Windräder von Gamesa in Indien. Die vergleichsweise starke Position als westlicher Konzern am indischen Windkraftmarkt dürfte eines der Argumente für die geplante Liaison mit dem US-Ökostromrisen SunEdison gewesen sein. / Foto: Gamesa

02.07.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

SunEdison und Gamesa planen Windkraft-Joint-Venture

Der US-Ökostromriese SunEdison Inc. treibt seine Windkraftaktivitäten weiter mit Siebenmeilenstiefeln voran. Der nächste große Schritt soll ein Gemeinschaftsunternehmen mit Gamesa Corp. Tecnologica aus dem spanischen Baskenland werden. Ziel: die Entwicklung von Windparks im großen Stil. Schriftlich fixiert haben der US-Konzern aus Belmont in Kalifornien und das Windkraftunternehmen aus Zamudio diese Pläne in einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding). Die Reaktion der Börsen fällt zunächst positiv aus.

Die Pläne von SunEdison Inc. klingen stets ambitioniert. So auch diesmal: SunEdison und Gamesa wollen ein Joint Venture aus der Taufe heben, an dem die beiden Konzerne als Muttergesellschaften zu 50 Prozent beteiligt sein sollen. Diese gemeinsame Tochter soll weltweit Windparks planen und realisieren. Bis 2018 sollen es Windfarmen mit bis zu 1.000 Megawatt (MW) Leistungskapazität sein. Gamesa soll dabei vor allem als Anlagenlieferant und Generalunternehmer beim Bau fungieren. Auch langfristige Serviceleistungen durch Gamesa für diese Windkraftvorhaben seien denkbar, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. SunEdison werde die fertigen Windparks des Gemeinschaftsunternehmens kaufen, um sie in den Bestand seiner aktuell wachsenden YieldCo-Gruppe TerraForm Power zu integrieren, heißt es weiter.

Bis zum Ende des laufenden Jahres wollen die beiden Partner einen bindenden Vertrag über die Gründung der gemeinsamen Tochtergesellschaft unterzeichnen. Geplant ist, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt bereits eine Auswahl von Windkraftvorhaben aus dem Auftragsbestand von Gamesa ausgewählt haben, mit dem die neue Tochter starten kann. Finanzielle Details zu den Plänen blieben in der Berichterstattung beider Unternehmen zunächst außen vor. David Mesonero, einer der leitenden Verantwortlichen für das Projektgeschäft von Gamesa, erklärte allerdings, die Vereinbarung zeige, dass der spanische Windradhersteller flexibel genug sei, um erfolgversprechende Kollaborationen einzugehen, die mit „minimalem Finanzierungsaufwand“ verbunden seien. Das geplante Joint Venture stehe voll im Einklang mit den mittelfristigen Wachstumszielen, die sich Gamesa bis 2017 gesteckt habe.

Hoffnung auf Synergien in Lateinamerika und Indien

Der Kommentar der SunEdison-Gruppe zu der Unterzeichnung der Absichtserklärung macht unter anderem deutlich, warum SunEdison diesen Schritt mit Gamesa gehen will und nicht mit einem der großen unabhängigen Mitbewerber der Spanier. „Dieses Gemeinschaftsunternehmen unterstreicht unser Engagement auf den Schwellenländer-Märkten“, so Carlos Domenech, Präsident und Chief Executive Officer (CEO) von Terra Form Power. Gerade in Lateinamerika und in Indien haben die spanischen Partner in spe schon jetzt starke Marktpositionen inne. Die SunEdison-Führung hofft nach eigener Aussage speziell in Mexiko und Indien auf Synergieeffekte. Ebenso sieht auch die Gamesa-Führung das geplante Gemeinschaftsunternehmen als möglichen „Dosenöffner“ für neue Marktpotentiale.

Fortschritte bei US-Windkraftvorhaben  von SunEdison

Zuletzt hatte SunEdison bei der Realisierung von Windparks in den US-Bundesstaaten Texas und Maine auf Windräder von Vestas gesetzt (ECOreporter.de  berichtete). Eines dieser Bauvorhaben, nämlich der Windpark Bingham in Maine, macht nach Unternehmensangaben Fortschritte. Demnach haben die Bauarbeiten an der Windfarm begonnen und auch die Finanzierung des Projekts ist unter Dach und Fach gebracht. SunEdison zufolge soll der Windpark voll ausgebaut auf 185 MW kommen. Vestas hatte jüngst bekannt gegeben, Windräder mit 155 MW Kapazität für den Bau zu liefern. SunEdison beziffert die Baukosten für das Gesamtprojekt auf 420 Millionen Dollar. Die KeyBank Capital Markets Inc. und die KeyBank National Association haben SunEdison zufolge 360 Millionen Dollar als Baukredit für das Projekt bewilligt. Klar ist demnach auch schon, wer den Windstrom abnehmen wird. Mit den drei regionalen Versorgern Eversource, National Grid, und Unitil seien dazu Abnahmeverträge mit jeweils 15 jähriger Laufzeit geschlossen worden, heißt es.

Aktien reagieren unterschiedlich

Beide Aktien, sowohl die von Gamesa als auch die von SunEdison, starteten mit heute mit Kursgewinnen in den Handel an der Deutschen Börse. Allerdings drehte die SunEdison-Aktie noch am Vormittag ins Minus. Bis 10:56 Uhr verlor sie gemessen am Vortagskurs 2,9 Prozent an Wert und fiel zurück auf 26,18 Euro. Damit liegt sie aktuell auf dem nahezu gleichen Niveau wie vor vier Wochen. Auf Jahressicht hat die Aktie allerdings 57,8 Prozent zugelegt.

Die Gamesa-Aktie setzte ihren Aufwärtstrend heute bis zum Vormittag im Xetra fort. Um 11 Uhr notierte sie bei 15,03 Euro, 1,9 Prozent über dem Vortagskurs, 4,3 Prozent über ihrem Wert von vor einem Monat und 60,7 Prozent über ihrem Kurs von heute vor einem Jahr. Seit der  Kaufempfehlung von ECOreporter.de von Ende Februar 2015  hat sich der Anteilsschein von Gamesa um fast 50 Prozent verteuert.

Gamesa Corp. Tecnologica: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8
SunEdison Inc.: ISIN US86732Y1091 / WKN A1WZU6
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x