Scope hat das Rating des Frankreich-Windfonds Leonidas XVII kassiert. ECOreporter.de hat den Anbieter Leonidas Associates zu der Scope-Kritik befragt. Der Fonds Leonidas XVII setzt auf Nordex-Windräder. / Foto: Unternehmen

18.02.16 Anleihen / AIF

Scope-Kritik an Windfonds LeonidasXVII - Anbieter wehrt sich

Gefährden neue Rahmenbedingungen in Frankreich die Renditeprognose des Windfonds Leonidas XVII von Leonidas Associates? Die Ratingagentur Scope hat jetzt ihre Beurteilung des Fonds zurückgezogen. Das Emissionshaus Leonidas Associates AG weist die Kritik von Scope zurück und hält an den Prognosen fest. Das erfuhr ECOreporter.de auf Nachfrage bei dem Emissionshaus. Was die Scope-Analysten zur Neubewertung bewog, hatte der ECOanlagecheck zuvor schon präzise analysiert.

Die Berliner Ratingagentur Scope Ratings AG ist auf die Bewertung sogenannter Alternativer Investmentfonds (AIF) spezialisiert (AIF sind die Nachfolger der klassischen geschlossenen Fonds, über die Anleger mittelbar in beispielsweise in Immobilien, Wind- oder Solarparks investieren können). Die Bewertungen von Scope haben Gewicht in der Branche. Nun hat Scope das Rating für den geschlossenen Windfonds „Leonidas Associates XVII Wind“ kassiert. Dieser ist bereits ausverkauft. Er läuft noch bis Ende 2032. Bislang investiert der Fonds in eine Windfarm mit 27,5 Megawatt (MW) Leistungskapazität auf französischem Boden. Anleger sind mit rund 19 Millionen Euro beteiligt. Den Investoren stellt das Emissionshaus Leonidas Associates AG im Prospekt 232 Prozent vor Steuern als Gesamtausschüttung in Aussicht. Erste Ausschüttungen sollen die Anleger demnach für das laufende Jahr 2016 erhalten. Die Ausschüttungen sollen bei 4,0 Prozent beginnen und im Laufe der Beteiligung ansteigen (dieser  ECOanlagecheck  analysiert den Fonds im Detail).


Was führte zur Abwertung?

An eben dieser Prognose hegen die Scope-Analysten Zweifel. Der Grund: Für den konzeptionell baugleiche Nachfolgerfonds Leonidas Associates XVIII Wind, der in diesen Tagen auf den Markt kam, fallen deutlich höhere Steuern an, weil sich die Rahmenbedingungen in Frankreich geändert haben. „Die Ertragsprognose war beeinflusst von der steuerlichen Behandlung der Investition“, so Scope: „Da die Investitionskriterien von Leonidas XVIII und Leonidas XVII identisch sind passt Scope seine Erwartungen und Annahmen hinsichtlich der Steuerbelastung auch für Leonidas XVII an“, so die Scope-Analysten weiter. Das Rendite-Risiko-Profil des Fonds Leonidas XVII habe sich mit der neuen Steuerbelastung verschlechtert, so Scope. Die bisherige Note „BBB“ für eine „angemessene“ Renditeerwartung habe Scope deshalb auf „BB“ für eine „mäßige“ Renditeerwartung gesenkt.

Max-Robert Hug, Vorstand und Gründer des Emissionshauses Leonidas Associates aus Klachreuth, stellt sich der Argumentation der Scope-Analysten entgegen: „Der vom Management der Leonidas für die Beteiligung Leonidas XVII gekaufte Windpark „Achery“ erfüllt die Ausschüttungsprognose von 232 Prozent über die Laufzeit von 15 Betriebsjahren“, erklärt Hug. Die konkrete steuerliche Situation des Windparks sei im Vorfeld der Transaktion geprüft und entsprechend berücksichtigt worden, so Hug weiter. Korrekturbedarf bei der Ausschüttungsprognose von Leonidas XVII sieht Hug nicht: „Der von Scope gezogene Umkehrschluss ist damit schlichtweg falsch“, so Hug: „Leonidas kann die Ausschüttungsprognose des Leonidas XVII aufgrund der Eckdaten des gekauften Projekts Achery vollumfänglich aufrecht erhalten“, sagt er. Den Unterschied in den Kalkulationen zu Fonds Leonidas XVIII und Leonidas XVII begründet Hug dabei wie folgt: „Tatsächlich handelt es sich im Rahmen der Kalkulation von Leonidas XVIII aber um eine Berücksichtigung der gestiegenen Einkaufspreise für neue Projekte. Leonidas XVII ist davon nicht betroffen, wurden die Windparks doch früher angebunden und damit noch entsprechend günstig eingekauft.“
Bild: Max-Robert Hug, Gründer und Vorstand von Leonidas Associates. / Foto: Unternehmen


Analysten beklagen Intransparenz – Emissionshaus wehrt sich entschieden

Scope hat das Rating für Leonidas XVII nicht nur gesenkt, sondern nun auch ganz zurückgezogen. Das Emissionshaus Leonidas Associates habe für das Rating keine „weiterführende Informationen“ zum Windpark Achery geliefert. Damit fehle die Voraussetzung für eine weitere Bewertung, so die Begründung. „Scope wollte eine Vielzahl von Unterlagen und Kopien zusammengestellt und offengelegt bekommen. Es ist in diesem Zusammenhang richtig, dass Leonidas die geforderten Unterlagen der Rating-Agentur nicht zur Verfügung gestellt hat“, räumt Leonidas-Vorstand Hug ein. Das sei jedoch nicht grundlos geschehen: „Kredit- oder Wartungsverträge enthalten Klauseln, die Stillschweigen gegenüber Dritten enthalten. Auch eine Ratingagentur ist in diesen Fällen als Dritter zu qualifizieren. Wir halten uns an dieses Verträge“, sagt er.

Noch bevor Scope die Neubewertung des Fonds Leonidas XVII bekannt machte, hat ECOreporter.de den Nachfolger-Fonds in einem  ECOanlagecheck  geprüft.  In der Analyse arbeiteten wir insbesondere die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Fonds Leonidas XVII und XVIII heraus und gehen auf die steuerliche Situation des Fonds ein.
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