Diese Drahtsägen der Meyer Burger Technology AG werden bei der Produktion von Solarwafern eingesetzt. Die Solaraktie ist weiter riskant. / Foto: Meyer Burger Technology AG

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Solaraktie Meyer Burger im freien Fall – ECOreporter hatte gewarnt

Auf neue Nachrichten des Solarausrüsters Meyer Burger Technology AG haben die Börsianer verschreckt reagiert. Die Solaraktie verlor an der Swiss Exchange bis 10:30 Uhr über zehn Prozent auf 2,4 Schweizer Franken (CHF). ECOreporter.de empfiehlt schon länger den Verkauf der Aktie von Meyer Burger.  Bei unserer Analyse im Aktientipp vom August 2016 wurde sie noch mit 4,5 CHF gehandelt.


Meyer Burger hat vorläufige Zahlen für die ersten neun Monate von 2016 veröffentlicht. Die sind aber vergleichsweise positiv ausgefallen und nicht der Grund für den abermaligen Kursabsturz. Doch der Solarausrüster aus Thun in der Schweiz kündigte gleich mehrere Maßnahmen an, um seine finanzielle Situation zu verbessern. Das nährt den Verdacht, dass die Situation des Unternehmens immer schwieriger wird.

Meyer Burger hat nach vorläufigen Berechnungen den Umsatz von Januar bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Er sprang um 97 Prozent auf 358,5 Millionen CHF. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte mit knapp 14 Millionen CHF ins Positive, nach über 67 Millionen CHF EBITDA-Verlust im Vergleichszeitraum. Dennoch erwirtschafteten die Schweizer abermals einen hohen Nettoverlust. Er fiel mit minus 40,3 Millionen CHF immerhin deutlicher aus als in 2015, als nach neun Monaten ein Nettoverlust von fast 139 Millionen CHF verbucht wurde. Der Auftragseingang entwickelte sich mit einem Plus von 15 Prozent auf 358,5 Millionen CHF gut.

Aber offenbar erwartet der Solarausrüster einen Auftragsrückgang im kommenden Jahr. Denn er will stark auf die Kostenbremse drücken und die jährlichen operativen Gesamtkosten um rund 50 Millionen CHF reduzieren. Ab 2018 soll schon ein Umsatzvolumen von rund 300 Millionen CHF genügen, um ein positives EBITDA zu erreichen. Für 2016 peilt der Vorstand 420 bis 450 Millionen CHF Umsatz an und beim EBITDA einen Gewinn von 10 bis 20 Millionen CHF. In 2015 hatte Meyer Burger 323,6 Millionen CHF Umsatz erwirtschaftet  und beim EBITDA einen Verlust in Höhe von 55,9 Millionen CHF.

Die Aussichten für Meyer Burger verdüstern sich

Doch die Umstrukturierungen, mit denen Meyer Burger die Kosten im Jahresverlauf 2017 stark verringern will, sind teuer. Und Ende September 2016 beliefen sich die flüssigen Mittel des Unternehmens nur noch auf etwas über 88 Millionen CHF. Dies angesichts einer drohenden Marktbereinigung bei den Solarherstellern, also den Kunden von Meyer Burger. Weil es auf dem Weltmarkt viel zu viele Solarmodule gibt, müssen die Solarausrüster ihre Preise stark verringern, um ihre Produktion auszulasten  (lesen Sie mehr darüber unter anderem in unserem Aktientipp, in dem wir über die Situation chinesischer Solarhersteller berichten). Meyer Burger liefert Produktionstechnologie vor allem nach China. Die dortigen Hersteller haben aber künftig weitaus weniger Spielraum für neue Investitionen in Produktionstechnologie. Das ist auch der Hintergrund, warum die Schweizer davon ausgehen, künftig mit weniger Umsatz die Profitabilität erreichen zu müssen.

Hinzu kommt, dass Meyer Burger in den kommenden Jahren Anleihen im Volumen von mehreren Hundert Millionen CHF an Investoren zurückzahlen muss. Das zu stemmen, könnte bei sinkenden Erlösen sehr schwierig werden. Daher kündigte die Unternehmensführung nun Kapitalmaßnahmen an, die signalisieren, dass dem Solarausrüster das Geld auszugehen droht.

Banken, Anleihe-Investoren und Aktionäre von Meyer Burger müssen dem neuen Finanzierungskonzept zustimmen

Zum einen kündigte Meyer Burger eine Kapitalerhöhung um 160 Millionen CHF an. Das Unternehmen will die neuen Aktien mit einem Abschlag zum Börsenkurs ausgeben und so das Angebot attraktiv gestalten. Schon in Kürze soll eine außerordentliche Generalversammlung stattfinden, um die Zustimmung der Aktionäre zu dieser Kapitalerhöhung zu erhalten.

Zudem will Meyer Burger einer Versammlung der Anleger einberufen, die in die Wandelanleihe mit einer Laufzeit von sechs Jahren bis 24. September 2020 investiert haben. Diese Anleihegläubiger haben bislang das Recht, eine vorzeitige Rückzahlung der Anleihe auf den 24. September 2018 zu verlangen. Das will der Solarausrüster verhindern und schlägt ihnen vor, auf diese Option zu verzichten. Stimmt die Versammlung der Anleihegläubiger dem zu, so soll im Gegenzug eine höhere Verzinsung als die bisher zugesicherten vier Prozent pro Jahr erfolgen. Sprich: Meyer Burger hofft auf höhere Einnahmen nach 2018 und will sich von der Verpflichtung freikaufen, die Anleihe womöglich schon in 2018 auszahlen zu müssen.

Ferner haben laut Meyer Burger die Banken dem Unternehmen zugesichert, einen eigentlich im April 2017 fällig werdenden Kredit von 30 Millionen CHF und eine weitere Kreditlinie über 60 Millionen CHF um drei Jahre zu verlängern.

Meyer Burger stellt klar, dass diese Maßnahmen voneinander abhängen: „Die Änderung der Bedingungen der Wandelanleihe und die Bereitschaft der Banken, die Laufzeiten der Kreditverträge zu verlängern, stehen jeweils unter der Bedingung der Erhöhung des Aktienkapitals der Gesellschaft. Die Erhöhung des Aktienkapitals der Gesellschaft setzt sowohl die Zustimmung der Versammlung der Anleihegläubiger zur Änderung der Bedingungen der Wandelanleihe als auch die Verlängerung der Laufzeiten der Kreditverträge voraus“, so das Unternehmen. Das bedeutet, dass der offenbar dringend benötigte finanzielle Spielraum noch längst nicht sicher ist. Und es erklärt die nervöse Reaktion der Börsianer auf diese Nachricht.

ECOreporter.de hält weiter an der Empfehlung fest, nicht in die Solaraktie zu investieren.

Meyer Burger Technology AG: ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX

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