Acht nachhaltige Fonds wurden im Vergleichtest unter die Lupe genommen. Wer hat die besten Plätze ergattert? / Quelle: Fotolia (Stefan Schurr)

02.07.15 Fonds / ETF , ECOfondstest

Vergleichstest: Welche sind die Besten unter den acht großen nachhaltigen Aktienfonds?

Sie sind die Schwergewichte im Markt: Acht große nachhaltige Aktienfonds. Lange Erfahrung, große Anlagesummen und ein entsprechendes Renomme zeichnen sie aus. Aber wie gut sind sie wirklich? ECOreporter hat die Fonds einem Vergleichstest unterzogen und überraschende Ergebnisse festgestellt.

Nachhaltigkeit lohnt sich! Das ist das erste auffällige Ergebnis des Vergleichstests. Bei den Finanzen gibt es unter den acht Fonds keinen Verlierer, sondern nur Gewinner. Selbst der Fonds mit der im Vergleich schwächsten Wertentwicklung legte in fünf Jahren (Mai 2010 bis Mai 2015) fast 50 Prozent zu. Der stärkste der acht Fonds schaffte im selben Zeitraum sogar knapp 100 Prozent. Die nachhaltigen Aktienfonds auf den Plätzen zwei bis vier folgen mit nur geringem Abstand. Drei der acht Fonds im Test fielen – über fünf Jahre gesehen – gegenüber dem Weltaktienindex MSCI World zurück, die fünf anderen schnitten besser ab. Die acht Fonds haben alle mehr als 100 Millionen Euro Volumen, der größte sogar mehr als eine Milliarde.
Bei der Kursentwicklung verwundert es nicht, dass die Fonds sich in den letzten fünf Jahren als sichere Bank erwiesen. Im Ergebnis verlor ja keiner. Dennoch haben einige Fonds vor allem 2011 Schwächephasen gezeigt, die teilweise über etliche Monate gingen. Schlaue Finanzprofi-Sprüche wie der, in Verlustphasen solle man halt nicht verkaufen, helfen wenig, wenn man schlicht abstoßen muss, weil man das Geld braucht. Daher ist der Punkt „Sicherheit“ bei Aktienfonds für viele Anleger wichtig.

Die Jahreskosten eines Fonds sind natürlich in Gewinnphasen wie den letzten Jahren kaum jemandem einen Blick wert. Wenn man sich über fünf Jahre gesehen über 80 bis fast 100 Prozent Plus freut, dann fallen Verwaltungsgebühren von 1,5 Prozent kaum in Gewicht, denkt man. Aber: Einige der getesteten Fonds haben eine Gesamtkostenquote von über zwei Prozent pro Jahr. Insbesondere die Produkte mit einer „Performancegebühr“ fallen hier auf. Entwickeln sich ihre Kurse besonders gut, wird diese Gebühr fällig. Sie mag ein zusätzlicher Ansporn für die Anbieter sein, aber die Anleger bezahlen dafür – immerhin aber nur, wenn der Fonds gut abschneidet.

Diese acht nachhaltigen Aktienfonds wurden getestet:

Allianz Global EcoTrends

Candriam Equities L Sustainable World

Erste Responsible Stock Global

JSS OekoSar Equity

NN (L) Global Sustainable Equity

ÖkoWorld ÖkoVision Classic

Pioneer Funds Global Ecology

Swisscanto (LU) Portfolio Fund Green Invest Equity


Nachhaltigkeit

81 Millionen Deutsche, 81 Millionen unterschiedliche Ansichten zu Nachhaltigkeit, Ökologie und Ethik. Für einen Vergleichstest von acht nachhaltigen Aktienfonds heißt das: Die Tester dürfen nicht ihren persönlichen Maßstab als Nachhaltigkeits- Zollstock anlegen. Vielmehr geht es um die Untersuchung, was ein Fonds verspricht und wie gut er das umsetzt. Und dabei gibt es viele objektiv zu bewertende Testfelder. Es macht eben einen Unterschied, ob ein Fondsmanagement eine Aktie, die sich als nicht nachhaltig herausgestellt hat, binnen eines Monats verkauft oder ob es für einen solchen Verkauf nur schwammige oder gar keine Vorschriften gibt. Es ist auch etwas anderes, ob man die Atomkraftwerksbetreiber als Investment ausschließt, aber vielleicht mit fünf Prozent Umsatzanteil doch zulässt – oder ob man null Toleranzgrenze hat und sowohl die Finanzierer als auch die Geschäftspartner der Atomkraftfirmen gleich mit ausschließt, wie das beispielsweise einer der untersuchten Fonds tut. Alle diese Details fließen bei diesem Vergleichstest in die Bewertung ein (Näheres zum Bewertungssystem erfahren Sie in den PDF-Dokumenten zu den einzelnen Fondsanalysen). Hinzu kommen natürlich die extra aufgeführten „Stärken“ und „Schwächen“.

Best-in-class, Best-of-classes, Ausschlusskriterien?

Wie wählen die Fonds die Aktien aus, die sie kaufen? Etliche agieren nach dem Best-in-class- Prinzip: Dann kommt jede Branche in Betracht, beispielsweise auch die Ölindustrie; alle Unternehmen werden auf Nachhaltigkeit untersucht, nur die Besten dürfen in den Fonds. Aber was heißt „die Besten“? Da versteht der NN Global Sustainable Equity die besten 50 Prozent. Für den Erste Responsible Stock Global reichen die besten 40 Prozent. Kein Wunder, dass sich dann in diesen Fonds Aktien finden, die eher mittelmäßig nachhaltig sind, selbst in ihrer Branche. Der JSS Fonds arbeitet zusätzlich mit dem „Best-of-classes-Prinzip“, das vereinfacht erklärt bedeutet: Je dreckiger die Branche, desto höher der Anspruch an die Nachhaltigkeit. Ein Ölunternehmen muss bei diesem Prinzip zur Nachhaltigkeitsspitze zählen, um in Frage zu kommen für den Fonds. Bei den Bio-Lebensmittelunternehmen reicht dann auch eine Durchschnittsfirma. Etliche Fonds arbeiten (teilweise zusätzlich) mit Ausschlusskriterien. Einige nur mit einer guten Handvoll Kriterien, andere mit einem ausgeklügelten System, das bis zu nachhaltigem Fischfang geht, wenn es sich um Investments in die Lebensmittelindustrie dreht wie beim Swisscanto-Fonds.

Foto: Aktien von Unternehmen aus der Kohle- oder der Bergbaubranche kommen für Best-in-class-Fonds grundsätzlich in Frage. / Quelle: Fotolia

Wirkung ist wichtig!

Erstaunlich viel getan hat sich bei den Aktienfonds in den letzten Jahren im Bereich „nachhaltige Wirkung“: Etliche Fonds üben Stimmrechte bei den Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften aus, in die sie investieren. Manche kontaktieren auch bei Nachhaltigkeitsthemen das Management der AGs, mahnen mehr Umweltschutz an oder verlangen bessere Arbeitsschutzvorschriften. Es gibt sogar Fonds, die veröffentlichen, welche Aktien sie aus Nachhaltigkeitsgründen verkaufen. Keiner der Fonds in diesem Test geht allerdings per Pressemitteilung an die Medien, um mitzuteilen, welche Aktie er verkauft hat, weil sie seine Nachhaltigkeitsansprüche nicht erfüllt – schade. Letztlich wird die Welt jenseits der Finanzzentren nur dann nachhaltiger, wenn sich die Unternehmen ändern, in deren Aktien investiert wird – und dafür muss Druck auf sie ausgeübt werden. Etliche der Fonds haben das europäische Transparenzsiegel. Sie bieten dann eine ganze Reihe an Informationen an. Das Siegel verlangt aber nicht, dass die Fonds ihr Aktienportfolio komplett veröffentlichen. Meist findet man es nur im Jahres- und Halbjahresbericht.

Das Ranking der acht großen nachhaltigen Aktienfonds im Vergleichstest

All diese Aspekte sind beim ECOreporter-Vergleichstest in die Bewertung der geprüften nachhaltigen Aktienfonds eingeflossen.  Hier  gelangen Sie zur Übersicht der Rangfolge dieser acht Fonds. Sie zeigt an, welchen Platz die einzelnen Fonds bei der Finanzwertung erreicht haben, bei der Nachhaltigkeitswertung und bei der Gesamwertung.
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