Der Hauptdarsteller hält sich diskret im Hintergrund: Die minimalistisch-schicke, weiße Box links im Bild ist die Tesla-Batterie „Powerwall“. Sie soll das zweite Standbein des Autoherstellers werden. / Foto: Unternehmen

03.06.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Tesla-Solarstromspeicher: baldige Marktrevolution oder Mogelpackung?

Geht die Rechnung auf, dann dürfte ein Kapitel der Energiewende in den USA und auch darüber hinaus später einmal eng mit den Namen Tesla und Elon Musk verknüpft sein. Der als exzentrisch geltende Milliardär schiebt derzeit einmal mehr Projekt an, die die Welt ein Stück weit revolutionieren soll. Genauer: den weltweiten Energiemarkt. Das Ziel: Der Solarstromspeicher soll schnell zum günstigen Massenprodukt werden – von Tesla versteht sich. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Der Plan bringt den Stromspeichermarkt offenbar in Bewegung.

Tesla Motors Inc. aus Kalifornien baut im Kerngeschäft Elektro-Luxuskarossen. Der Konzern aus Palo Alto ist ein gutes Beispiel dafür, dass Image und Inszenierung wichtige Erfolgsfaktoren sein können. Der Visionär Elon Musk eilt mit Tesla von einem Großprojekt zum nächsten und investiert dazu immense Summen.
Entsprechend schreibt Tesla seit langem rote Zahlen (mehr lesen Sie   hier). Dennoch kletterte die Tesla-Aktie in den vergangenen drei Jahren um knapp 874 Prozent. Heute um 11:54 Uhr kostete sie an der Deutschen Börse 223,11 Euro. Das ist  0,2 Prozent mehr als am Vortag. In den vergangenen vier Wochen aber erhöhte sich der Kurs um rund 11 Prozent und auf Jahressicht liegt die Aktie knapp 48 Prozent im Plus.

Stromspeicher als zweites Standbein für Tesla
Gerade jetzt ist Tesla im Begriff, sich neben dem Geschäft mit ökologisch einwandfreien sportlichen Luxusautos ein zweites Standbein aufzubauen: Solarstromspeicher für den Hausgebrauch. Um diese Vision wahr werden zu lassen baut Tesla zusammen mit dem japanischen Technologiekonzern Panasonic seit 2014 in der Wüste von Nevada eine Batterie-Fabrik, in der 2020 6.500 Mitarbeiter arbeiten sollen: Einerseits sollen dort Batterien für die Tesla-Autos hergestellt werden und anderseits für den Solarstromspeicher „Powerwall“. So heißt die Neuheit. Musk will mit einem Dreiklang zum Erfolg: Aussehen, Technik und Preis sollen gleichermaßen stimmen, damit die Powerwall ein weltweit gefragtes Massenprodukt wird. 3.000 US-Dollar soll die 18 Zentimeter dicke, in minimalistischem Schick gehaltene, weiße Wandbatterie in der 7 kW-Ausführung kosten Umgerechnet rund 2.730 Euro. Eine 10-KW-Ausführung soll 3.500 Dollar kosten, also knapp 3.200 Euro. 

Endkundenpreis als stärkstes Argument der „Powerwall“ 
 
Und dieser genannte Preis macht die Ankündigung von Tesla so aufsehenerregend, denn Stromspeicher kosten derzeit nicht selten drei Mal so viel. Solarstromspeicher also schon bald als vergleichsweise günstiges Massenprodukt? Das würde der Energiewende ohne Zweifel einen Schub geben. Gerade über den Preis will Tesla ab Sommer 2015 zunächst den US-Markt knacken. Dort hofft Tesla auf sehr gute Geschäfte, denn der US-Dachsolaranlagenmarkt boomt. Laut dem US-Branchenverband der Photovoltaikindustrie ist die Zahl der installierten Dachanlagen in den USA in den vergangenen drei Jahren um 50 Prozent gestiegen. Zudem prognostizieren aktuelle Studien, dass die Solaranlage auf dem privaten Hausdach in den USA in 15 Jahren die günstigste Energiequelle des Landes. Das wäre demnach allerdings nur der Fall, wenn die Betreiber Speicher hätten und ihre Überschüsse ins Stromnetz einspeisen könnten. Die Energiewende scheint in den USA deutlich voranzukommen. Geht Musks Plan auf, könnte Tesla dabei eine gewichtige Rolle spielen.

Bild: Die Front der Tesla-Powerwall. / Foto: Unternehmen


Tesla-Speicher tatsächlich ein Schnäppchen?

In Deutschland kooperiert Tesla für „Powerwall“ mit dem Ökostromversorger Lichtblick in Form eine „Energiepartnerschaft“. Dazu sollen die Powerwalls vernetzt werden und so zu Leistungsstarken „Schwarmstromspeichern“ ausgebaut werden, wie Lichtblick es nennt. Medienberichten zufolge gab es speziell an der Preiskalkulation von Tesla Zweifel: Im von Musk avisierten Powerwall-Preis seien weder Wechselrichter noch ein Energiemanagementsystem für die Powerwall enthalten, erklärte Andreas Piepenbrock vom Osnabrücker Stromspeicherhersteller E3 DC im Mai gegenüber der Neue Osnabrücker Zeitung. Rechne man die nötigen Betriebsmittel mit ein, sei der Preis nicht mehr so „sensationell niedrig“, wird Piepenbrock zitiert. Tesla zufolge sind Wechselrichter und Installation nicht im Preis inbegriffen. Bei Wechselrichtern kooperiert Tesla übrigens mit dem österreichischen Hersteller Fronius.

Signalwirkung für den Stromspeichermarkt?

Teslas trommeln auf der Präsentation der „Powerwall“ wirkte schnell: Schon anlässlich der Präsentation meldete Tesla-Chef Musk 38.000 Vorbestellungen. „Wir sind Mitte 2016 praktisch ausverkauft“, so Musk. Jetzt schon hat Musk auch darüber hinaus Bewegung in den Markt gebracht. Das beobachtet zumindest die auf den Energiemarkt spezialisierte Beraterfirma THEnergy. „Der Hype um den Markteintritt von Tesla lenkt zusätzliches Interesse auf alle Speicherlösungen – einschließlich Speicher für Solar- und Wind-Diesel-Hybrid-Projekte. In vielen Fällen schafft die Marke Tesla ein Bewusstsein für Speicherlösungen, das zuvor fehlte“, sagt der der Unternehmensberater Dr. Thomas Hillig, der hinter THEnergy steht. Als Reaktion hätten andere Hersteller bereits angekündigt, deutlich günstigere Solarstromspeicher auf den Markt bringen zu wollen.

Tesla Motors Inc.: ISIN US88160R1014 / WKN A1CX3T
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