Bei der Realisierung von Offshore-Windparks in der Nordsee setzte Windreich auf Technik von Areva. Im Bild: Die Errichtung von Areva-Windrädern. / Quelle: Areva

  Anleihen / AIF

Verdacht auf Insolvenzverschleppung bei Windreich?

War die Windreich GmbH schon Jahre vor ihrem Insolvenzantrag zahlungsunfähig? Diesen Verdacht legt ein vorläufiges Gutachten nahe, über das die Süddeutsche Zeitung berichtet. In diesem vertraulichen Papier, das der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Blümle verfasst haben soll, hat Blümle dem Bericht zufolge Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Windreich schon „Ende Oktober 2011“ zahlungsunfähig war, also knapp zwei Jahre vor der tatsächlichen Insolvenz.

Die Insolvenz hatte im September 2013 auf Betreiben von Gründer und Vorstandschef Willi Balz zunächst in Eigenregie durchgeführt werden sollen, war wenig später jedoch in ein Regelinsolvenzverfahren umgewandelt worden (mehr dazu lesen Sie  hier). Balz, der lange Zeit Alleinvorstand bei Windreich war, widerspricht den Vorwürfen energisch. Windreich sei „zu keiner Zeit zahlungsunfähig“, wird Balz in dem Medienbericht zitiert. Er habe im Jahr vor der Insolvenz 30 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen in die Firma gesteckt. Das hätte er nicht für ein Pleiteunternehmen getan, so Balz weiter.

In seinem vorläufigen Insolvenzgutachten übt Holger Blümle dem Bericht zufolge weitere schwere Kritik: Die Unternehmenssphäre von Windreich sei kaum von der Privatsphäre von Balz getrennt gewesen. Beleg dafür seien „erhebliche wechselseitige Zahlungen“, die Blümle festgestellt haben soll. Es habe keine „funktionierende Buchhaltung gegeben, kein Controlling und keine zweite Führungsebene“, führt die Süddeutsche Zeitung Blümles Kritik weiter aus. Für Balz kommt diese nunmehr öffentliche Kritik denkbar ungelegen: er hatte Anfang Januar 2014 erklärt, im laufenden Insolvenzverfahren „aktiv mitzuarbeiten und den Insolvenzverwalter Dr. Holger Blümle zu unterstützen.“ Auch darüber haben wir  berichtet.  

Der Verdacht, es gäbe Unstimmigkeiten in der Buchführung von Windreich ist nicht neu. Die Staatsanwaltschaft nahm bereits im März 2013 deshalb Ermittlungen auf, die seit Mitte Januar auf den Wirtschaftsprüfer ausgeweitet wurden (ECOreporter.de  berichtete). Würde sich zudem noch der nun aufgekommene Verdacht der Insolvenzverschleppung erhärten, zöge dies weite Kreise. Denn Windreich hat 2010 und 2011 zwei Anleihen auf den Markt gebracht, die dem Unternehmen 149 Millionen Euro Eigenkapital von Anlegern für Offshore-Windkraftprojekte einbrachte. Die Bank J. Safra Sarasin war Kreditgeber von Windreich und zählt nun zu den größten Gläubigern. Sie steht im Zusammenhang mit der Windreich-Pleite ebenfalls in der Kritik, die die Schweizer nicht kommentierten (mehr dazu lesen Sie  hier).
ECOreporter.de führt Windreich in der Wachhund-Rubrik.
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x