Die Anleihe der Photon Energy Investments NV soll dem Unternehmen die Mittel für neue Photovoltaikanlagen bringen. / Bildquelle: Fotolia (Kraus)

17.07.13 Anleihen / AIF

Schwere Zeiten: Ist die Solaranleihe von Photon Energy ein Ladenhüter?

Das Solarunternehmen Photon Energy N.V. hat große Pläne: Das weitverzweigte Firmennetzwerk mit sechs Geschäftsfeldern und Hauptsitz in Amsterdam ist nach eigenen Angaben entlang der gesamten Photovoltaik-Wertschöpfungskette tätig und plant die Erschließung der Solarmärkte in Australien, Nordamerika und der Türkei. Dafür ist Kapital nötig. Das soll über viele Wege hineinkommen – besonders durch den Verkauf von Aktien und Anleihen. Der Anleihen-Verkauf läuft über die 100-prozentige Investment-Tochter Photon Energy Investments NV. Ergebnis: Bislang eher schleppend, wie ECOreporter.de auf Nachfrage erfuhr.

Die Ende Februar 2013 aufgelegte Anleihe der Kraftwerksparte Photon Energy Investments soll bis zu 40 Millionen Euro einbringen. Unternehmenssprecher Jan Krcmar erklärte auf Nachfrage, dass über das mit acht Prozent fest verzinste Wertpapier bis Anfang Juli 2013 lediglich ein gut Zehntel des angepeilten Anlegerkapitals eingesammelt wurde: „Die Anleihe wurde leider nicht voll platziert. Wir konnten bislang an die vier Millionen Euro verkaufen. Das reicht aus, um erste Projekte aus unserer Projektpipeline anzugehen. Im Hinblick auf die zu großen Teilen negative Atmosphäre, die in Deutschland in Bezug auf Photovoltaik herrscht, sehen wir dies als kleinen Erfolg an.“ Im Juni 2013 sei die erste planmäßige Ausschüttung an die Anleger erfolgt, fährt er fort. Das 2018 fällige Wertpapier wird seit Mitte März 2013 an der Frankfurter Börse gehandelt und notiert dort aktuell bei dem Nominalwert. Angesichts des Platzierungsstandes ist es kaum verwunderlich, das Photon Energy Investments die Anleihe noch bis spätestens Ende Januar 2014 Anlegern direkt zum Kauf anbieten will. Und frisches Geld scheint gebraucht zu werden, denn die Führung der Photon-Energy-Gruppe denkt über weitere Kapitalmaßnahmen nach - darunter auch eine weitere Anleihe. Krcmar: „Eine mögliche Anleihe ist nur einer von vielen möglichen Schritten, die wir prüfen, wie ein IPO und ein Private Placement, die vorher an die Reihe kommen würden.“

Rote Zahlen im Geschäftsjahr 2012

Die Projekte, welche die Anleihe-Emittentin Photon Energy mit dem Geld der Anleger angehen will, sollen insgesamt 127 Megawatt (MW) umfassen. Zielmärkte sollen Osteuropa, Nordamerika und Australien sein. Bislang betreibt die Photon Energy Investments NV erst 26 Solaranlagen in den Größenordnungen von 130 kW bis 2,3 MW. Zwölf davon stehen in Tschechien, wo die Muttergesellschaft Photon Energy ursprünglich gegründet wurde. Weitere elf befinden sich in der Slowakei und zwei Anlagen in Italien. Zusammen kam das Portfolio Stand April 2013 auf 28 MW. Seither ist dem Unternehmenssprecher zufolge allerdings ein weiteres Sonnenstrom-Kraftwerk im Eigenbetrieb in Australien hinzugekommen. Die älteren Anlagen sind meist im Rahmen einer Restrukturierung der Photon-Energy-Gruppe im Juni 2012 an die damals neu gegründete Photon Energy Investments NV übergegangen.
Die Bilanz der Photon Energy Investments NV weist für das Geschäftsjahr 2012 rund 314.000 Euro Verlust vor Zinsen und Steuern aus, obwohl die Anlagen in der Mehrzahl bereits seit 2009, 2010 oder 2011 in Betrieb sind. Dazu Unternehmenssprecher Jan Krcmar:  „Die Verluste entstanden durch einmalige Kosten im Rahmen der Restrukturierung der Gruppe und der Vorbereitung der Anleiheplatzierung.“ Es handele sich etwa um Kosten für Auditoren und Anwälte. „Da sowohl die Restrukturierung als auch die Anleiheplatzierung bereits erfolgt sind, werden sich diese Kosten nicht mehr wiederholen“, sagt Krcmar. Die Bonner Ratingagentur Creditreform AG bewertete die Bonität der Photon Energy Investments NV mit „BB-“. Damit stufen die Analysten die Anleihe-Emittentin in die „Risikogruppe IV“ ein und attestieren ihr somit ein „überdurchschnittliches Insolvenzrisiko“.
Bildnachweis: In Australien hat Photon Energy 2013 ihre erste eigene Solaranlage in Betrieb genommen. / Quelle: Unternehmen
Aktienpaket als Schuldenausgleich

Die Photon-Energy-NV-Aktie, also die Aktie der Muttergesellschaft, wird seit kurzem an einem speziellen Segment der polnischen Börse in Warschau gehandelt (ECOreporter.de berichtete). Photon Energy NV plant jedoch, die Aktie des Unternehmens im Hauptmarkt der polnischen Börse notieren zu lassen. „Bei idealen Marktbedingungen strebt das Unternehmen den Börsengang im ersten Quartal 2014 an“, hatte die Unternehmensführung anlässlich der Kapitalerhöhung Anfang Juli verkündet.

Die Photon Energy NV wurde 2008 vom aktuellen Vorstandsvorsitzenden Georg Hotar und dem Australien-Geschäftsführer Michael Gartner in Tschechien gegründet. Beide zusammen kontrollieren über die Gesellschaft „Solar Age Investments BV“ als Mehrheitseigner die gesamte Unternehmensgruppe. Die Solar Age Investments hält seit einer Kapitalerhöhung der Photon Energy NV Anfang Juli 2013 56,5 Prozent an der Photon Energy NV. Hotar und Gartner kommen seither auf insgesamt 89,8 Prozent aller Anteile an Photon Energy NV. Allerdings wurden die 24 Millionen Euro für das Aktienpaket der Solar Age Investments BV nur formal fällig. Denn das Geschäft war ein Schuldenausgleich: „Die Verbindlichkeit ist im Rahmen der Restrukturierung von Photon Energy entstanden, im Rahmen dessen hat Solar Age Investments BV diese Verbindlichkeit erworben“, sagt Krcmar. Weitere Verbindlichkeiten dieser Art bestünden nun nicht mehr.

Die Photon Energy Gruppe steht in keinem geschäftlichen Zusammenhang mit der Photon Holding GmbH aus Aachen und deren Tochterfirmen, von denen die Photon Europe GmbH (der Solarzeitschriften-Verlag hinter dem Magazin photon) im Dezember 2012 Insolvenz anmeldete (ECOreporter.de berichtete). Darauf haben die Niederländer bereits kurz vor dem Insolvenzantrag des Verlages in einer Presseerklärung ausdrücklich hingewiesen. Zur Jülicher Unternehmensgruppe gehört mit der Photon Power AG ebenfalls ein Unternehmen, dass den Abonnenten der Zeitschrift photon Anleihen anbietet. Auch hier bestehe kein Zusammenhang, so die Niederländer.

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