Windkraftanlagen der ABO Invest im irischen Glenough / Quelle: Unternehmen

12.03.15 ECOanlagecheck , ECOanlagecheck mit Siegel , Windenergie-Investments , Solarenergie-Investments

Unabhängige Analyse: Die Bürgerwindaktie ABO Invest AG im ECOanlagecheck

Die Bürgerwindaktie ABO Invest AG entwickelt sich kontinuierlich: Der Kurs steigt stetig, in kleinen Schritten. ABO Invest aus Wiesbaden setzt auf wachsende Unternehmenswerte durch immer mehr Windparkprojekte, die grünen Strom liefern. Der ECOanlagecheck analysiert das Wertpapier: ein sicheres, nachhaltiges Investment?

Die meisten an einer Börse notierten Windenergie-Unternehmen sind Projektentwickler oder Anlagenhersteller. Sie stehen im Wettbewerb um Marktanteile und Aufträge. Die ABO Invest AG als Holding verfolgt einen anderen Weg: Sie investiert nur in konkrete Windpark-Projekte. Das ähnelt dem Modell geschlossener Windfonds. Diese haben aber in der Regel eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren. Die ABO Invest-Aktie ist dagegen täglich an der Börse handelbar. Zudem investiert ABO Invest nicht nur in einen, sondern in zahlreiche Windparks in unterschiedlichen europäischen Regionen. So wird das Risiko gestreut – irgendwo weht der Wind immer.

Derzeit (März 2015) umfasst das Portfolio von ABO Invest 62 Windenergieanlagen sowie eine Biogasanlage mit einer Nennleistung von insgesamt 132,2 Megawatt (MW). Im Zuge weiterer Kapitalerhöhungen soll das Portfolio schrittweise erweitert werden. 200 MW ist das Zwischenziel, aber wohl nicht das Ende des Ausbaus.

Die Aktie von ABO Invest notiert im Freiverkehr der Börse Düsseldorf, der Kurs steht bei rund 1,38 Euro (Stand: 5. März 2015). Der Kurs der ABO Invest-Aktie ist seit Beginn der Notierung im Mai 2011 zu 1,05 Euro ohne große Schwankungen kontinuierlich gestiegen. Der Kursanstieg betrug durchschnittlich rund 7 Prozent pro Jahr. Gehandelt werden durchschnittlich mehr als 100.000 Aktien pro Woche.

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Unternehmensprofil ABO Invest

Die ABO Invest AG wurde im Sommer 2010 von der ABO Wind AG gegründet. Das Grundkapital der ABO Invest AG beträgt derzeit 37,5 Millionen Euro, aufgeteilt auf 37,5 Millionen auf den Inhaber lautende Stückaktien zu einem Euro. Die ABO Invest AG ist als Holdinggesellschaft des ABO Invest-Konzerns selbst nicht eigenständig operativ tätig, sondern verwaltet ihre Beteiligungen an den Windpark-Betreibergesellschaften, die operativ tätig sind. Der ABO Invest-Konzern hat keine eigenen Mitarbeiter, sondern hat für die Aufgaben des Geschäftsbetriebs einen Dienstleistungsvertrag mit ABO Wind abgeschlossen, der die Verwaltungskosten für ABO Invest gering hält. Der Vertrag sieht auch vor, dass die ABO Wind AG der ABO Invest AG im Rahmen ihrer Möglichkeiten regelmäßig Windparkprojekte zu marktüblichen Konditionen zum Kauf anbietet. ABO Wind ist aber nicht verpflichtet, Windparkprojekte an ABO Invest zu verkaufen, wenn z. B. andere Investoren höhere Preise bieten. Im Gegenzug kann ABO Invest grundsätzlich Projekte auch von anderen Unternehmen als ABO Wind erwerben.

Die ABO Wind AG aus Wiesbaden gehört zu den renommierten und erfahrenen Projektentwicklern im Bereich Windenergie. Das Unternehmen beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und ist schwerpunktmäßig in Deutschland und Frankreich tätig. Es hat in den letzten Jahren jeweils Windenergieanlagen mit zusammen mehr als 150 MW Leistung pro Jahr errichtet und in Betrieb genommen. Bei Umsatzerlösen von 80 bis 90 Millionen Euro verzeichnete das Unternehmen Jahresüberschüsse von 4 bis 9 Millionen Euro. Insgesamt hat ABO Wind bisher mehr als 500 Windenergieanlagen und sieben Biogasanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt über 1.000 MW realisiert.


Vorstände der ABO Invest AG sind seit ihrer Gründung Dr. Jochen Ahn und Andreas Höllinger. Der promovierte Physiko-Chemiker Ahn (Jahrgang 1960) hat gemeinsam mit Matthias Bockholt 1996 die ABO Wind AG gegründet. Der Diplom-Kaufmann Höllinger ist seit 2002 in leitender Funktion für die ABO Wind AG tätig. Ahn und Höllinger sind auch Vorstände der ABO Wind AG.

Seit der Gründung der ABO Invest leiten die Vorstände Dr. Jochen Ahn und Andreas Höllinger das Unternehmen. / Quelle: Unternehmen


Die ABO Wind AG beabsichtigt, zwischen 10 und 20 Prozent der Aktien der ABO Invest AG zu halten. Zwischenzeitlich sind auch höhere Beteiligungsquoten bis 30 Prozent möglich. Derzeit sind es ca. 24 Prozent (Stand: 5. März 2015). Der Stimmenanteil von ABO Invest-Aktionären ist unabhängig vom Kapitalanteil auf zehn Prozent begrenzt, um einen beherrschenden Einfluss einzelner Aktionäre bei der Hauptversammlung zu verhindern.

Strategie der ABO Invest ist es, Erträge in einer Aufbauphase zunächst nicht als Dividenden an Aktionäre auszuschütten, sondern damit weitere Anteile an Projektgesellschaften zu erwerben. Dadurch soll der Substanzwert der Aktie jährlich um acht Prozent steigen. Zudem sind die Möglichkeiten der ABO Invest AG, Dividenden zu zahlen, in den ersten Jahren auch dadurch begrenzt, dass vorrangig das von den Projektgesellschaften aufgenommene Fremdkapital zurückgeführt werden muss.

Aufgrund der in den ersten Betriebsjahren hohen Zinsaufwendungen und der Abschreibungen (rund 8,5 Millionen Euro in 2013, rund 7,6 Millionen Euro in 2012) verbuchte der ABO Invest-Konzern plangemäß Jahresfehlbeträge von rund 4,08 Millionen Euro (2013) und 3,27 Millionen Euro (2012). Das operative Ergebnis (Gewinn vor Zinsen und Steuern, EBIT) war mit rund 2,99 Millionen Euro (2013) und rund 2,96 Millionen Euro (2012) positiv. Die Umsatzerlöse stiegen 2013 auf 15,76 Millionen Euro und werden voraussichtlich auch in den Folgejahren wachsen, da ABO Invest 2014 und 2015 mehrere Windparks erworben hat, wodurch die Umsatzerlöse aus dem Stromverkauf voraussichtlich deutlich steigen werden.

Abweichungen von den Umsatzerlösprognosen können sich beispielsweise ergeben, wenn der Wind in einem Geschäftsjahr stärker oder schwächer weht als im prognostizierten langjährigen Durchschnitt. Nach Angaben von ABO Invest lagen aufgrund eines schwachen Windjahres die Stromerträge des Windparks-Portfolios von ABO Invest 2014 insgesamt knapp 8 Prozent unter dem erwarteten Durchschnittswert. Die Umsatzerlöse aus der Stromproduktion blieben infolgedessen den Angaben nach 2014 um rund 2 Millionen Euro unter der Prognose von 20,5 Millionen Euro. Daher kann eventuell auch der Jahresfehlbetrag 2014 die prognostizierten -1,66 Millionen Euro überschreiten und das EBIT 2014 unter dem des Vorjahres liegen. Veröffentlichte Zahlen liegen derzeit noch nicht vor (Stand: 5. März 2015).

Unter der Annahme, dass sich die windbedingten Schwankungen der Stromerträge über die gesamte Betriebsdauer der Windparks ausgleichen und der prognostizierte Durchschnittswert erreicht wird, hat das schwächere Windjahr 2014 keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung der ABO Invest AG und auf die langfristige Kursentwicklung. Diese Einschätzung teilen auch die Analysten von Warburg Research aus Hamburg. In einer im Januar 2015 veröffentlichten aktualisierten Studie bestätigen sie die Kaufempfehlung für die ABO Invest-Aktie.

Investitionen

Insgesamt umfasst das Portfolio von ABO Invest derzeit 62 Windenergie- und eine Biogasanlage mit zusammen 132,2 MW. Angestrebt als Zwischenziel sind 200 MW. Ein Anlegerbeirat mit Vertretern aus den Reihen der über 4.000 Aktionäre entscheidet über jeden Kauf eines Windparks.


44 der Anlagen sind bereits seit mindestens einem Jahr in Betrieb. Die Windenergieanlagen stehen in Frankreich (28), Deutschland (18), Irland (14) und Finnland (2). Die beiden Windenergieanlagen in Finnland sind derzeit im Bau. Die Biogasanlage (0,8 MW) befindet sich in Deutschland. Der Erwerb von weiteren Biogasanlagen ist nach Angaben von ABO Invest derzeit nicht geplant, so dass sich die Investitionsplanungen auf Windparkprojekte konzentrieren.

Der mit einer Leistung von insgesamt 35 MW größte Windpark von ABO Invest befindet sich im irischen Glenough. 13 Anlagen des Windparks sind seit September 2011 in Betrieb, eine 14. Anlage dreht sich seit Anfang 2013. Im Einsatz sind Windenergieanlagen des Typs N-80 bzw. N-90 vom deutschen Hersteller Nordex mit einer Nennleistung von jeweils 2,5 MW. Da es sich beim Windpark Glenough um eines der ersten Projekte von ABO Invest handelt, hat der Windpark bis einschließlich 2013 mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz von ABO Invest beigesteuert. Der Stromertrag des Windparks Glenough 2013 lag laut Geschäftsbericht 2 Prozent über der Prognose. Das war er der Hauptgrund dafür, dass der Stromertrag des ABO Invest-Portfolios 2013 in der Summe die Prognose nur um 2 Prozent verfehlte. Spätestens im Geschäftsjahr 2015 wird der Ertrag des Windparks Glenough eine signifikant geringere prozentuale Auswirkung auf das Gesamtportfolio haben, da seit Dezember 2014/Januar 2015 drei neue Windparks in Frankreich und Deutschland Stromerträge für den ABO Invest-Konzern liefern.

Den Windpark Weilrod in Hessen hat ABO Invest Ende Januar 2015 erworben. Der Windpark ist nur 30 Kilometer vom Firmensitz der ABO Invest in Wiesbaden entfernt. Er ist seit November 2014 im Betrieb und besteht aus sieben Windenergieanlagen des Typs Nordex N117 mit einer Nennleistung von jeweils 2,4 MW. ABO Invest hat in diesem Fall die Windpark-Gesellschaft nicht vollständig erworben, sondern zu 80 Prozent. Die verbleibenden 20 Prozent hält die Hessische Windparkentwicklungsgesellschaft (WPE), die ABO Wind und dem Energiedienstleister Mainova gehört.

Zum Portfolio von ABO Invest gehören in Deutschland neben dem Windpark Weilrod derzeit elf weitere Windenergieanlagen, die sich auf fünf Standorte verteilen. Der Windpark Broich (Nordrhein-Westfalen) besteht aus drei Anlagen des Typs E-53 vom deutschen Hersteller Enercon mit einer Nennleistung von insgesamt 2,4 MW und ist seit Ende 2007 in Betrieb. Für den Windpark Düngenheim (Rheinland-Pfalz) drehen sich seit Januar 2009 zwei Anlagen des TypsV90 vom dänischen Hersteller Vestas mit einer Nennleistung von jeweils 2,0 Megawatt. Der Windpark Repperndorf (Bayern) besteht aus drei Vestas V90 zu je 2,0 MW und ist ebenfalls seit Januar 2009 am Netz. Beim Repowering-Projekt Framersheim II (Rheinland-Pfalz) dreht sich seit September 2013 eine Anlage des Typs REpower 3,4M mit einer Nennleistung von 3,4 MW. Im Juni 2014 hat ABO Invest den Windpark Losheim (Saarland) erworben, der bereits seit 2004 in Betrieb ist und aus drei Anlagen des Typs GE (General Electric) Wind Energy 1,5sl mit einer Nennleistung von jeweils 1,5 MW besteht.

In Frankreich betreibt ABO Invest sechs Windparks mit zusammen 28 Anlagen. Der jüngste Windpark in Frankreich ist der Windpark St. Nicolas-des-Biefs, der seit Februar 2015 Strom einspeist und in dem sich sieben Anlagen des Typs Vestas V90 mit einer Nennleistung von jeweils 2,0 MW drehen. Derselbe Anlagentyp kommt zum Einsatz bei den fünf Anlagen des Windparks Couffé, der seit Dezember 2014 in Betrieb ist. Bereits seit Dezember 2009 am Netz ist der aus sechs Anlagen bestehende Windpark Cuq, der ebenfalls auf den Anlagentyp Vestas V90 mit einer Nennleistung von jeweils 2,0 MW setzt. Dasselbe gilt auch für den Windpark Souilly, in dem sich seit Oktober 2012 vier Anlagen drehen. Dagegen bestehen die Windparks Clamecy und Escamps aus Anlagen des Typs REpower MM 92 mit einer Nennleistung von jeweils 2,05 MW. Im Windpark Escamps drehen sich seit Februar 2014 zwei Anlagen. Im Windpark Clamecy, der ABO Invest zu 65 Prozent gehört, sind seit Dezember 2013 sechs Anlagen im Einsatz.

Verschiedene Generationen von Windmühlen in Burgund, Frankreich / Quelle: Unternehmen


Neben den Investitionen in den etablierten Märkten Deutschland, Irland und Frankreich hat ABO Invest zudem ein erstes finnisches Windparkprojekt erworben. Das Projekt Haapajärvi besteht aus zwei Anlagen des Typs Vestas V126 mit einer Nennleistung von jeweils 3,3 MW. Die Fundamente der Anlagen sind bereits errichtet und die Inbetriebnahme für August 2015 geplant.

Zur Finanzierung des Windparks Haapajärvi plant ABO Invest nach eigenen Angaben voraussichtlich im Mai 2015 eine kleinere Kapitalerhöhung. Weitere Kapitalerhöhungen sind laut ABO Invest möglich, falls es geeignete Investitionsmöglichkeiten geben wird und sich die Aktionäre auf der Hauptversammlung dafür entscheiden. Derzeit prüft ABO Invest nach eigenen Angaben weitere Windparkprojekte in Deutschland, Irland und Finnland.

Ökologische Wirkung

Insgesamt werden die von ABO Invest bislang erworbenen Windenergieanlagen 2015 laut der Ertragsprognosen voraussichtlich rund 300 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Im Vergleich zur Stromgewinnung aus konventionellen Kraftwerken werden somit circa 180.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh können rechnerisch rund 85.000 Haushalte mit dem Strom von den ABO Invest-Windenergieanlagen versorgt werden.

Die ABO Invest AG hat bislang in Windenergieanlagen an Land und in eine Biogasanlage investiert. Die energetische Amortisationszeit von Windenergieanlagen an Land liegt je nach Standort und verwendeter Technik zwischen drei und zwölf Monaten. In dieser Zeit erzeugen die Windkraftanlagen die Energiemenge, die bei Herstellung, Transport und Wartung der Anlagen verbraucht wird. Zum Vergleich: Die energetische Amortisationszeit von Photovoltaik-Anlagen liegt zumeist bei ein bis drei Jahren. Kohle- und Kernkraftwerken amortisieren sich aufgrund des dauerhaften Verbrauchs von fossilen Energieträgern als Brennstoff gar nicht.

Umgerechnet auf eine einzelne Aktie beläuft sich die jährliche Stromproduktion der ABO Invest nach Angaben des Unternehmens auf acht Kilowattstunden. Demnach liegt die CO2-Einsparung pro Aktie bei circa 5 Kilogramm. Knapp 500 ABO Invest-Aktien würden also genügen, um den Strombedarf eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushaltes (rund 3.500 Kilowattstunden) rechnerisch abzudecken.


Das ECOreporter-Siegel für Nachhaltige Finanzprodukte setzt eine direkte oder zumindest indirekte Wirkung für mehr Nachhaltigkeit voraus. Diese Voraussetzung gilt beispielsweise als erfüllt, wenn durch ein Finanzprodukt direkt Geld in Unternehmen fließt, die damit nachhaltige Leistungen erzeugen. Eine solche direkte Wirkung liegt beim Aktienhandel üblicherweise nicht vor, da hierbei Geld vom Aktienverkäufer zum Käufer fließt, vermittelt über die Börse. Bei der Neuemission von Aktien wiederum ist die direkte Wirkung gegeben, da das für die Aktie bezahlte Geld direkt das Unternehmen finanziert und keinen dritten Aktienverkäufer.

Bei ABO Invest stellt sich die nachhaltige Wirkung mit einer kleinen Verzögerung ein. Wer über die Börse Aktien des Unternehmens kauft, schafft damit die Voraussetzung für künftige Kapitalerhöhungen und damit den Ankauf neuer Windparks durch das Unternehmen. Denn sobald der Anteil der ABO Wind an der ABO Invest auf rund 10 Prozent gesunken ist, kann die ABO Wind neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung zeichnen und frisches Kapital in die ABO Invest bringen. Indem die ABO Invest kontinuierlich neue Aktionäre gewinnt, die über die Börse Aktien erwerben, ist sie in der Lage, jährlich Windparks mit einer Leistung von 20 bis 30 MW zu erwerben.

Abgesehen davon können mit dem innovativen Geschäftsmodell Anleger erreicht werden, für die nachhaltige Sachwertbeteiligungen z. B. aufgrund der oftmals langen Laufzeiten bisher nicht attraktiv genug waren, so dass die ABO Invest-Aktie den Kapitalzufluss in den Bereich der erneuerbaren Energien erhöht und damit das Fundament der Energiewende stärken kann. Insgesamt ist die ökologische Wirkung der Bürgerwindaktie ABO Invest AG hervorragend.

Risiko

Die ABO Invest AG investiert über Projektgesellschaften in Windparkprojekte. Übliche Geschäftsrisiken – z.B. Verlust von Marktanteilen, Fehlschläge bei Marketing- und Forschungsmaßnahmen –, die an der Börse notierte Unternehmen und ihre Aktionäre in der Regel tragen, bestehen bei ABO Invest nicht.

ABO Invest erwirbt die Windparks in der Regel schlüsselfertig vom Projektierer. Zum Zeitpunkt der Kaufvertragsunterzeichnung befinden sich die Windparks aber oftmals noch im Bau. Laut Prospekt kann die verspätete Inbetriebnahme einer Anlage die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der ABO Invest AG beeinträchtigen. Nach Angaben von ABO Invest sind die Kaufverträge aber systematisch so gestaltet, dass das Bauherrenrisiko beim Projektentwickler verbleibt und ABO Invest keine Fertigstellungs- und Inbetriebnahmerisiken trägt. Sollte beispielsweise eine verspätete Inbetriebnahme dazu führen, dass ein erworbener Windpark eine reduzierte Einspeisevergütung erhalte, würde nach Angaben von ABO Invest der Kaufpreis entsprechend gesenkt werden. Aufgrund der hohen Nachfrage von Investoren nach Windparkprojekten vor allem in Deutschland werden Windkraftprojekte laut Prospekt in einem immer früheren Stadium verkauft, zu dem beispielsweise noch nicht alle Genehmigungen vorliegen. Laut Prospekt wird ABO Invest in diesen Fällen Verträge jedoch nur eingehen, wenn diese rückabgewickelt werden können und keine finanziellen Risiken entstehen. Grundsätzlich besteht aber in solchen Fällen das Risiko, dass der Generalunternehmer bzw. der Projektentwickler bereits erhaltene Kaufpreis-Anzahlungen nicht zurückzahlt bzw. nicht zurückzahlen kann. Dieses Risiko ist aber für ABO Invest erheblich reduziert, da es mit ABO Wind einen renommierten und solide finanzierten Vertragspartner hat.

Die ABO Invest AG erwirbt die Windparks in der Regel von der ABO Wind AG. Die ABO Wind AG übernimmt die Geschäftsführung für die ABO Invest AG, und es besteht Personenidentität beim Vorstand. Laut Prospekt sollen die Kaufpreise marktüblich sein. Zudem werden die Kaufpreise vom Anlegerbeirat auf Angemessenheit überprüft. Trotzdem kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass Interessenskonflikte zu Ungunsten der ABO Invest AG gelöst werden. Dagegen sprechen aber beispielsweise die lange Unternehmenshistorie der ABO Wind AG und ihre transparente Informationspolitik. Zudem ist die ABO Wind AG Großaktionärin der ABO Invest AG und plant dies dauerhaft zu bleiben, so dass sie ein starkes Interesse am wirtschaftlichen Erfolg der ABO Invest AG hat.

Der Stromertrag der Windparks ist abhängig von den Windverhältnissen. Inzwischen und insbesondere mit der für Sommer 2015 geplanten Inbetriebnahme des finnischen Windparks verfügt ABO Invest über Windparks in verschiedenen Regionen Europas, so dass sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass in einem Geschäftsjahr schlechte Windverhältnisse in einer Region durch gute Windverhältnisse in einer anderen Region ausgeglichen werden können. Diese breite Risikostreuung hat sich bereits im windschwachen Jahr 2014 teilweise bewährt, da der Stromertrag des Gesamtportfolios nur 8 Prozent unter der Prognose lag, obwohl einzelne Windparks ihre Prognosewerte um mehr als 20 Prozent verfehlten.

Nach Angaben von ABO Invest haben trotz des schlechten Windjahres 2014 alle Windpark-Gesellschaften die operativen Zahlungen und Kapitaldienstverpflichtungen planmäßig geleistet. Das ist erwähnenswert, da die Eigenkapitalquote des ABO Invest-Konzerns vergleichsweise gering ist, so dass eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Zahlungsausfälle bestehen könnte. Die Erstinvestition der ABO Invest AG, die Eurowind AG mit fünf Windparks, ist beispielsweise ursprünglich mit 85 Prozent Bankenkapital, 12 Prozent nicht an Verlusten teilnehmendem Genussrechtskapital und nur 3 Prozent Eigenkapital finanziert worden. Inzwischen ist die Eigenkapitalquote von ABO Invest von 9 Prozent (2012) über 14 Prozent (2013) auf 18 Prozent (1. Halbjahr 2014) gestiegen. Der finnische Windpark soll ausschließlich mit Eigenkapital finanziert werden, so dass die Eigenkapitalquote 2015 weiter ansteigen kann. Durch eine höhere Eigenkapitalquote sinkt tendenziell das Risiko, dass Tilgungs- und Zinszahlungen an Banken nicht geleistet werden können. Andererseits führen die höhere Eigenkapitalquote und der Verzicht auf niedrig verzinstes Fremdkapital wie beim finnischen Windpark dazu, dass es schwerer wird, die prospektierte Mindest-Eigenkapitalrendite von 8 Prozent pro Jahr zu erreichen, die Basis der langfristigen Aktienkursprognose ist.

Die ABO Invest-Aktie ist das einzige Finanzprodukt der ABO Invest AG, insofern gibt es hier keine „Historie“ mit Vorläufer-Finanzprodukten. Anhaltspunkte dafür, wie der ABO Wind-Konzern die Prognosen für seine Finanzprodukte einhält, liefert die Betrachtung der drei Genussrechte, die ABO Wind seit 2009 emittiert hat: Jeweils pünktlich im Februar des Folgejahres sind die versprochenen Zinsen (zwischen 6,5 und 8 Prozent) sowie zusätzlich eine kleine Gewinnbeteiligung in Höhe von etwa 0,2 Prozent ausgeschüttet worden. Insgesamt wurden 17 Millionen Euro gezeichnet, bislang sind rund 3 Millionen Euro zurückgezahlt worden. Die verbleibenden 14 Millionen laufen noch oder wurden zu neuen Konditionen (3,5 und 5,8 Prozent) von den Anlegern verlängert.

Stärken
- Renommierter und erfahrener Vertragspartner ABO Wind
- Breite Risikostreuung der Investitionen
- Startphase des Unternehmens ABO Invest erfolgreich
- Fungible Sachwertinvestition
- Hohe positive ökologische Wirkung

Chancen
- Mehrerträge durch Weiterbetrieb der Windenergieanlagen nach der geplanten Stärken
- Laufzeit von in der Regel 20 Jahren Schwächen
- Inbetriebnahme- und Genehmigungsrisiken möglich
- Potenzial für Interessenkonflikte

Risiken
- Geringerer Wind- und Stromertrag als kalkuliert

Fazit:

Finanziell

Die ABO Invest AG hat über den Erwerb von Projektgesellschaften bisher in 62 Windenergieanlagen an 14 Standorten in vier Ländern und in eine Biogasanlage investiert, so dass bereits eine breite Risikostreuung erreicht ist. Ähnlich wie bei geschlossenen Windfonds fallen hohe Rückflüsse zumeist erst an, wenn die Bankkredite zu einem wesentlichen Teil getilgt sind und die Zinsbelastung sinkt. Dividendenzahlungen sind zudem wegen neuer Investitionen zum Aufbau des Portfolios zunächst nicht geplant.

Die ABO Invest AG kann durch Käufe und eventuelle Verkäufe von Windparks das Portfolio beständig und dauerhaft optimieren. Die Aktien sind im Freiverkehr der Börse Düsseldorf handelbar. Aufgrund des bislang ausreichenden Handelsvolumens ist die Transparenz, Preisbildung und Veräußerbarkeit für den Anleger signifikant besser bzw. einfacher als auf dem Zweitmarkt für geschlossene Fondsanteile. Der Kurs der ABO Invest- Aktie ist bislang kontinuierlich gestiegen und hat die Erwartungen erfüllt. Die Eigenkapitalquote von ABO Invest ist inzwischen auf rund 18 Prozent angewachsen, so dass das Risiko von Zahlungsschwierigkeiten gegenüber Fremdkapitalgebern in windschwachen Jahren gesunken ist.

Nachhaltigkeit

Die Windenergie an Land ist eine sehr nachhaltige Form der Energieerzeugung – sowohl im ökologischen wie im volkswirtschaftlichen Sinne. Unter Nachhaltigkeitsaspekten ist ein Investment in Aktien der ABO Invest AG hervorragend.

ECOreporter.de-Empfehlung

Rund fünf Jahre nach Unternehmensgründung und nach vier Jahren Börsennotierung fällt das Fazit für die Startphase von ABO Invest positiv aus: Das Konzept hat sich bewährt, das Etappenziel wurde erreicht, die Investitionsvorhaben und die Aktienkursentwicklung verliefen im Wesentlichen plangemäß. Zudem hat sich gezeigt, dass ABO Invest mit ABO Wind einen starken und verlässlichen Partner an der Seite hat, der über einen guten Marktzugang verfügt, so dass die Aussichten für ABO Invest positiv sind.

Basisdaten
Emittentin und Anbieterin: ABO Invest AG, Wiesbaden
Anlageform: Stückaktien (Inhaberaktien)
BaFin-Billigung: Ja
Handelbarkeit: Freiverkehr Börse Düsseldorf
ISIN: DE000A1EWXA4
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