Einblick in die Produktion der SolarWorld AG: Aktionäre und Anleiheinvestoren von SolarWorld haben schon bei der letzten Existenzkrise des Solarkonzerns starke Einbußen erlitten. Jetzt aber droht dem Bonner Unternehmen das endgültige Aus. Müssen Anleger ihr Investment abschreiben? / Foto: SolarWorld AG

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SolarWorld ist pleite – was bedeutet das für Anleger, die in deren Anleihen und Aktien investiert haben?

Nun hat es auch den "letzten Mohikaner" der noch vor wenigen Jahren großen Reihe deutscher Solarhersteller erwischt. Die SolarWorld AG ist pleite. Wie der Bonner Solarkonzern am späten Mittwoch bekannt gab, muss der Vorstand einen Insolvenzantrag stellen. Das Unternehmen sei überschuldet und es bestehe "keine positive Fortbestehensprognose". Womit müssen Anleger nun rechnen? 

Klar ist: Die Pleite zeichnete sich schon länger ab. ECOreporter.de hat seit Jahren davor gewarnt, in SolarWorld zu investieren, zum Beispiel in einem  Aktientipp vom März 2017. Denn jahrelang ist SolarWorld nicht in der Lage gewesen, profitabel zu wirtschaften. Auch wenn SolarWorld-Chef Frank Asbeck immer wieder eine Rückkehr in die Gewinnzone angekündigt hat: Der deutsche Solarkonzern hat es nie geschafft, den Abstand zu den weltweit führenden Solarherstellern zu verringern.

Die Weltmarktführer produzieren seit langem in weitaus größeren Mengen. Sie halten damit die Kosten je Solarmodul viel geringer als SolarWorld – und das in einem Markt, in dem der Wettbewerb vor allem über den Preis ausgefochten wird. Seit 2016 sind die Preise für Solarmodule im Weltmarkt nochmals sehr stark gefallen, infolge eines großen Überangebotes. Es war absehbar, dass nun einige Solarhersteller nicht mehr mithalten können und die zu hoch verschuldete SolarWorld hierbei besonders schlechte Karten hat.

Asbeck hat immer wieder die Wettbewerbsvorteile der chinesischen Solarhersteller infolge staatlicher Unterstützung in ihrer Heimat angeprangert und ihnen vorgeworfen, mit Preisdumping westliche Konkurrenten auszubooten. Hier wurde er aber immer mehr zum Don Quixote im Kampf gegen Windmühlen. Denn die überragende Stellung der chinesischen Produzenten, die weit mehr als zwei Drittel der weltweiten Produktion stellen, ist seit Jahren einfach ein Faktum. Und es ist SolarWorld nicht gelungen, für sich eine Nische in dem von Chinesen beherrschten Markt zu finden.

Bildhinweis: Frank Asbeck hat SolarWorld gegründet und es über Jahre immer wieder geschafft, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Ist er jetzt mit seinem Latein am Ende? / Foto: SolarWorld AG

Nur wenig Hoffnung auf ein Comeback

Noch ist offen, wie es mit SolarWorld weitergeht. Das Unternehmen hat sich als sehr zählebig erwiesen, hat weitaus länger ausgehalten als die vielen anderen deutschen Solarhersteller wie etwa Solar-Fabrik, Q-Cells oder Solon. Es könnte sein, dass zumindest die US-Tochter eine Zukunftsperspektive hat. Sie hat sich im boomenden Solarmarkt der Vereinigten Staaten gut etabliert und in den USA tut sich die Billigkonkurrenz aus China schwerer als in anderen westlichen Märkten.

Anleger, die Aktien oder Anleihen von SolarWorld halten, müssen trotzdem mit hohen Verlusten rechnen. Die Solar-Aktie ist auf 0,8 Euro abgestürzt und damit nur noch ein Pennystock. Am Mittwochmorgen war sie noch mit 3,6 Euro gehandelt worden, doch schon dieser Wert entsprach auf Sicht von drei Jahren einem Wertverlust von weit über 90 Prozent. Bei einem endgültigen Aus für SolarWorld droht den Aktionären sogar der Totalverlust.

Auf dem Kapitalmarkt gibt es noch zwei Anleihen von SolarWorld mit Laufzeit bis 2019. Hier wird der Konzern die Zinsen nicht mehr bedienen können und die Investoren müssen sich darauf einstellen, von dem zur Verfügung gestellten Kapital einen Großteil zu verlieren. Bei einer Pleite werden zuerst die Banken aus der Insolvenzmasse bedient, Anleihe-Gläubiger erhalten nur dass, was noch übrig bleibt.

Selbst wenn SolarWorld erfolgreich das Insolvenzverfahren besteht und fortgeführt wird, werden auch die Anleihe-Gläubiger dafür zur Kasse gebeten werden, um einen Neustart zu ermöglichen. Das bedeutet, dass sie auch in dem Fall Forderungen abschreiben müssten. Entsprechend sind auch die Kurse für die SolarWorld-Anleihen abgestürzt.

War es schon vorher sehr riskant, in Aktien und Anleihen von SolarWorld zu investieren, so sind diese Wertpapiere jetzt endgültig nur etwas für Zocker.

Anleihe SolarWorld 2/2019: ISIN DE000A1YCN14 / WKN A1YCN1
Anleihe SolarWorld 2/2019: ISIN DE000A1YDDX6 / WKN A1YDDX

Aktie SolarWorld AG: ISIN DE000A1YCMM2 / WKN A1YCMM
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