Bau einer Dachsolaranlage von Vivint Solar. Nach dem Wahlsieg von Donald Trump haben sich die Aktien von US-Solarprojektierern deutlich besser gehalten als Aktien von Solarherstellern. / Foto: Vivint Solar

15.11.16 Aktientipps

US-Solaraktien von Solarherstellern im Kurstief – lohnt sich der Einstieg bei Solarprojektierern aus den USA?

Die Aussichten für die Aktien von Solar-Aktien aus den USA haben sich verdüstert – doch nur zu einem geringen Teil aufgrund des Sieges von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl. Und gegen den Trend geht es für die Aktien von Solarprojektierern aus den USA sogar wieder aufwärts. Sollten Anleger in die Aktie von SolarCity, Sunrun und Vivint Solar jetzt einsteigen?

Der Absturz vieler Solar-Aktien nach dem Wahlsieg von Donald Trump ist wahrscheinlich übertrieben. Denn es ist nicht der Präsident, der in den USA die wichtigsten Weichen für den Solarmarkt stellt (lesen Sie mehr darüber im ersten Teil unserer Analyse von US-Solaraktien).  ECOreporter.de hat darüber berichtet und über   die Aussichten der beiden großen US-Solarkonzerne SunPower  und  First Solar. Beide stehen durch den Preisverfall unter Druck, dem Hersteller von Solarmodulen infolge des Überangebotes im Weltmarkt unterliegen. Seit Mitte dieses Jahres sind die Marktpreise für Solarmodule durchschnittlich um über 20 Prozent gefallen.

SolarCity, Sunrun und Vivint Solar könnten von diesem genannten Preisverfall profitieren. Schließlich ermöglicht er es ihnen, die Module für Ihre Solarkraftwerke günstiger einzukaufen. Bei diesen Solaraktien setzt auch bereits eine Trendwende ein. Nach Kursverlusten am Tag nach der Wahl von Trump gewannen ihre Aktien schnell wieder an Wert. Allerdings tragen diese Projektierer andere Risiken. Denn ihr Geschäft ist sehr kapitalintensiv und die Strategie geht nur auf, wenn sie immer mehr Neukunden gewinnen.

Bei SolarCity, Sunrun und Vivint Solar handelt es sich jeweils Dachsolaranlagenprojektierer, die ihre Solarkraftwerke vor allem US-Privathaushalten im Komplettpaket samt Finanzierung anbieten. Das heißt, sie gehen mit Planung und Bau und Betriebsleitung in Vorleistung. Der Vorteil: Das senkt die Schwelle von Kunden, sich auf das Angebot einer privaten Solaranlage einzulassen. Der Nachteil: Mit der Anzahl der Kunden wachsen zunächst auch die Kosten, und das mindert den Gewinn.

Erst auf lange Sicht rentiert es bei diesem Geschäftsmodell, zunächst so viele Kunden wie möglich zu gewinnen. Und das Geschäftsmodell setzt voraus, dass die Banken mitspielen, die bei der Vorfinanzierung der Solaranlagen mit im Boot sind. Es besteht immer die Gefahr, dass sie zu Lasten des Solarprojektierers eingreifen, wenn sie befürchten, ihren Einsatz womöglich nicht zurückzubekommen. Oder dass es dem Solarprojektierer entweder immer schwerer fällt, neue Darlehen für neue Solarprojekte zu erhalten oder die Zinsen für solche Darlehen immer teurer werden.

Vivint Solar ringt mit Schatten der Vergangenheit

Vivint Solar wirtschaftet nicht profitabel. Das erklärt die schwache Kursentwicklung, die sich nach dem Wahlsieg von Trump aber stabilisiert hat. Die Solaraktie ging am Montagabend mit rund drei Dollar aus dem Börsenhandel in New York. Sie hat damit in den letzten drei Monaten 14 Prozent an Wert verloren und 70 Prozent auf Jahressicht. Das Unternehmen mit Hauptsitz im Bundesstaat Utah meldete vor kurzem für das dritte Quartal erneut hohe Verluste. Dem Solarprojektierer gelang es lediglich, das Minus von 54,4 Millionen auf 33,3 Millionen Dollar Nettoverlust zu verringern. Dabei hat Vivint Solar den Quartalsumsatz im Vergleich zum dritten Quartal 20015 auf 41,3 Millionen Dollar fast verdoppelt. Und neue Solaranlagen mit insgesamt 55 Megawatt (MW) installiert. Zugleich fielen die Gestehungskosten pro Watt Solarstrom mit 2,85 Dollar vergleichsweise gering aus.

Doch das Unternehmen leidet noch immer unter der geplatzten Übernahme durch SunEdison. Der US-amerikanische Ökostromriese hatte auf Kredit ein riesiges Portfolio von Solarparks auf freier Fläche erworben und wollte sich durch die Übernahme von Vivint Solar auch in das Geschäft mit Solaranlagen auf Dächern einkaufen. Die Übernahme war bereits verabredet, als SunEdison wegen Überschuldung eine Rückzieher machen und letztlich Gläubigerschutz beantragen musste. Vivint Solar hatte in dieser Phase bei der Finanzierung neuer Projekte auf die Bremse getreten, da ja die Führung wechseln sollte.

Diesen Rückstand bei der Wachstumsfinanzierung hat Vivint Solar bis heute nicht wieder aufgeholt. Das Unternehmen könnte beim Ringen um Marktanteile den Anschluss an die Wettbewerber verloren haben. Es bestehen daher erhebliche Kursrisiken. Wir raten von der Beteiligung an Vivint Solar ab.

Die Zukunft von SolarCity ist ungewiss

Ob SolarCity auf ein ähnliches Dilemma zuläuft, ist möglich. Denn Tesla Motors hat ein Übernahmeangebot für diesen dritten US-Solarprojektierer vorgelegt. Aber es ist offen, ob es zu der Transaktion kommt.  Weil Tesla-Chef Elon Musk eng mit SolarCity verbunden ist, laufen etliche Tesla-Aktionäre Sturm gegen die Pläne und werfen Musk Interessenkonflikte vor, wie ECOreporter.de in einem Aktientipp zur Tesla-Aktie berichtet hat. SolarCity steckt in erheblichen Schwierigkeiten, auch wenn das Unternehmen aus Kalifornien den Verlust im dritten Quartal um fünf Millionen Dollar 186 Millionen Dollar und die Gestehungskosten auf 2,87 Dollar verringert hat.

Die Frage ist, ob Tesla den Solarprojektierer deshalb vergleichsweise günstig übernehmen kann oder ob der Hersteller von Elektroautos sich einen Problemfall einkauft, damit Musk nicht bei einer Pleite von SolarCity seine Aktienbeteiligung an dem Solarprojektierer abschreiben muss.

In den nächsten Tagen werden die Tesla-Aktionäre über das Übernahmeangebot abstimmen. Wenn es nicht zu der Übernahme kommt, droht ein massiver Kursverlust. Der Solarprojektierer droht dann in eine gefährliche Schieflage zu geraten. Wird Tesla dagegen SolarCity übernehmen, so ist dies bereits in den aktuellen Kurs eingepreist und dürfte das keinen größeren Kursanstieg auslösen. Folglich sollten Anleger die Finger von der Aktie von SolarCity lassen.

Sunrun ringt mit hohen Kosten

Bei Sunrun liefen die Geschäfte zuletzt gut. Das Unternehmen aus San Francisco steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um mehr als ein Drittel auf 112 Millionen Dollar. Die neu installierte Solarstromleistung lag mit 80 Megawatt (MW) um 40 Prozent höher als zum Ende des dritten Quartals 2015. Und nach  27,7 Millionen Dollar Nettoverlust im Vorjahreszeitraum erreichte Sunrun im dritten Quartal 16,9 Millionen Dollar Nettogewinn.

Die Sunrun-Aktie notierte an der Nasdaq am Montagabend um rund fünf Prozent niedriger als vor drei Monaten. Auf Jahressicht hat sie 26 Prozent an Wert verloren. Sie erscheint vergleichsweise günstig. Wagemutige Anleger können darauf setzen, dass der Solarprojektierer einerseits seinen Kundenbestand deutlich ausbauen und sich so langfristig stabile Einnahmen sichern kann, andererseits sich seine Aufwendungen durch sinkende Modulpreise reduzieren. Beides könnte den Aktienkurs stimulieren.

Aber: Von allen drei genannten Solarprojektierern wies Sunrun im dritten Quartal 2016 mit 3,37 US-Dollar pro Watt die mit Abstand höchsten Gestehungskosten auf. Diese sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar gesunken, doch wie bei den beiden Konkurrenten nur um zehn Prozent und damit wohl lediglich aufgrund des massiven Preisverfalls bei Solarmodulen. Das nährt Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit von Sunrun. Daher rät ECOreporter.de auch bei dieser Solaraktie vom Investment ab.

SolarCity: ISIN US83416T1007 / WKN A1J6UM
Sunrun Inc.: ISIN US86771W1053 / WKN A14V1T
Vivint Solar Inc.: ISIN US92854Q1067 / WKN A12AWB
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x