosten für Photovoltaik-Anlagen in den kommenden Jahren enorm verbilligen werden. Schon zwischen 2007 und 2014 waren die Systemkosten enorm gesunken, je nach Marktsegment und Region um 39 bis 64 Prozent. 2015 hatte sich diese Entwicklung abgeschwächt. Sie dürfte laut GTM Research bald neuen Schwung gewinnen. Die Marktforscher erwarten, dass die Gesamtkosten von Solaranlagen inklusive ihrer Installation von 2,16 Dollar pro Watt in 2014 bis 2020 auf 1,24 Dollar pro Watt fallen, also um weitere 40 Prozent sinken werden. Dieser Rückgang werde bei Solarmodulen stärke ausfallen als bei den übrigen Komponenten. Die Wettbewerbsfähigkeit der Photovoltaik werde dadurch aber noch weiter ansteigen. Der globale Photovoltaik-Markt könne daher bis 2020 auf gut 100 GW anwachsen, schreibt GTM Research.

Auch der Krisenzyklus von 2012 und 2013 hatte durch den Preisverfall bei Solartechnik dazu geführt, dass weltweit noch stärker in Photovoltaik investiert wurde, sich letztlich Angebot und Nachfrage annäherten. Große Solarhersteller bereiten sich bereits auf diese Entwicklung vor. Sie investieren stark in das Geschäft mit dem Betrieb von Photovoltaikprojekten. Damit wollen sie sich zum einen unabhängiger machen von den Preisschwankungen bei Solarmodulen. Zum anderen können sie in solchen Projekten die Module aus eigener Produktion verbauen, für die sie keine Abnehmer finden oder die sie nur sehr billig verkaufen können. Anleger sollten im Auge haben, welche Solarhersteller beim Ausbau des Projektgeschäftes bis Ende 2016 die größten Fortschritte machen. Dazu gehören derzeit etwa Canadian Solar, First Solar und SunPower. Aber vielleicht holen ihre chinesischen Konkurrenten hier noch deutlich auf oder es gelingt den Nordamerikanern nicht schnell genug, ihre Projekt-Pipeline abzuarbeiten.

Die Chancen und Risiken eines Investments in chinesische Solarkonzerne haben wir vor kurzem in einem  Aktientipp  beleuchtet.  Hier  gelangen Sie zu einer Analyse der Aktien von First Solar und SunPower. Ein weiterer Aktientipp von ECOreporter.de widmet sich der Aktie von  Canadian Solar.

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