Beim Bau von Windparks in der Nordsee setzte die Windreich GmbH stark auf Windräder des französischen Herstellers Areva. / Quelle: Unternehmen

08.01.14 Anleihen / AIF , Wachhund

Rückzug vom Rückzug des Windreich-Gründers Willi Balz

Willi Balz, Gründer und lange Zeit Alleinvorstand des insolventen Windkraftprojektierers Windreich GmbH aus Wolfschungen bei Stuttgart, hat angekündigt, sich „in die Geschäfte der Windreich wieder voll einzubringen.“ Das erklärte Balz in einem aktuellen offenen Brief an die Anleihe-Gläubiger des Pleite-Unternehmens. Über die Anwaltskanzlei Grub Brugger mit Hauptsitz in Stuttgart ließ er die Anleihegläubiger nun wissen, dass er mit der Eröffnung des Regelinsolvenzverfahrens am Amtsgericht Esslingen Mitte Dezember 2013 zu dem Schluss gekommen sei, sein Rückzug aus der sei „die falsche Entscheidung“ gewesen. Deshalb habe er sich „entschlossen, wieder aktiv mitzuarbeiten und den Insolvenzverwalter Dr. Holger Blümle zu unterstützen“.

Die Kurse der beiden jeweils mit 6,5 Prozent jährlich verzinsten Anleihen, über die Windreich 2010 und 2011 bei Anlegern vor allem für die Entwicklung von Offshore-Windparks 149 Millionen Euro bei Anlegern eingeworben hatte, profitierten nicht von dieser Nachricht. Beide stecken weiterhin tief unter dem Nominalwert von 100 fest: Die ursprünglich im Juli 2016 fällige Anleihe aus dem Jahr 2011 (DE000A1H3V38) notierte heute um 8:41 Uhr mit 15,50 Euro. Die Vorgängeranleihe (DE000A1CRMQ7), die im März 2015 fällig wäre, notierte mit 16,00 Euro nur unwesentlich höher (ECOreporter.de hat die beiden Anleihen ECOanlagechecks unterzogen und war zu negativen Ergebnissen gekommen :   hier und  hier gelangen sie zu diesen Analysen). Das deutet darauf hin, dass die Anleihe-Gläubiger Balz‘ Optimismus über die Zukunftsperspektiven der Windreich GmbH nicht teilen. Balz und seine Anwälte gehen nämlich davon aus, dass die Windreich GmbH alle Gläubigeransprüche befriedigen kann. Dabei beruft sich Balz auf die Werte, die sein Unternehmen bei der Entwicklung von Nordsee-Windparks geschaffen habe. Dazu würden Balz und der Insolvenzverwalter allerdings Zeit brauchen.

Ob Balz neuerlicher Einstieg sich für Windreich als guter Schachzug erweisen kann, ist fraglich. Schließlich soll er das Gericht  im September 2013 davon überzeugt haben, die Windreich GmbH eine Insolvenz in Eigenregie durchführen zu lassen. Balz selbst war mit Bekanntwerden der Pleite zurückgetreten, um den „Weg für eine Sanierung frei zu machen“, wie es damals hieß. Wochen später musste das Unternehmen seinen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung aber zurücknehmen, weil sein Sanierungskonzept nicht aufging. Deshalb wurde die Insolvenz in Eigenregie dann in ein reguläres Verfahren umgewandelt (ECOreporter.de  berichtete).  Nun lässt der Windreich-Gründer über seine Anwaltskanzlei erklären, er sei wegen der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Windreich zurückgetreten. Bei diesen noch immer nicht abgeschlossenen Ermittlungen geht es um den Vorwurf der Bilanzmanipulation (mehr dazu lesen Sie  hier). Seither führt ECOreporter Windreich in der Wachhund-Rubrik.

Den größten Teil seiner Schulden hat Windreich dem Schreiben zufolge bei den Gläubigern der beiden Anleihen. Allein gegenüber dieser Gläubigergruppe seien 120 Millionen Euro offen. Das Schreiben ist zugleich ein Appell an die Anleihe-Gläubiger, der grundsätzlichen Fortführung des Unternehmens zuzustimmen oder alternativ einer entsprechenden Regelung mit einem Insolvenzplan.

Wie geht es weiter?

Der nächste wichtige Termin für die Anleihe-Gläubiger ist der kommende Montag, 13. Januar 2014. Ab 10 Uhr wird dann im Neckar-Forum an der Ebershalden Straße in Esslingen eine Versammlung der Anleihegläubiger einberufen. Zentraler Punkt auf der Tagesordnung ist die Wahl eines gemeinsamen Vertreters der Anleihe-Gläubiger. Bislang hatte der Anlageschutz-Anwalt Klaus Nieding der Kanzlei Nieding +  Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft aus Frankfurt offiziell signalisiert, für dieses Amt zur Verfügung zu stehen. Der prominennte Fachmann, der auch zur Führungsspitze der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gehört, sollte das Amt schon übernehmen, als Windreich noch die Insolvenz in Eigenregie anstrebte. Nun bringen die Anwälte von Balz weitere Kandidaten ins Spiel: Sie empfehlen zwei Juristen der Stuttgarter Kanzlei Illig Braun Kirschnek. Joachim Illig sei bereit, als Gläubigervertreter zu kandidiern, und Dr. Tibor Braun stehe für das Amt des Stellvertreters zur Verfügung, heißt es in dem Brief. Ein solcher Gläubiger-Vertreter soll die Interessen der einzelnen Gläubiger bündeln und den Forderungen auf diese Weise mehr Gewicht verleihen.

Anlegerschützer stufen Insolvenz als schwierig ein

Anlegerschützer erwarten, dass das Insolvenzverfahren der Windreich GmbH für alle Gläubiger schwierig wird. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) rechnet wegen der Finanzstruktur des Unternehmens damit, dass es zu „größeren Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Gläubigergruppen der Windreich GmbH kommen“ könnte. Die SdK geht weiter davon aus, dass die Chancen der Anleihe-Gläubiger gering sind, ihre Investitionen zurückzuerhalten.

Das Problem der Anleihe-Gläubiger ist, dass ihre Ansprüche gegenüber denen der Banken nachrangig sind. Das heißt, die Banken werden bei der Rückerstattung ihrer Forderungen bevorzugt behandelt. Dennoch ist es notwendig, dass Anleihe-Gläubiger ihre Ansprüche in der Insolvenztabelle des Pleite-Unternehmens anmelden. Die Tabelle ist noch bis zum 4. Februar für Einträge offen.
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