Hauptsitz von Meyer Burger in Thun (Schweiz): Die Zahlen für das erste Halbjahr sind durchwachsen. Wie geht es mit dem Solarausrüster weiter? / Foto: Meyer Burger Technology AG

16.08.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Solar-Aktie: Meyer Burger Technology ein Kauf?

Mehr Aufträge, geringere Verluste – aber auch weniger Umsatz im Vergleich zum Vorjahr: Die Halbjahresbilanz von Meyer Burger Technology überrascht angesichts des Marktumfelds nicht. Die Frage ist: Wie geht es mit dem Schweizer Solarausrüster weiter, und kann man die Aktie mit gutem Gewissen empfehlen?

Ein um 15 Prozent höherer Auftragseingang gegenüber dem ersten Halbjahr 2016: Es klingt zunächst einmal positiv, was der Schweizer Solarausrüster der Präsentation seiner Halbjahreszahlen voranstellte. Seine Kunden, also Hersteller von Solar-Wafern, -Zellen- und -Modulen hätten kräftig in in Upgrades ihrer bestehenden Produktionslinien investiert, teilte Meyer Burger mit. Davon hätten die Schweizer als Spezialisten für diese Technologie profitiert.

Doch trotz des erhöhten Auftragsvolumens von 308,5 Schweizer Franken (CHF) lag der Umsatz 2,5 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. "Negative Währungseinflüsse" hätten den Erlös geschmälert, auf nun 212,3 Millionen CHF, wie Meyer Burger berichtete. Nichtsdestotrotz erwarte man im zweiten Halbjahr einen Zuwachs, weil der Auftragsbestand Ende Juni noch 339,1 Millionen CHF betrug, die Bücher sind also gut gefüllt.

Um Sondereffekte bereinigt kommt der Solarausrüster auf eine Bruttomarge von 51,2 Prozent. Mit der Bruttomarge (auch Gross Margin genannt) kann man beurteilen, wie kosteneffizient ein Unternehmen arbeitet bzw. produziert. Die Bruttomarge stellt den prozentualen Anteil des Umsatzes dar, der nach Abzug der Herstellkosten übrigbleibt. Daraus folgt: Je höher die Bruttomarge ist, desto besser wirtschaftet ein Unternehmen.

Niedrigere Kosten, verbessertes Ergebnis

Meyer Burger hat nach der Krise in 2016 die Kosten gesenkt, Produktionsstätten geschlossen und Mitarbeiter entlassen, 261 Kündigungen werden es bis Ende September 2017 sein. Das hohe Auftragsvolumen im ersten Halbjahr 2017 wurde mit "temporären Mitarbeitern" bewältigt, hieß es.

Um Sondereffekte bereinigt erzielte der Solarausrüster ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 18,4 Millionen Euro, gegenüber 6,2 Millionen CHF im ersten Halbjahr 2016. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) war hingegen negativ und lag bei minus 8,8 Millionen CHF (2016: minus 20,8 Millionen). Immerhin sind die Zahlen nicht mehr tiefrot, sondern "nur" noch rot.

Eine Verbesserung gab es auch beim Konzernergebnis: Meyer Burger verzeichnete einen Verlust von minus 17,0 Millionen Euro, im Vergleich zu minus 25,6 Millionen CHF in 2016. Das Ergebnis pro Aktie lag bei minus 0,03 CHF, es hatte im ersten Halbjahr 2016 noch minus 0,08 CHF betragen. Ohne Sondereffekte konnte der Solarausrüster das Konzernergebnis für das erste Halbjahr 2017 auf minus 5,6 Millionen CHF verbessern.

Anleihe zurückbezahlt: Nächste wird 2020 fällig


Wie Meyer Burger mitteilte, hat das Unternehmen die im Mai 2017 fällige 5-Prozent-Anleihe zurückbezahlt. Deswegen wies die Halbjahresbilanz einen negativen "Cashflow aus Finanzierungstätigkeit" von minus 134,2 Millionen CHF auf (2016: minus 0,5 Millionen CHF).  Die Rückzahlung erfolgte mit Hilfe von Finanzspritzen verschiedener Investoren.  Sie wirkte sich positiv auf die Eigenkapitalquote aus, sie lag bei 43,4 Prozent, Ende 2016 dagegen bei 37,2 Prozent.

Die nächste Anleihe (Volumen: 100 Millionen CHF) muss im September 2020 zurückgezahlt werden. Es handelt sich dabei um eine Wandelanleihe mit einem Zins von 5,5 Prozent, deren Preis im Frühjahr angepasst wurde (lesen Sie dazu die Originalmitteilung von Meyer Burger).

Ausblick für 2017: Umsatz auf Niveau des Vorjahres, Ergebnis steigt

Meyer Burger bestätigte die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2017 und erwartet einen Umsatz "auf Vorjahresniveau", er soll zwischen 440 und 460 Millionen CHF liegen (2016: 456 Millionen). Der Vorstand rechnet mit einem EBITDA von rund 30 bis 45 Millionen CHF für 2017, eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr: 2016 hatte Meyer Burger mit 10,5 Millionen CHF ein positives Ergebnis erwirtschaftet, nach einem EBITDA-Verlust von fast 60 Millionen CHF in 2015.

Solar-Aktie: Kurzzeitiger Höhenflug, nun wieder Talfahrt

Seit Mitte Mai hat die Aktie von Meyer Burger deutlich an Wert gewonnen: Vom 18. Mai bis zum 25. Juli legte sie satte 80 Prozent zu auf bis zu 1,55 CHF. Seitdem fiel der Kurs wieder. Nach Bekanntgabe der Zahlen kostet die Solar-Aktie an der Swiss Exchange 1,36 CHF (1,91 Euro, 16. August, 9:16 Uhr). Sie büßte damit gegenüber dem Vortag rund 6 Prozent ein.

Offenbar haben Anleger noch die Halbjahreszahlen abgewartet und dann ihre Anteile verkauft – auch weil der Umsatz geringer und der Ausblick von Meyer Burger für das Gesamtjahr verhalten ausfiel.

Fazit: Bei der Aktie ist nach wie vor Zurückhaltung angesagt

ECOreporter.de warnt weiterhin vor dem Investment in die Solar-Aktie. Die vollen Auftragsbücher und die Vertriebserfolge von Januar bis Juni sind keineswegs ein Anzeichen dafür, dass Meyer Burger langfristig auf der Erfolgsspur ist.

Weiterhin werden weltweit viel zu viele Solarmodule gefertigt, und der Nachfrageboom in China dürfte nicht von Dauer sein. Hinzu kommt die Abhängigkeit Meyer Burgers von wenigen Großkunden, von denen leicht mal einer wegbrechen kann.

Wie schon in unserem  Aktientipp von Ende Mai 2017  empfehlen wir Anlegern deshalb, die weitere Entwicklung abzuwarten. Sie sollten derzeit  nicht  in die Aktie von Meyer Burger investieren.

Meyer Burger Technology AG:  ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x