Die UmweltBank zählt zu den Wegbereitern der Energiewende. In den Anfangstagen finanzierte die Bank aus Nürnberg massenhaft kleine Solaranlagen. Heute liegt der Fokus stärker auf größeren ökologischen Projekten, wie etwa Wasserkraftwerken. / Quelle: Unternehmen

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Sozial, ethisch und ökologisch: Nachhaltigkeitsbanken – Deutschlands gute Geldinstitute

Banken tun nicht nur Gutes. Als Finanzierer von Atom- oder Kohlekraftwerken, Waffenproduzenten oder anderen ethisch fragwürdigen Projekten sind zahlreiche Großbanken mitverantwortlich für Umweltzerstörung und Elend in der Welt. Es gibt jedoch eine Reihe von Banken, die bewusst und ganzheitlich andere Wege gehen: Banken, die soziale, ethische und ökologische Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt ihres Geschäftsmodells stellen - echte Nachhaltigkeitsbanken. Weil immer mehr Menschen sicher sein wollen, dass ihre Geld ausschließlich ethisch und ökologisch einwandfrei investiert wird, erleben Deutschlands „grüne“ Banken seit Jahren einen Boom. Die große Frage für alle Wechselwilligen: Welche Nachhaltigkeitsbank passt am besten zu meinen individuellen Bedürfnissen und meinem Verständnis von Nachhaltigkeit?  ECOreporter.de stellt einige dieser speziellen Banken vor: zum Beginn dieser Serie die UmweltBank AG aus Nürnberg.

Der UmweltBank geht es um klares Wasser, reine Luft und eine gesunde Umwelt. Das ist in ihrer Satzung verankert. Der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen als Geschäftszweck. Ausrufezeichen. Oder Fragezeichen? Kann eine Bank damit überleben? Sie kann. Und wie: Ihre Bilanz ist gesund, ihr Wachstum treibt den Bossen der konventionellen Banken den Neid ins Gesicht, erfreut aberihre Aktionäre – und ihre und ihre Klimabilanz finden auch Umweltschützer gut.

Umwelt-Garantie und Klimabilanz statt Kohle-Finanzierung und Rüstungskredite
Kredite und Finanzierungen für Kohle, Atomkraft oder die Rüstungsindustrie sind für die Umweltbank tabu. Dafür, dass die UmweltBank ihrem Anspruch als ökologisch nachhaltiges Geldinstitut gerecht wird, sorgen gleich zwei Gremien mit externen Experten: der Umweltrat und der Umweltbeirat. Beide kontrollieren die Arbeit der Bank regelmäßig. Auch mit Hilfe dieser Gremien garantiert die UmweltBank ihren Kunden, dass jeder einzelne Euro ausschließlich ökologisch investiert wird. Im Internet informiert die Bank darüber, wie und an wen die Kredite vergeben werden. Einzigartig dabei: Die Bank errechnet für alle ihre finanzierten Projekte, seien es Solaranlagen, Windräder oder energieeffiziente Gebäude, wie sehr sie das Klima schonen, indem sie weniger Treibhausgase freisetzen als ein konventionelles Pendant. Um das für alle direkt nachvollziehbar zu machen, ist die Klimabilanz in jedem Geschäftsbericht zu finden. Für 2013 wies die UmweltBank 2,6 Millionen Tonnen CO2-Ersparnis aus.16,6 Prozent mehr als noch 2012.

Schalterhallen und Filialen gibt es bei der UmweltBank nicht. Was an dieser Stelle gespart wird, soll den Kunden bei den Konditionen der Finanzierungs- und Sparangebote zu Gute kommen, heißt es aus dem Hauptsitz in Nürnberg. Ein Girokonto bietet die UmweltBank nicht an, Tages- und Festgeldkonten schon.

Wegbereiter der Energiewende
Mittlerweile wird Deutschlands Strombedarf zu mehr als einem Viertel aus regenerativen Quellen gedeckt. Das ist auch der UmweltBank zu verdanken. Wer ihre Entstehung begreifen will, muss sich das Jahr 1997 ins Gedächtnis rufen: Die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl lag da schon elf Jahre zurück. Dennoch sind es vor allem Umweltaktivisten, Naturschützer und Bastler, die es wirklich ernst meinten mit dem, was wir heute die Energiewende nennen. Es ist damals eine mehr oder weniger belächelte Minderheit. Horst P. Popp – bis heute Vorstandschef – gründet also 1997, nach drei Jahren Anlaufzeit, die UmweltBank AG und widmet sich allein der Finanzierung der umweltverträglichen Wirtschaft. Anders als andere zu dieser Zeit vergibt seine Bank vor allem Kredite für Sonnenstrom- und Windkraftwerke. Die Bank beginnt zu wachsen, die Projekte werden größer, das Betätigungsfeld breiter – aber weiterhin ökologisch. Heute reicht es von Solarenergie, Wind- und Wasserkraft und Biomasse über Ökolandbau und ökologisches Bauen bis hin zu Versicherung und Altersvorsorge.
Bildbachweis: Horst P. Popp ist Gründer und Vorstand der UmweltBank.

„Die kleinen Solaranlagen, die wir vor vielen Jahren in Mengen finan ziert haben, werden jetzt auch von anderen Finanzhäusern finanziert, da sind wir nicht mehr erforderlich. Wir finanzieren nun größere  Projekte“, sagt Bankgründer und Vorstand Horst P. Popp. Gabriele Baumann, 54, war Jahrzehnte lang Kundenberaterin bei konventionellen Banken. 2008 hatte sie genug und wechselte zur Umweltbank: „Ich konnte es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, durch hohe Verkaufsziele gezwungen zu sein, Produkte zu verkaufem, die häufig nicht den Kundenwünschen entsprachen“, sagt sie. Kurzfristige Verkaufsziele gebe es bei der UmweltBank nicht. „Das nimmt den Verkaufsdruck“, sagt Baumann. Gegenüber Kunden setze die UmweltBank stattdessen auf „ehrliche und faire Beratung, die keine Risiken verschweigt.“ Nicht nur die Bank ist nun für Baumann anders, auch die Kundschaft. Baumann zumindest stellt große Unterschiede zum konventionellen Bankgeschäft fest: Nicht der maximale Zinssatz, sondern die Verwendung der Einlagen zur Förderung der Umwelt sei dem Gros der UmweltBank-Kunden ein zentrales Anliegen.

Die Aktie der UmweltBank AG ist an der Börse notiert. Mehr über die Aussichten dieser Aktie erfahren Sie  hier. Weitere Informationen rund um die UmweltBank lesen Sie auch in diesem  Portrait (Link entfernt).

Im Fokus: die gute und die dunkle Seite der Finanzwelt

Was macht eigentlich mein Geld, wenn ich es einer Bank anvertraue? Dieser Frage ist die Nicht-Regierungsorganisation (NGO) 'urgewald' nachgegangen und hat ECOreporter.de damit beauftragt, in einer Broschüre darüber zu berichten, wofür nachhaltige Banken die Gelder ihrer Kunden einsetzen. Der Beitrag  stammt aus dieser Publikation. Darin werden außerdemn die GLS Bank, die Ethikbank und die Triodos Bank ausführlich vorgestellt. Die Broschüre enthält auch von ECOreporter.de verfasste Features von Kreditkunden dieser nachhaltigen Finanzinstitute. Darin erfährt man, welche nachhaltigen Projekte sie dank der Darlehen dieser „grünen“ Banken umsetzen konnten. Ferner widmet sich die Broschüre den Kirchenbanken, auch sie vergeben Kredite an nachhaltige Projekte und investieren nach sozial-ökologischen Grundsätzen. Näheres zu der gedruckten Publikation erfahren Sie  hier.
Bildnachweis: Die Broschüre "Was macht eigentlich mein  Geld ist 2014 erschienen. / Quelle: Unternehmen
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