Dieser französische Solarpark wurde mit Technik von Canadian Solar ausgestattet. Der Solarkonzern leidet unter dem Preisverfall bei Photovoltaikmodulen. / Foto: Canadian Solar

22.03.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Solar-Aktie Canadian Solar nach Gewinneinbruch im Tiefflug

Canadian Solar hat mit einer verheerenden Bilanz für das vierte Quartal 2016 enttäuscht. Zudem sind Umsatz und Gewinn im Gesamtjahr 2016 gesunken. Der Kurs der Solar-Aktie stürzte erneut ab auf nun 12,3 US-Dollar. Sie wird jetzt wieder zu Kursen vor dem letzten Kursaufschwung gehandelt, der die Aktie von Canadian Solar auf über 40 US-Dollar katapultierte. Sollten Anleger nun auf eine Trendumkehr mit erneut deutlichen Kursgewinnen setzen?

Zuletzt hatten wir in einem  Aktientipp vom Januar 2017  von den hohen Kursrisiken der Aktie von Canadian Solar gewarnt. Daher kommt der aktuelle Kursverlust der Solar-Aktie nicht überraschend. Nach der Veröffentlichung der Jahreszahlen am Dienstagnachmittag stürzte sie an der Nasdaq um neun Prozent auf 12,3 Dollar ab. Ende 2015 war sie noch mit knapp 30 Dollar gehandelt worden. Doch dann musste der Solarkonzern den Plan aufgeben, seine Solarparks in einer Betreibergesellschaft (YieldCo) zu bündeln und diese an die Börse zu bringen.

Zudem setzte ein massiver Preisverfall bei Solarmodulen ein. Ein starkes Überangebot im Weltmarkt löste einen Preiswettbewerb aus und im Schnitt sanken die Preise um über 30 Prozent. Das belastete die Einnahmen von Canadian Solar. Wie Konzernchef Shawn Qu mitteilte, verringerte sich der Jahresumsatz gegenüber 2015 von 3,47 Milliarden auf 2,85 Milliarden US-Dollar. Dies obwohl Canadian die Auslieferungen von 4,7 auf 5,2 Gigawatt (GW) steigerte. Er übertraf damit sogar leicht die Jahresprognose von 5,1 GW.

Der Nettogewinn des Solarkonzerns mit Hauptsitz in der kanadischen Provinz Ontario brach stark ein, von knapp 172 Millionen US-Dollar oder 2,93 US-Dollar je Aktie auf 65,2 Millionen US-Dollar oder 1,12 US-Dollar je Aktie. Dazu trug vor allem ein hoher Nettoverlust im vierten Quartal bei. Der wurde im Wesentlichen dadurch verursacht, dass Canadian Solar eine Strafzahlung für Solarimporte in die USA in Höhe von 44,1 Millionen US-Dollar einkalkulierte, über die noch nicht abschließend entscheiden wurde.

Canadian Solar produziert vor allem in China, aber auch in Kanada. Die USA erheben Strafzölle für Solarimporte aus China. Das Handelsministerium der Vereinigten Staaten fordert deshalb Nachzahlungen von Canadian Solar für Lieferungen in die USA. Der Solarkonzern klagt gegen diese Entscheidung und bekräftigte bei der Vorlage der Jahresbilanz 2016, die eingeführte Solartechnik stamme nicht aus China. Ohne diesen Sondereffekt wäre das Nettoergebnis von Canadian Solar im vierten Quartal 2016 zwar ebenfalls gesunken, aber mit 14,2 Millionen US-Dollar oder 0,24 US-Dollar je Aktie deutlich positiv ausgefallen.

Canadian Solar muss sinkende Einnahmen im Geschäft mit Solarmodulen auffangen

Die Börsianer reagierten verschreckt auf das schwache vierte Quartal. Hinzu kam, dass Chief Executive Officer (CEO) Shawn Qu kurzfristig keine deutliche Verbesserung der Gewinnspanne in Aussicht stellte. Diese lag – ohne den Einmaleffekt der Strafzahlung – im vierten Quartal bei 13,9 Prozent und damit deutlich unter den zuvor erreichten 17,8 Prozent. Für das erste Quartal 2017 erwartet Shawn Qu nun lediglich eine Gewinnspanne von 13 bis 15 Prozent. Eine konkrete Gewinnprognose veröffentlicht Canadian Solar seit jeher nicht. Der Konzernchef rechnet aber offenbar damit, dass der Preisdruck dem Unternehmen weiter zu schaffen machen wird.

Einnahmerückgänge kann und will Shawn Qu in 2017 auffangen, indem er Projekte aus dem großen Solarpark-Bestand von Canadian Solar verkauft. Dies hatte er schon angekündigt, nachdem sich die YieldCo-Pläne aufgrund des stark verschlechterten Börsenumfeldes für solche Aktien zerschlagen hatten. Nach eigenen Angaben verfügte der Solarkonzern Ende Februar über Solarparks in Betrieb mit einer Gesamtkapazität von knapp zwei GW, deren Wert er mit 1,6 Milliarden US-Dollar angibt.

Weitere Projekte hat Canadian Solar in der Hinterhand. Laut dem Unternehmen ist die Umsetzung von Solarparks mit ebenfalls insgesamt rund zwei GW in einem fortgeschrittenen Stadium. Davon entstehe etwa die Hälfte in China, Japan und Indien, etwa ein Fünftel in den USA. Weitere Standorte sind etwa Mexiko, Brasilien und Australien.

Zudem will die Führung von Canadian Solar die Modulfertigung weiter ausbauen und so die Produktionskosten je Stück verringern. Dies ermöglichen so genannte Skaleneffekte, etwa beim Einkauf von Materialien. Je größer die Produktion, desto größer die Menge der benötigten Materialien. Und je mehr ein Solarhersteller davon bei Zulieferern ordert, desto größere Mengenrabatte kann er für sich herausschlagen. Laut CEO Shawn Qu will Canadian Solar die Solarmodulproduktion bis zur Jahresmitte 2017 auf 7 GW steigern. Die Auslieferungen sollen im Gesamtjahr von 5,2 auf 7 GW anwachsen.

Doch es ist riskant, die Produktion weiter auszubauen. Schließlich gibt es schon jetzt ein deutliches Überangebot im Weltmarkt für Solarmodule. Offenbar setzt Konzernchef Shawn Qu darauf, sich in dem dadurch ausgelösten Preiswettbewerb durchsetzen zu können. Gelingt dies, würde Canadian Solar seinen großen Anteil am Weltmarkt nicht nur behaupten, sondern vielleicht sogar ausbauen können. Langfristig würde das deutliche Einnahmesteigerungen ermöglichen. Kurzfristig riskiert das Unternehmen damit aber weiter sinkende Gewinne bis hin zu einem Jahresverlust. Die logische Folge wäre ein weiterer Kursverfall der Solar-Aktie.

Fazit

Daher raten wir weiterhin von dem Investment in die Aktie von Canadian Solar ab. Sie könnte kurzfristig noch mehr an Wert verlieren. Zugleich muss diese Gefahr die Aktionäre des Solarkonzerns nicht verschrecken, die eine längere Kursschwäche aussitzen können. Das Unternehmen ist gut dafür aufgestellt, von dem langfristig starken Wachstum des weltweiten Solarmarktes zu profitieren. Sowohl im Geschäft mit Solarmodulen als auch als Solarprojektierer ist Canadian Solar in allen großen und in den besonders wachstumsträchtigen Solarmärkten vertreten.

Der hohen Schuldenlast stehen sehr große Vermögenswerte gegenüber, insbesondere viele große Photovoltaikprojekte, die Canadian Solar recht schnell zu Geld machen kann. Das mindert langfristig das Anlagerisiko. Wer auf eine langfristige Kurserholung von Canadian Solar setzen kann, sollte die Beteiligung halten.


Canadian Solar Inc.: ISIN CA1366351098 / WKN A0LCUY
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x