Mit der Hilfe von Mikrokrediten können sich Kleinunternehmerinnen in ärmeren Ländern selbstständig machen. Das Bild zeigt Näherinnen in Indien. / Foto: Opmeer Reports, Oikocredit

  Fonds / ETF, Gut erklärt - Mikrofinanzen

Vier Mikrofinanzfonds im Test – welcher liegt vorne?

Für viele Anlegerinnen und Anleger sind Mikrofinanzfonds eine gute Wahl. Vier Mikrofinanzfonds hat ECOreporter einem Vergleichstest unterzogen: zwei etablierte Fonds, die wir erstmals 2016 geprüft haben, und zwei etwas jüngere Mikrofinanzfonds.

Wie stehen die vier Fonds da in den Punkten Rendite, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Transparenz? Wie schneiden die beiden älteren Mikrofinanzfonds IIV Mikrofinanzfonds und Dual Return Fund - Vision Microfinance ab gegenüber dem GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds und dem KCD Mikrofinanzfonds - III?

Geld anlegen und damit Gutes tun. Das erhoffen sich Anlegerinnen und Anleger, die in Mikrofinanzfonds investieren. Denn solche Fonds sammeln Kapital, um in armen Weltgegenden Mikrokredite zu finanzieren. Das sind Darlehen an Kleinstunternehmer, die sich damit aus der Armut herausarbeiten können.

Lange war in Deutschland nur ein Mikrofinanzfonds zum Vertrieb zugelassen, der 2011 aufgelegte IIV Mikrofinanzfonds. IIV steht für Invest in Visions. Die von Edda Schröder gegründete und geleitete Invest in Visions GmbH hat diesen Mikrofinanzfonds entwickelt. Anfang 2015 startete dann die Bank im Bistum Essen (BiB) ihren KCD Mikrofinanzfonds - III. Die katholische Kirchenbank investiert selbst seit vielen Jahren im Bereich Mikrofinanz.

Im Dezember 2015 folgte der GLS Alternative Investments (abgekürzt AI) - Mikrofinanzfonds. Der bereits 2006 aufgelegte Dual Return Fund - Vision Microfinance der C-Quadrat Asset Management GmbH aus Wien ist zwar der älteste Mikrofinanzfonds im Test. In Deutschland ist er jedoch erst seit Mai 2016 zum Vertrieb zugelassen. C-Quadrat Asset Management gehört zur C-Quadrat Gruppe, einem international operierenden Vermögensverwalter.

Mikrofinanzfonds: ein solides soziales Investment


Eine Mikrofinanzkundin aus Indien, deren Darlehen über den GLS AI Mikrofinanzfonds finanziert worden ist. / Foto: GLS Bank

Alle vier Mikrofinanzfonds stoßen auf reges Anlegerinteresse, ihr Volumen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Beispielhaft zeigt das der Mikrofinanzfonds der GLS Bank, der nach seinem Start Ende 2015 in weniger als anderthalb Jahren ein Volumen von über 60 Millionen Euro erreichte. Ende September 2020 verwaltete der Fonds 190 Millionen Euro. Oder der Dual Return Fund - Vision Microfinance: In den zwölf Monaten nach der Marktzulassung in Deutschland 2016 verdoppelte sich sein Volumen nahezu auf 462 Millionen Euro. Aktuell liegt das Volumen bei 540 Millionen Euro (Stand 30.9.2020).

Mikrofinanzfonds sind bei Anlegerinnen und Anlegern auch deshalb gefragt, weil sie als vergleichsweise sicheres Investment gelten. Sie verleihen das Anlegergeld an Mikrofinanz-Dachorganisationen. Diese wiederum vergeben es an Mikrofinanzinstitute – also an Mikrofinanzbanken, etwa in Peru oder Indien. Deren Kundenberaterinnen und Kundenberater bringen das Geld zu den Kundinnen und Kunden und holen es später wieder ab, samt Zinsen.

Dadurch, dass ein Mikrofinanzfonds in der Regel mit Dutzenden von Mikrofinanzinstituten zusammenarbeitet, verteilen sich die Risiken. Hin und wieder gerät zwar einmal ein Mikrofinanzinstitut in Schwierigkeiten. Insgesamt haben sich die Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren jedoch als sehr sicher erwiesen. Auch wegen der extrem guten Rückzahlungsmoral der Kreditnehmer. Schließlich ist ein Mikrokredit für viele Menschen ohne sonstigen Zugang zu Finanzdienstleistungen eine meist einmalige Chance, sich aus der Armut zu befreien.

Stabile Wertentwicklung auch in der Corona-Krise

Auf lange Sicht haben sich die vier Fonds solide bis gut entwickelt (siehe Tabelle im Premium-Bereich). Der GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds und der IIV Mikrofinanzfonds liegen auf Sicht von fünf Jahren mehr als 7 Prozent im Plus (Stand 30.9.2020). Der KCD Mikrofinanzfonds - III hat im gleichen Zeitraum sogar mehr als 10 Prozent an Wert gewonnen, der Dual Return Fund - Vision Microfinance legte um etwas mehr als 4 Prozent zu.

In der Corona-Krise verloren alle Fonds zwischenzeitlich an Wert. Allerdings nicht viel. Und auch nicht in erster Linie wegen Kreditausfällen, sondern wegen der Bewertungsmethoden der Fonds. Denn die Kurse von Mikrofinanzfonds bilden sich nicht wie bei Aktien am freien Markt durch Angebot und Nachfrage. Vielmehr werden sie von spezialisierten Agenturen festgelegt. Die bewerten die Qualität der Kredite, berücksichtigen aber auch Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Länder, in denen die Fonds Kredite vergeben. Und diese Risikoaufschläge, die keinen direkten Zusammenhang zum Mikrofinanzsektor haben, sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Das wiederum drückte die Kurse der Fonds.

Kurse in Krisenzeiten nur bedingt vergleichbar

Michael P. Sommer, Direktor bei der Bank im Bistum Essen, weist auf einen weiteren Aspekt hin: „In der Corona-Krise zeigt sich, dass die Mikrofinanzfonds in ihrer Wertentwicklung kaum miteinander vergleichbar sind.“ Das, so Sommer, liege auch an den unterschiedlichen Bewertungssystemen der Fonds. „Die krisenbedingten Risiken in den Fonds werden unterschiedlich abgebildet, da es noch keinen einheitlichen Standard für diese Anlageklasse gibt. Wir hatten aber auch noch nie eine vergleichbare Krise“, erläutert der erfahrene Manager, der die Länder, in denen die Kredite vergeben werden, selbst häufig bereist hat.

ECOreporter gibt daher in der Tabelle und in den PDF-Einzeltests im Premium-Bereich die Wertentwicklung der Fonds über ein Jahr und über fünf Jahre an. Aufgrund der Besonderheit der Situation fließt in die Finanznote in diesem Test nur die Angabe zu den fünf Jahren ein (in denen aber natürlich auch das letzte Jahr berücksichtigt ist).

Kein schneller Ausstieg aus Mikrofinanzfonds möglich

Einen Aktienfonds kann man von einem Werktag auf den anderen verkaufen. Bei den Mikrofinanzfonds ist die Rückgabe von Fondsanteilen nicht so kurzfristig möglich. Die Anteile des GLS-Fonds sind beispielsweise nur Ende Juni und Ende Dezember zurückzugeben.

Die GLS Bank erklärt dies damit, dass sie möglichst viel Kapital in Mikrokrediten binden wolle und daher frühzeitig wissen müsse, ob Anlegerinnen und Anleger Kapital zurückfordern. Bei den anderen Fonds ist der Verkauf monatlich bzw. einmal pro Quartal möglich. Kaufen können Anlegerinnen und Anleger dagegen bei allen vier Fonds monatlich.

Jahresgebühren meist unter 2 Prozent

Mikrofinanzfonds verursachen einen hohen Verwaltungsaufwand. Hier geht es schließlich nicht um schlichte Aktienkäufe, sondern darum, Geld an Mikrofinanzinstitute in meist fernen Ländern zu verleihen. Das führt zu hohen Personalkosten im Fondsmanagement. Trotzdem betragen die Gesamtkosten pro Jahr für Anlegerinnen und Anleger bei den vier Mikrofinanzfonds  nur 1,58 bis 2,03 Prozent. Aktienfonds kosten meist ähnlich viel, haben aber einen deutlich geringeren Verwaltungsaufwand.

Die bei jedem Fonds angegebenen Gesamtkosten pro Jahr (TER, Total Expense Ratio) beinhalten die Summe aller laufenden Kosten: Verwaltungsgebühren, Betriebskosten, Depotbankgebühren und andere. In diesen Kosten nicht enthalten ist der einmalige Ausgabeaufschlag, der bei dem Investment in einen Fonds anfällt. Er beträgt beim GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds 2,5 Prozent und bei den drei anderen Fonds jeweils 3,0 Prozent.


Tadschikistan: Frauen sortieren die Aprikosenernte. Die soziale Bank Eskhata OJSC hat den Betrieb mit Mikrokrediten finanziert. / Foto: Opmeer Reports, Oikocredit

Mikrofinanzfonds sind nicht von Börsenkursen abhängig

Mikrofinanzfonds weisen nur geringe Wertschwankungen auf - auch in Corona-Zeiten. Alle getesteten Fonds schütten anfallende Jahresgewinne an die Anlegerinnen und Anleger aus. Das Geschäft mit Mikrokrediten verläuft weitgehend unabhängig von den Börsen – im Gegensatz zu Investments in Aktien oder Anleihen. Daher eignen sich Mikrofinanzfonds auch für Anlegerinnen und Anleger mit höherem Sicherheitsbedürfnis. Für spekulativ ausgerichtete Investoren, die Wert auf hohe Rendite-Chancen legen, kommen Mikrofinanzfonds dagegen nicht in Frage.

Hohe soziale Wirkung

Alle vier getesteten Fonds punkten bei der Nachhaltigkeit. Das Geld der Anlegerinnen und Anleger wirkt bei ihnen sozial: Denn in armen Regionen der Welt kann eine Schneiderin oft schon mit einem kleinen Kredit eine Nähmaschine erwerben und sich selbstständig machen. Herkömmliche Banken vergeben aber solche Kleinstkredite meist nicht. Sie befürchten dabei mehr Aufwand als Ertrag.

Vor allem aber leben in Schwellen- und Entwicklungsländern viele Menschen nicht in der Nähe einer Bank. Stattdessen könnten sie sich vielleicht Geld bei einem lokalen Kredithai leihen, die Zinsen sind dann exorbitant hoch. Mikrofinanzen helfen hier. Dabei sind auch die Mikrokredite nicht billig, sie werden oft mit 10 bis über 20 Prozent pro Jahr verzinst. Das ist stattlich, liegt aber noch weit unter den Tarifen lokaler Geldverleiher.

Die Zinsen sind meist auch nur prozentual sehr hoch – die realen Summen sind oft niedrig. Denn wenn ein Kreditsachbearbeiter per Moped 500 Dollar zu einer Kundin im Dschungel herausbringt, entstehen erhebliche Kosten. Der Zinsaufwand liegt dennoch bei einem halben Jahr und 20 Prozent Zins nur bei 50 Dollar. Dicke Gewinne erbringt das für das Mikrofinanzinstitut nicht, allein schon wegen der Spritkosten des Kreditsachbearbeiters.

Experten prüfen, an wen das Geld verliehen wird

Alle vier Fonds im Test erhielten sehr gute Noten im Bereich "Auswahlprinzip". Sie suchen die Mikrofinanzinstitute, mit denen sie zusammenarbeiten, nach eingehenden Prüfungen aus. Die Mikrofinanzfonds legen Wert darauf, dass die Mikrofinanzinstitute außer Krediten weitere Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel Sparmöglichkeiten und Versicherungen, etwa gegen Ernteausfall.

Die Mikrofinanzinstitute müssen belegen, dass ihre Zinsen angemessen sind und dass sie Mikrokreditnehmer kompetent betreuen. Wenn die Mikrokredite der Umwelt nutzen, fließt das in die Bewertung durch die Fondsmanager ein. Entscheidend ist aber der soziale Nutzen der Darlehen.

Die Bank im Bistum Essen (BiB) baut bei der Auswahl der Mikrofinanzinstitute für den KCD Mikrofinanzfonds - III auf die umfassende Erfahrung ihrer eigenen Expertinnen und Experten. Die übrigen Fonds setzen stark auf die Unterstützung durch auf Mikrofinanzen spezialisierte Agenturen. Einen Beirat mit externen Fachleuten gibt es beim GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds. Das gab Pluspunkte bei unserer Bewertung der "Nachhaltigkeits-Management-Qualität".

Transparenz

Die Jahres- und Halbjahresberichte der Anbieter listen die Mikrofinanzinstitute auf, an welche die Mikrofinanzfonds Darlehen vergeben haben. Die Anbieter des GLS Mikrofinanzfonds und des Dual Return Fund - Vision Microfinance informieren online am ausführlichsten über ihr Nachhaltigkeitskonzept und die Mikrofinanzinstitute, mit denen sie zusammenarbeiten.

Ein Fazit des Vergleichstests, die Tabelle mit den ECOreporter-Testdaten und ausführliche Einzeltests aller vier Fonds im PDF-Format finden Sie im Premium-Bereich.

Das PDF des IIV Mikrofinanzfonds können Sie sich hier herunterladen.

Das PDF des GLS AI - Mikrofinanzfonds finden Sie hier.

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