Abtransport von Rotoren für Windkraftanlagen von Senvion für den Einsatz auf See - offshore. Rund 30 Prozent der Festaufträge von Senvion entfallen auf Offshore-Projekte. / Foto: Senvion

16.03.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Senvion steht vor Umbruch – Wind-Aktie im Kurskeller

Der Windkraftanlagen-Hersteller Senvion rechnet für 2017 mit einem Rückgang von Umsatz und Gewinn. Das gab er bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2016 bekannt. Auch hat das Hamburger Unternehmen 2016 die Prognose nicht ganz erfüllt. Die Wind-Aktie notiert im Xetra mit 11,9 Euro (16. März, 11:30 Uhr) weiterhin deutlich unter dem Wert von 15,75 Euro, zu dem sie zum Börsengang im März 2016 ausgegeben worden war. ECOreporter.de hatte von dem Investment abgeraten.

Senvion erreichte 2016 gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzplus von 3,4 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro. Die Kapazität der im Gesamtjahr installierten Windräder erhöhte sich um ein Prozent auf 1.762 Megawatt (MW). Die Gewinnmarge beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich auf 9,3 Prozent. Beide Werte lagen leicht unter der Prognose der Unternehmensführung, die dies mit Projektverzögerungen bei Kunden begründete. Als operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbuchte Senvion im Gesamtjahr einen Gewinn in Höhe von 141,9 Millionen Euro nach 136,4 Millionen Euro in 2015.

Nach den ersten neun Monaten 2016 war Senvion noch sehr weit vom Jahresziel entfernt gewesen. Von Januar bis September 2016 war der Umsatz des Windkraftanlagen-Herstellers um 5 Prozent geschrumpft und der Gewinn nur geringfügig gestiegen. Die Nachricht darüber hatte einen Kursverfall der Windaktie ausgelöst. Erst seit kurzem hat sich der Aktienkurs von Senvion stabilisiert. Nachrichten über Geschäftserfolge und die Ankündigung eins Kostensenkungsprogramms hatten zuletzt das Vertrauen der Börsianer in die Windaktie gefestigt.

Mit einem überaus starken vierten Quartal ist es Senvion letztlich gelungen, eine solide Jahresbilanz zu erreichen. Wie CEO Jürgen Geißinger mitteilte, erzielte Senvion im Abschlussquartal von 2016 ein Wachstum von über 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und eine EBITDA-Marge von 9,7 Prozent. Zudem gingen Festaufträge im Umfang von 458 Millionen Euro ein und damit 51 Prozent mehr als im vierten Quartal 2015. Ende 2016 hatte Senvion Festaufträge in Höhe von 1,304 Milliarden Euro in den Büchern.

Senvion muss stark auf die Kostenbremse drücken

Geißinger stellte bei der Vorlage der Zahlen aber klar, dass das starke vierte Quartal keinen Trend setzte für das Geschäftsjahr 2017. Ihm zufolge stehen Windkraftanlagen-Hersteller wie Senvion „auf kurze Sicht“ unter Preisdruck. Denn in etablierten Windmärkten wie Europa würde die Umstellung von festen Einspeisetarifen für Strom aus neuen Windkraftanlagen auf die Tarifermittlung über Ausschreibungen zu sinkenden Preisen führen. Zudem verlagere sich die weltweite Nachfrage verstärkt hin zu neuen Windmärkten, in denen ein starker Preiswettbewerb bestehe. Um die „Grundlage für profitables Wachstum bis zum Jahr 2019“ zu schaffen müsse Senvion nun die Produktion an die neue Situation anpassen und die Kosten verringern. Erste Maßnahmen dafür hatte Senvion bereits vor einigen Tagen vorgestellt. Demnach will die Unternehmensführung einige Standorte in Deutschland schließen und etwa 17 Prozent der insgesamt rund 4.500 Mitarbeiter entlassen. Das werde zunächst zu erheblichen Umstrukturierungskosten führen (wir haben über diese Pläne  berichtet).

Vorerst wenig Hoffnung auf deutliche Kursgewinne der Senvion-Aktie

Geißinger rechnet für 2017 mit einem Rückgang der EBITDA-Marge auf 8,0 bis 8,5 Prozent. Der Umsatz werde voraussichtlich auf 2,0 bis 2,1 Milliarden Euro schrumpfen. Ihm zufolge dürfte Senvion erst 2019 wieder eine höhere Marge als in 2016 erzielen. Bis dahin soll sie auf 9,5 bis 10,5 Prozent klettern, bei angestrebten 2,6 bis 2,7 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Anleger sollten nun abwarten, welche Fortschritte Senvion bei der Umstrukturierung macht. Es ist noch offen, ob die Pläne der Unternehmensführung aufgehen. Seit dem Börsengang vor knapp einem Jahr hat der Windkraftanlagen-Hersteller die Hoffnungen der Aktionäre auf Kursgewinne enttäuscht. Es dürfte noch lange dauern, bis die Wind-Aktie zumindest ihren Startkurs nenneswert übertrifft.

Senvion S.A.: ISIN LU1377527517 / WKN A2AFKW
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