Einblick in die Produkton des einstigen Weltmarktführers unter den Solarherstellern: Suntech aus China. Für die Produkte von Solarkonzernen die schwerpunktmäßig in China produzieren, gibt es in USA, der EU und seit kurzem auch in Kanada Einfuhrbeschränkungen. / Foto: Suntech

  Nachhaltige Aktien, Meldungen

Solaraktienkonzernen drohen Sanktionen in Europa

Mehreren große Solarkonzernen, darunter auch zwei namhafte börsennotierte Weltmarktschwergewichte, droht Ungemach von der Europäischen Union. Den Konzernen wird vorgeworfen, gegen die Einfuhrbeschränkungen für Solartechnik aus chinesischer Herstellung verstoßen zu haben. Medienberichten zufolge spielt der Hafen im niederländischen Rotterdam bei den mutmaßlichen Regelverstößen eine Rolle. Verdächtigte Hersteller dementieren.

Die EU beschränkt seit 2013 die Einfuhr von Solartechnik aus China. Für zahlreiche Hersteller gibt es Vorgaben zu Einfuhrmengen und Mindestpreisen. Eingeführt hat die EU diese Einschränkungen, weil sie davon ausgeht, dass chinesische Solarhersteller starke Unterstützung von einheimischer Staatsbanken nutzt, um sich auf dem Weltmarkt einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und die Produkte weit billiger anzubieten als es Mitbewerber aus Europa oder den USA können. Die US-Regierung hatte mit dieser Argumentation bereits 2012 Strafzölle auf Solartechnik „made in China“ und „made in Taiwan“ eingeführt.

So alt wie die Importbeschränkungen ist auch der Vorwurf, dass betroffene Hersteller die Regeln systematisch umgehen, etwa indem sie einen Teil ihrer Produktion in Länder verlegen, für die keine Importbeschränkungen gelten. Jetzt drohen zwei börsennotierten Solarkonzernen mit Produktion in China offenbar Konsequenzen, weil sie gegen die EU-Regeln verstoßen haben sollen. Ermittlungen der EU haben ergeben. Es dreht sich zum einen um Canadian Solar und zum anderen um ReneSolar. Vergleichbare Vorwürfe erhebt die EU-Kommission gegen ET Solar. Als Sanktion droht den Verdächtigten, dass ihre Produkte künftig importzollpflichtig werden.

Canadian Solar und Renesola reagiert mit Dementi

Während Canadian Solar sowohl gegen Mengen- als auch gegen Mindestpreisvorgaben verstoßen haben soll, moniert die EU Kommission bei ReneSola unter anderem Unstimmigkeiten in der Buchführung über die Geschäfte mit EU-Importeuren. Sowohl Canadian Solar als auch Renesola reagierten bereits auf die Vorwürfe. Beide beteuern ihre Rechtschaffenheit; „Wir sind der Meinung, dass wir stets vollkommen im Einklang mit den Einfuhrbestimmungen gehandelt haben“, erklärte Ed Jobs, bei Canadian Solar für Investorenkontakte verantwortlich. Der Konzern werde mit den Behörden kooperieren, um dies zu demonstrieren, so Jobs weiter. Allerdings stellte er auch klar, dass Canadian Solar es werde verschmerzen können, wenn die EU Zollpflicht für die Produkte des Unternehmens beschließen sollte. Europa spielt in unserem Geschäftsmodell eine vergleichsweise kleine Rolle. Jede Entscheidung der EU-Kommission hätte keinen signifikanten Einfluss auf unsere Gesamtjahresprognose für 2015“, so Jobs.

Ebenso bewertet ReneSola-Vorstand Xianshou Li die Situation für sein Unternehmen. ReneSola habe sich im Umgang mit Kunden in der EU nichts zu Schulden kommen lassen. Überdies mache die Kundschaft in der EU einen zu geringen Teil am Gesamtabsatz aus, um die Prognosen und Ziele von ReneSola für 2015 zu gefährden, so Li. Allerdings plant der Konzern offenbar aus dem Importabkommen zwischen China und der EU auszsteigen. Medienberichten zufolge soll ReneSola seine EU-Vertriebspartner per Brief über diese „harte Entscheidung“ informiert haben. Das hieße, für den Import von ReneSola-Produkten wäre künftig ein Importzoll fällig.

Kanada macht ernst mit Photovoltaikzöllen – Canadian Solar wohl betroffen

Canadian Solar sitzt zwar offiziell in Guelph in der kanadischen Provinz Ontario. Allerdings produziert der 2001 gegründete Konzern hauptsächlich in China. Der Gründer und Chef Dr. Shawn Qu ist in Peking geboren und aufgewachsen. Er absolvierte einen Teil seiner akademischen Laufbahn an der Universität von Toronto und zählte Ende der 1990er Jahre nach eigenen Angaben zu den ersten Wissenschaftlern, die an Kanadas Strategien zur Begegnung des Klimawandels arbeiteten.

Die vergleichsweise enge Bindung an China sorgt nun wohl auch dafür, dass auch in Kanada Importzölle auf Produkte des Unternehmens erhoben werden. Die kanadischen Behörden hatten schon Ende 2014 erste Schritte unternommen, um solche Strafzölle einzuführen (ECOreporter.de  berichtete). Laut dem Photovoltaik-Fachinformationsdienst pv-tech.org hat die zuständige Behörde inzwischen vorläufige Zolltarife festgesetzt und eine Liste mit zehn Unternehmen veröffentlicht, die Sonderkonditionen gewährt bekommen.

Der vorläufige Zoll liegt dem Bericht zufolge allgemein bei 286 Prozent. Die Sonderkonditionen bewegen sich demnach zwischen 9,1 und 202 Prozent. Canadian Solar wird in dieser Liste mit 174.2 Prozent im oberen Drittel geführt.  Ebenfalls dort vermerkt sind Wuxi Suntech (202,5 Prozent), Trina Solar (125,5 Prozent), JinkoSolar (111,8 Prozent), Hanwha SolarOne (jetzt Hanwha Q Cells mit 103,3 Prozent) JA Solar (50,6 Prozent) und ReneSola mit 9,1 Prozent. Die Festsetzung endgültiger Tarife ist für Anfang Juli vorgesehen.

Die USA haben vor kurzem neue Anti-Dumping- und Anti-Subventionszölle festgelegt. Sie erreichen über 50 Prozent für in China gefertigte Solarstrommodule und etwa 20 Prozent für Solartechnik aus dem wirtschaftlich mit der Volksrepublik eng verbundenem Taiwan.  Hier  erfahren Sie mehr darüber.

Canadian Solar Inc.: ISIN CA1366351098 / WKN A0LCUY
Trina Solar Co. Ltd.: ISIN US89628E1047 / WKN A0LF3P
ReneSola Ltd:ISIN US75971T1034 / WKN A0NBAR
JinkoSolar Holding Co. Ltd: ISIN US47759T1007 / WKN A0Q87R
JA Solar Co. Ltd.: ISIN US4660902069 / WKN A1J87E
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x