Der Firmensitz der S.A.G. Solarstrom AG in Freiburg. / Quelle: Unternehmen

13.12.13 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Anleihen / AIF

Schwarzer Freitag für S.A.G. Solarstrom AG – Insolvenzantrag

Die S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg hat Gläubigerschutz beantragt. Damit setzt sie den vorläufigen Schlusspunkt unter einer Reihe von Hiobsbotschaften, mit denen das Solarunternehmen in den letzten Wochen  nicht nur seine Aktionäre aufgeschreckt hat, sondern auch seine Anleihengläubiger. Bitter für einige von ihnen: die S.A.G. Solarstrom AG gab auch bekannt, dass sie die am 16. Dezember 2013 fällige Zinszahlung für die Anleihe 2010/2015 nicht leisten kann. Die Creditreform Rating AG hatte vor wenigen Tagen ihre Einschätzung der Bonität von S.A.G. Solarstrom AG mit der Note BB+ ausgesetzt. Die Börsenkurse der Anleihen von S.A.G. Solarstrom AG mit Laufzeiten bis zum 14.12.2015 (ISIN DE000A1E84A4) bzw. bis bis zum 10.07.2017 (ISIN DE000A1K0K53) waren stark eingebrochen (wir  berichteten (Link entfernt)).

Mit diesen Schuldverschreibungen hatte das Unternehmen 16,9 Millionen bzw 25 Millionen Euro eingesammelt. Die Laufzeit der bereits in 2007 von der S.A.G. Solarstrom AG begebenen Wandelschuldverschreibung war 2012 bis zum 29. Juli 2014 verlängert worden. Darauf hatten sich Anleihengläubiger eingelassen, die Schuldverschreibungen im Umfang von rund 7,5 Millionen Euro gezeichnet hatten. Wandelanleihen im Umfang von rund 2,5 Millionen Euro waren in Aktien der S.A.G. Solarstrom AG gewandelt worden. Es erscheint nun alles andere als sicher, ob die Freiburger die Anleihe wie ursprünglich anvisiert im Juli kommenden Jahres zurückzahlen können. Im Juli 2014 müsste das Solarunternehmen auch die Zinszahlung für die 2011 begebene Anleihe ausschütten.

Die Forderungen von Anleihe-Gläubigern sind bei einer Insolvenz in der Regel gegenüber denen von Banken nachrangig. Das heißt, ihre Ansprüche werden erst berücksichtigt, wenn die vorrangigen Forderungen bedient wurden. Das verringert die Chance, das investierte Geld ganz oder in Teilen zurückzubekommen. Um im Verlauf einer Insolvenz Ansprüche bei dem Unternehmen geltend machen zu können, müssen Anleihe-Gläubiger ihre jeweilige Forderung bei der Insolvenztabelle anmelden. Wie es bei der S.A.G. Solarstrom AG weiter geht, ist völlig offen, weil über ihren Insolvenzantrag noch nicht entscheiden wurde. Sie strebt nach eigenen Angaben ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Dann könnte sie selbständig einen Sanierungsplan erarbeiten und würde dabei von einem gerichtlich bestimmten vorläufigen Sachwalter nur begleitet.

Dem Solarausrüster centrotherm photovoltaics AG war zuletzt eine solche Sanierung in Eigenverwaltung gelungen. Im Gegensatz zu der auf Windkraftprojekte vor der deutschen Küste spezialisierte Windreich GmbH aus Schwaben, die im November 2013 ihren Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung zurücknehmen musste, weil ihre Sanierungskonzept nicht aufging. Bei Windreich musste dann das Insolvenzverfahren  in eine geregelte Insolvenz übergehen und ein Insolvenzverwalter das Ruder übernehmen. Die S.A.G. Solarstrom AG will bis März 2014 einen Restrukturierungsplan erarbeiten. Sie strebe „eine zukunftsfähige Restrukturierung zur Fortführung der Unternehmensgruppe, bei der die Gläubiger eng eingebunden werden sollen“ an, teilte sie dazu mit. Dr. Karl Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft sagte: „Ich bin davon überzeugt, dass die S.A.G. Solarstrom AG aufgrund der profitablen Einheiten und des enormen Know-hows durch eine Restrukturierung eine sehr realistische Chance auf die Fortführung des Unternehmens hat.“

Die S.A.G. Solarstrom AG kündigte an, dass sie auch für Tochtergesellschaften S.A.G. Solarstrom Vertriebsgesellschaft mbH sowie S.A.G. Technik GmbH einen Insolvenzantrag stellen wird. Das Unternehmen erklärte dazu, dass es seine Gespräche mit Banken, Finanzdienstleistern und weiteren Gläubigern sowie Investoren als gescheitert ansieht. Diese habe man geführt, seit sich vor etwa einem Monat abgezeichnet habe, dass ein für November 2013 erwarteter „Mittelzufluss im mittleren einstelligen Millionenbereich“ voraussichtlich erst im Jahresverlauf 2014 erfolgen werde. Denn der Verkaufs eines italienischen Anlagenportfolios könne derzeit nicht umgesetzt werden.  Grund sei eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Netzbetreiber.  Nach Informationen vom 3. Dezember 2013 habe sich zudem ein Mittelzufluss an die S.A.G. Solarstrom AG ebenfalls „im mittleren einstelligen Millionenbereich“ aus einem Darlehen verzögert, das einer italienischen Projektgesellschaft gewährt worden war. Die Zahlung können nun „aufgrund formaler Rechtsgründe“ frühestens zum Ende des ersten Quartals 2014 erfolgen. Ferner hätten sich Mittelzuflüsse aus Anlagenverkäufen in Deutschland verzögert, aufgrund von Insolvenzen eines Modullieferanten und einiger Dienstleister. Dieser Ausfall von fest eingeplanten Einnahmen im Umfang von insgesamt über 20 Millionen Euro habe Liquiditätslücken gerissen, „die durch die Refinanzierungsgespräche nicht geschlossen werden konnten.“ Dabei waren diese bereits „in ein sehr konkretes Stadium getreten“,  wie es hieß. Die S.A.G. Solarstrom AG sei damit zahlungsunfähig, obwohl "bilanziell keine Überschuldung" vorliege.

Innerhalb von nur zehn Wochen ist das Freiburger Solarunternhemen in diese Existenzkrise geschlittert. Anfang November 2013 war das Vertrauen der Börsianer in die S.A.G. Solarstrom AG noch recht stabil gewesen. Die Aktie war im Xetra mit knapp drei Euro gehandelt worden. Dann aber setzte mit der am 7. November veröffentlichten überraschend schwachen Zwischenbilanz für das dritte Quartal und die ersten neun Monaten des laufenden Jahres eine dynamische Abwärtsspirale ein. Für die ersten drei Quartale 2013 musste die Gesellschaft einen operativen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Höhe von 2,8 Millionen Euro bekannt geben. Vorstandschef Kuhlmann erklärte dies damals unter anderem mit Verzögerungen bei einem britischen Großprojekt und zeigte sich zuversichtlich, im Gesamtjahr ein positives operatives Ergebnis zu erreichen. Doch drei Wochen später musste er eine Gewinnwarnung veröffentlichen. Aufgrund weiterer Verzögerungen bei Projekten in Großbritannien sei es nicht mehr möglich, wie angestrebt das Gesamtjahr in der Gewinnzone abzuschließen. In 2012 hatte die S.A.G. Solarstrom AG noch einen EBIT-Gewinn in Höhe von 8,8 Millionen Euro erreicht. Infolge der Gewinnwarnung brach der Aktienkurs damals auf rund zwei Euro ein und fiel damit auf das Vorjahresniveau zurück.

Steil abwärts ging es für den Anteilsschein dann, als die Freiburger vor einer Woche bekannt gaben, dass die Verhandlungen mit einem potentiellen Großkunden über die Umsetzung von Projekten im dreistelligen Megawatt-Bereich gescheitert seien. Hierbei handelte es sich offenabr auf die lange verzögerten Projekte in Großbritannien, auch wenn die Gesellschaft das auf Anfrage von ECOreporter.de weder bestätigte noch dementiert hat. Keine Stellungnahme erhielten wir bislang auch zu unseren Fragen, die sich aus einer weitaus dramatischen Nachricht ergaben, mit der die S.A.G. Solarstrom AG vor einer Woche aufwartete. Denn sie erklärte das Scheitern des erhofften Großauftrages mit hohen Bürgschaften, die das Unternehmen habe stellen sollen. Eine derart starke Kapitalbindung stehe zusammen mit den Risiken von Großprojekten häufig „in keinem angemessenen Verhältnis mehr zur erzielbaren Marge“, teilte S.A.G. dazu mit. Aus diesem Grund stelle man nun den Geschäftsbereich Anlagenbau „auf den Prüfstand“ – das Kerngeschäft der Freiburger (mehr dazu erfahren Sie in unserem  Bericht  vom  6.  Dezember). Nach unserer Einschätzung hatten sich damit die Zukunftsaussichten des Unternehmens gravierend verdüstert. Mit einem Fragenkatalog hatten wir die S.A.G. Solarstrom AG dazu aufgefordert, zu diesen Aussichten Stellung zu nehmen. Dies ist bislang nicht geschehen.

Die Aktie des Solarunternehmens war Ende letzter Woche auf einen Euro gefallen und hatte ihren Wert gegenüber dem Vorjahr damit halbiert. Heute um 11 Uhr wurde sie im Xetra dann nur noch mit 40 Eurocent gehandelt.

S.A.G. Solarstrom AG: WKN: 702100 / ISIN: DE0007021008
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