Wie kann der Betrieb im Conergy-Werk in Frankfurt an der Oder weitergehen? Das ist eine der Fragen im Insolvenzverfahren. / Quelle: Unternehmen

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Sturz vom Drahtseil – Solarpionier Conergy AG ist insolvent

Lange ist der Hamburger Solarkonzern Conergy AG mit Erfolg an der Pleite entlang balanciert. Über Jahre hinweg war es dem Unternehmen gelungen, trotz großer finanzieller Probleme und starker Verwerfungen im Solarmarkt die zu überleben. Nun hat Conergy nach langjährigen Sanierungsbemühungen einen schweren Rückschlag bei diesem Drahtseilakt erlitten. Denn wie die Unternehmensführung heute am Morgen bekannt gab, musste sie beim Amtsgericht Hamburg einen Insolvenzeantrag stellen. Alle Tochtergesellschaften würden ebenfalls unverzüglich Insolvenz anmelden, hieß es weiter. Die Verantwortlichen seien aber zuversichtlich „im Rahmen des Insolvenzverfahrens mithilfe eines Investors eine Weiterführung des gesamten Geschäftsbetriebs zu erreichen“.

Die Insolvenz platzte nach Unternehmensangaben mitten in Verhandlungen über den kurzfristigen Einstieg eines Investors bei Conergy hinein. Darüber, dass hier in Kürze eine Einigung erzielt werden könnte, war im Vorfeld auch spekuliert worden (ECOreporter.de berichtete).  Allerdings habe das kreditgebende zehnköpfige Bankenkonsortium nicht „einheitlich und verlässlich“ zugestimmt. „Wir haben unseren kreditgebenden Banken in den vergangenen 15 Monaten zwei konkrete Vorschläge für den Einstieg eines strategischen Investors vorgelegt und bedauern es sehr, dass sie diesbezüglich in keinem Fall eine verlässliche Einigung über eine zeitnahe Umsetzung erzielen konnten“, sagte Conergy CEO Dr. Philip Comberg. „Ohne eine tragfähige Kapitalstruktur und die entsprechenden liquiden Mittel können wir das von uns geplante Wachstum jedoch nicht umsetzen.“

Den Ausschlag dafür, dass Conergy den Gang zum Amtsgericht antreten musste, gabe eine dem Unternehmen zufolge "unvorhergesehene Zahlungsverzögerung bei einem Großprojekt". Diese führte laut Comberg zur „Zahlungsunfähigkeit von Conergys Tochtergesellschaften Mounting Systems und Conergy SolarModule. Der Conergy-Vorstand sei daher zu der Einschätzung gelangt, dass die bislang positive Fortführungsprognose für die Conergy AG entfallen ist“, so der CEO weiter.

In 2012 war es dem Solarkonzern sogar wieder gelungen, einen leicht positiven Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit zu erzielen. Doch im 1. Quartal war diese Messgröße wieder in den Negativbereich gerutscht. Das bedeutete, dass wieder Geld verbrannt wurde, Conergy wieder an finanzieller Substanz verloren hatte. Dieser Negativtrend hat sich offenbar durch die genannten Verzögerungen bei einem Großprojekt verschärft.

Wie geht es jetzt weiter?

Das Amtsgericht Hamburg wird nun einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen. Dieser muss sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage und den daraus resultierenden Perspektiven für Conergy machen. Er entscheidet, ob und wie das endgültige Insolvenzverfahren geführt wird, also inwiefern das Unternehmen in Einzelteilen verkauft werden muss oder möglicherweise als Ganzes fortgeführt werden kann. Entscheidend wird auch sein, wie weit die Verhandlungen mit dem Investor tatsächlich sind, die bis zuletzt geführt worden waren. Dieser soll den Medienberichten im Vorfeld der Pleite zufolge übrigens aus Asien kommen.

Kommt das vorläufige Verfahren zu dem Schluss, dass Conergy sanierungswürdig ist, wäre beispielsweise eine Planinsolvenz denkbar. So hat sich auch der Solarausrüster centrotherm photovoltaics sanieren können. In einem solchen Fall würde ein Insolvenzplan erarbeitet, bei dem sowohl die Unternehmensführung als auch der Betriebsrat ein Mitspracherecht hätte. Doch so weit ist es noch nicht. Vorstand Comberg: „Als Vorstand werden wir den jetzt vom Gericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter nach allen Kräften zur Seite stehen, um möglichst alle Arbeitsplätze zu sichern und den Geschäftsbetrieb weiterzuführen. Zudem werden wir den vorläufigen Insolvenzverwalter bei Gesprächen mit potenziellen Investoren sowie Conergys Gläubigern unterstützen.“
Bildnachweis: Conergy hat international zahlreiche große und kleine Solarprojekte bestückt. Im Bild ein Großprojekt in Südkorea / Quelle: Unternehmen

Conergy schien trotz tiefroter Zahlen auf Konsolidierungskurs

Conergy reiht sich mit seinem Insolvenzantrag in die Reihe namhafter, einstiger Branchenschwergewichte aus Deutschland ein, die im Sog der Branchenkriese wegen weltweiter Überkapazitäten und dem daraus folgenden Preisverfall untergingen. Doch die Pleiten und Teilübernahmen der Hersteller Solon SE aus Berlin und Q-Cells SE aus Bitterfeld schon vergleichsweise lange zurückliegen, konnte Conergy sich trotz andauernder Verluste zunächst halten, seine Gläubiger immer wieder überzeugen und eben nicht abzustürzen.

Marktbeobachter schienen sich um SolarWorld und Centrosolar – die beide nicht insolvent sind, aber hart ums wirtschaftliche Überleben kämpfen müssen – zuletzt größere Sorgen zu machen als um Conergy. Es sah zum Ende des vergangenen Jahres tatsächlich so aus, als mache Conergy trotz weiterhin roter Zahlen Fortschritte bei der Konsolidierung. Zwar sank der Gesamtjahresumsatz 2012 um 37 Prozent auf 473,5 Millionen Euro. Allerdings war es auch gelungen den Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 179 Millionen Euro im Vorjahr auf 88 Millionen zu drücken (ECOreporter.de berichtete). Im ersten Quartal wendete sich das Blatt jedoch wieder. Der Quartals-EBIT-Verlust legte auf Jahressicht 23 Prozent zu (mehr dazu lesen Sie hier). Die Nettoverschluldung kletterte gegenüber dem Vorjahresquartal um neun Prozent auf 128 Millionen Euro. Am 14. August wollte Conergy die Halbjahresbilanz 2013 veröffentlichen.

Die Pleite dürfte auch zahlreiche geschlossene Fonds und nicht zuletzt auch private Dachanlagenbetreiber treffen, denn bis auf weiteres ist unklar, wie mit Herstellergarantien von Conergy für laufende Solartechnik-Komponenten weiter verfahren werden kann.  

Conergy AG: ISIN DE000A1KRCK4 / WKN A1KRCK
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