Solarproduktion bei SolarWorld. Der Konzern hat tiefrote Zahlen veröffentlicht. Die Solaraktie hat ein Rekordtief erreicht. / Foto: SolarWorld AG

10.02.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

SolarWorld-Aktie im freien Fall – ECOreporter hatte gewarnt

Der Aktienkurs der SolarWorld AG ist nach dem Strohfeuer um die Jahreswende erneut stark unter Druck geraten. Warum hat die Solaraktie jetzt wieder deutlich an Wert verloren? Sollten Anleger nun günstig einsteigen oder lieber die Finger von der SolarWorld-Aktie lassen? 

Am Freitagmittag hat die SolarWorld AG vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 veröffentlicht und damit einen Kursrutsch ihrer Aktie ausgelöst. Der Anteilsschein des Bonner Solarkonzerns verbilligte sich im Handelssystem Tradegate innerhalb weniger Minuten um rund sieben Prozent auf 3,7 Euro. Dort notiert die Solaraktie damit 55 Prozent unter dem Vorjahreskurs und 83 Prozent unter dem Kurs vor fünf Jahren. ECOreporter.de rät schon seit langem davon ab, in die Aktie von SolarWorld zu investieren.

Die nun vorgelegten vorläufigen Zahlen bestätigen unsere Warnungen. Das wohl bekannteste deutsche Solarunternehmen steckt weiter tief in der Krise. SolarWorld hat zwar in 2016 den Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 803 Millionen Euro gesteigert, den Absatz gar um 19 Prozent auf 1.375 Megawatt (MW) bzw. 1,375 Gigawatt (GW). Diese Absatzmenge entspricht in etwa der Solarstromkapazität, die 2016 in Deutschland insgesamt neu installiert wurde.

Der Absatz von SolarWorld ist gestiegen, aber noch immer zu gering

Aber damit liegen die Deutschen weit hinter den Produktionsmengen von Marktführern wie First Solar oder Canadian Solar. Die verkaufen ein Mehrfaches der Absatzmenge von SolarWorld. First Solar lieferte 2016 voraussichtlich Solarmodule mit einer Gesamtkapazität von 2,8 GW aus, Canadian Solar wohl mehr als fünf GW. Und je größer die Produktionsmenge, desto günstiger kann ein Solarhersteller die einzelnen Solarmodule produzieren und am Markt anbieten. In Sachen Wettbewerbsfähigkeit hinkt SolarWorld im Weltmarkt also der Weltspitze hinterher. Die Deutschen rechnen damit, erst in 2019 die Absatzmarke von zwei GW zu erreichen. Dies ist angesichts einer Konkurrenz, die vor allem über den Preis ausgefochten wird, ein erheblicher Nachteil.

Die Verluste von SolarWorld sind wieder angestiegen

Hinzu kommt, dass der deutsche Konzern noch immer weit davon entfernt ist, profitabel zu wirtschaften, trotz massiver Umstrukturierungen. Ursprünglich hatte SolarWorld-Chef Frank Asbeck für 2016 beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) die Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht gestellt. Dieses Ziel musste er im Jahresverlauf aufgeben. Nach den nun vorgelegten vorläufigen Zahlen fiel im vergangenen Jahr beim EBIT sogar ein Minus von 99 Millionen Euro an. Dieser Fehlbetrag liegt weit über dem Vorjahresverlust beim EBIT in Höhe von vier Millionen Euro. Das ist überaus ernüchternd, selbst wenn man berücksichtigt, dass negative Sondereffekte aus Wertberichtigungen auf das Anlagevermögen das EBIT um 25 Millionen Euro belastet haben, wie das Unternehmen mitteilt. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel ein Jahresverlust in Höhe von 26 Millionen Euro an nach einem positiven EBITDA von 41 Millionen Euro in 2015.

SolarWorld machte in der Meldung mit den vorläufigen Zahlen keine Hoffnung auf eine wesentliche Besserung in 2017. Der Solarkonzern rechnet vielmehr damit, weiter Kapital zu verbrennen. Er stellte für das laufende Geschäftsjahr lediglich eine Verringerung des EBIT-Verlustes in Aussicht, und das auch nur für den Fall, dass anders als in 2016 „keine außergewöhnlichen Preisrückgänge eintreten“. In der zweiten Jahreshälfte waren die Preise für Solarmodule im Weltmarkt um rund 30 Prozent eingebrochen. Dies war eine Folge des starken Überangebotes im Weltmarkt und es ist längst nicht ausgemacht, ob dieses in 2017 so weit abschmilzt, dass der Preisdruck wesentlich nachlässt.

Die hohen Verluste sind auch deshalb bedenklich, weil die SolarWorld AG nur begrenzte Liquidität aufweist. Laut den vorläufigen Zahlen summierten sich ihre liquiden Mittel zum Jahresende 2016 auf 88 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatten noch 100 Millionen Euro mehr zur Verfügung gestanden.

Es drohen hohe Kosten aus dem Rechtsstreit mit Hemlock

Die SolarWorld AG kündigte bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen weitere Maßnahmen an, um effizienter und kostengünstiger zu produzieren. Sie will die Produktion auf monokristalline Hochleistungsprodukte konzentrieren, Vertrieb und Verwaltung verschlanken, etwa 400 der rund 3.000 Arbeitsplätze abbauen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, den nun schon Jahre währenden Abwärtstrend zu stoppen, ist zweifelhaft. Zumal weiterhin der Rechtsstreit mit dem US-amerikanischen Zulieferer Hemlock die Perspektiven verdüstert.

Der US-Siliziumhersteller hat die SolarWorld-Tochter Deutsche Solar wegen Verletzung eines langfristigen Liefervertrags auf insgesamt 793 Millionen US-Dollar Schadenersatz verklagt. In erster Instanz verlor SolarWorld im Sommer 2016 vor einem US-Gericht. Der deutsche Konzern legte Berufung ein, muss aber damit rechnen, auch in der nächsten Instanz zu unterliegen. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass Hemlock SolarWorld in die Pleite treibt, denn dann müssten die Amerikaner ihre Forderungen weitgehend abschreiben. Eher dürfte es zu einer außergerichtlichen Einigung beider Unternehmen kommen. Die aber würde SolarWorld in jedem Fall teuer zu stehen kommen und die Bilanz verhageln.

Fazit

All dies sollten Anleger im Blick haben, die erwägen, nun bei SolarWorld als Aktionär einzusteigen. Die Solaraktie ist zwar mittlerweile so billig wie noch nie, hat innerhalb von fünf Jahren über 99 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Doch das Risiko weiterer Kursverluste wenn nicht gar einer Pleite ist hoch. Wir bekräftigen daher unsere Empfehlung, nicht in die Aktie der SolarWorld AG zu investieren

SolarWorld AG: ISIN DE000A1YCMM2 / WKN A1YCMM
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