SolarCity baut Solaranlagen auf Hausdächern. Sie könnten Elektroautos von Tesla mit Solarstrom versorgen. Auf diese Verbindung der beiden Geschäfte zielt das Übernahmeangebot von Tesla ab. / Foto: Unternehmen

22.06.16 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Übernahmeangebot von Tesla für SolarCity – warum das eine gute Nachricht für Aktionäre der SMA Solar Technology AG ist

Tesla will SolarCity schlucken. Warum der Hersteller von Elektroautos einen Projektierer von Aufdach-Solaranlagen übernehmen will und weshalb die deutsche SMA Solar Technology AG ein Nutznießer dieses Geschäftes werden könnte.

Tesla Motors hat bekannt gegeben, dass der Hersteller von Elektroautos die Mehrheit an SolarCity aus San Mateo in Kalifornien übernehmen will. Tesla bietet demnach 26,50 bis 28,50 Dollar pro SolarCity-Aktie, also insgesamt bis zu 2,8 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Aktienkurs des Solarprojektierers vom Vortag wäre das ein Aufschlag von bis zu 30 Prozent.

Allerdings will Tesla aus Palo Alto in Kalifornien die Anteilsscheine nicht in bar bezahlen, sondern mit eigenen Aktien. Die Tesla-Aktie ist noch immer überteuert, so dass weitere Kursverluste drohen. Seit ECOreporter.de in einem  Aktientipp vom Januar 2016  vor Verlustrisiken warnte, hat sie hat sich die Tesla-Aktie im Xetra von 210 Euro auf 174 Euro verbilligt. Barclays-Analyst Brian Johnson sah den fairen Wert im April bei 165 Dollar, also umgerechnet 146 Euro (wir haben darüber  berichtet). Durch die Übernahme von SolarCity würden zusätzliche Kosten entstehen, die den Unternehmenswert von Tesla Motors weiter verringern. Dabei kämpft der Autobauer schon jetzt mit hohen Kosten. Für das erste Quartal hatte Tesla im Frühjahr einen starken Anstieg des Nettoverlustes um 84 Prozent auf 278,4 Millionen Dollar ausgewiesen. Zudem ist weiter unsicher, ob Tesla die Produktionsziele für das laufende Geschäftsjahr erfüllen kann. Gelingt dies nicht, dürfte die Aktie weiter abstürzen.


Starker Kurseinbruch von SolarCity nach Verkaufsempfehlung von ECOreporter

Angesichts der Tasache, dass sich der Börsenwert von SolarCity seit 2014 um drei Viertel verringert hat, erscheint der Kaufpreis für Tesla zwar günstig. Allein seit der Verkaufsempfehlung von ECOreporter.de in einem  Aktientipp vom Oktober 2015  hat sich deren Aktienkurs an der Nasdaq mehr als halbiert. Doch der Kursverfall erfolgte nicht ohne Grund. Vor wenigen Wochen musste die Spezialistin für Solaranlagen auf Hausdächern abermals mit roten Zahlen an die Öffentlichkeit. Der Nettoverlust des Unternehmens stieg im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,1 Prozent auf knapp 25 Millionen Dollar. Damit fiel ein Fehlbetrag an, der fast halb so groß war wie der für das Geschäftsjahr 2015 ausgewiesene Nettoverlust von über 58 Millionen Dollar. Und schon in 2015 waren Kosten aus dem operativen Geschäft stark gesteigen, laut der Jahresbilanz 2015 um 85 Prozent auf 766,6 Millionen Dollar.

Offenbar ging das Geschäftsmodell von SolarCity immer weniger auf. Dieses basiert darauf, dass das Unternehmen den Kunden die Solaranlagen auf dem eigenen Dach vorfinanziert und diese sie dann mit der Zeit abbezahlen. Weil die US-Notenbank Ende 2015 einen Wandel ihrer Zinspolitik eingeleitet und den Leitzins erstmals seit langem wieder angehoben hat, fällt es dem Solarprojektierer nun schwerer, das eigene Geschäft zu refinanzieren. Für Aktionäre, die mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends von SolarCity rechnen, erscheint das Übernahmeangebot vor diesem Hintergrund attraktiv. Doch nur wer vor mehr als drei Jahren Anteilsscheine des Soalrprojektierers erworben hat, würde sie bei der geringen Höhe des Angebotes mit Gewinn an Tesla verkaufen.

Tesla und SolarCity haben nicht nur eine hohe Schuldenlast gemeinsam

Tesla-Chef Elon Musk ist mit rund 23 Prozent bereits ein Großaktionär von SolarCity, deren Verwaltungsrat er als Chairman vorsteht. Der CEO (Chief Executive Officer) und Großaktionär von Tesla Motors hat auch eine enge persönliche Beziehung zu dem Solarprojektierer, dessen Firmenzentrale nur rund 20 Meilen vom Hauptsitz Teslas entfernt liegt. Zwei seiner Cousins leiten SolarCity als CEO und als Finanzchef, deren Mutter ist die Zwillingsschwester der Mutter von Musk.

Doch tiefgreifender ist die Verbindung, dass SolarCity ebenso wie Tesla das bisherige Wachstum vor allem auf Pump finanziert hat. Beide Unternehmen sind hoch verschuldet, weit davon entfernt, profitabel zu wirtschaften und davon abhängig, dass Geldgeber ihnen weiterhin viele Millionen zur Verfügung stellen, um ihre Wachstumspläne zu verwirklichen. Das macht die Aktien von Tesla und von SolarCity zu hoch riskanten Investments. Wir raten weiter davon ab, deren Anteilsscheine zu erwerben.

Tesla-Chef Elon Musk will einen neuartigen Energiekonzern schaffen

Die Idee hinter dem Übernahmeangebot ist dennoch überzeugend. Denn wie Musk erläutert, plant er für Tesla eine Ausweitung des Geschäftsmodells, die zukunftsweisend ist. Er möchte die klimaschonende Produktion von Strom per Photovoltaik verbinden mit dem Energieverbrauch im Strassenverkehr, der bislang zu den Hauptquellen für den Ausstoßs von Treibhausgasen zählt. Seine Zukunftsvision: Wer ein Elektroauto von Tesla besitzt, tankt es daheim auf mit Strom, den die von SolarCity errichtete Solaranlage auf dem Dach erzeugt. An dem entscheidenden Zwischenglied dieser Verbindung arbeitet Musk schon länger: an einem Photovoltaikspeicher für Privathaushalte. Denn nur der macht es möglich, Solarstrom auch dann zu nutzen, wenn die Sonne nicht scheint, etwa bei Nacht. Tesla hat 2015 den von den Kaliforniern entwickelten Solarstromspeicher „Powerwall“ vorgestellt. Das Unternehmen will ihn für 3.000 Dollar (umgerechnet rund 2.760 Euro) Endkundenpreis als Stromspeicher für den Privathaushalt weltweit anbieten. Bislang kosten derartige Speicher für den Privatgebrauch weitaus mehr.

Bildhinweis: Elektroauto von Tesla mit dem Speichersystem Powerwall im Hintergrund. / Foto: Unternehmen

Damit peilt Tesla nicht nur einen Milliardenmarkt an. In Verbindung mit solchen Stromspeichern kann auch SolarCity seinen Kunden attraktive Kombinationsangebote machen. Mit der Übernahme des Solarprojektierers würde somit Tesla die drei Bereich Produktion von Sonnenenergie, deren Speicherung und deren einsatz zum Antrieb von Elektrofahrzeugen bündeln. Tesla würde zu einem neuartigen Energiekonzern.

SMA Solar Technology ist ein Kooperationspartner von Tesla

Bei den internationalen Plänen des Tesla-Chefs mit der Verbindung von Soalrstromproduktion mit Speichertechnologie spielt die deutsche SMA Solar Technology AG eine wichtige Rolle. Die Spezialistin für Steuerungstechnologie für Solaranlagen aus Niestetal bei Kassel kooperiert mit den Kaliforniern beim Einsatz der Tesla Powerwall. Diese Verbindung verbessert die Aussichten von SMA im boomenden US-Photovoltaikmarkt ebenso wie in Deutschland, wo die Nachfrage für Solarspeicher stark wächst. Ein Zusammenschluss von Tesla mit SolarCity erleichtert die Vermarktung der Tesla-Powerwall und dürfte somit auch das Geschäft von SMA  mit Photovoltaik-Speichertechnologie beflügeln. Die deutsche Solaraktie ist damit weiter aussichtsreich. Sie hat seit der letzten Kaufempfehlung von ECOreporter.de im  Aktientipp vom März 2016  zweistellig an Wert gewonnen.

SMA Solar Technology AG: ISIN DE000A0DJ6J9
SolarCity Inc.: ISIN US83416T100
Tesla Motors Inc.: ISIN US88160R1014
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