Aufbau eines Solarkraftwerkes in Spanien: Photovoltaik ist ein wichtiges Instrument für eine dezentrale und klimaschonende Energieversorgung. / Quelle: REC

  Erneuerbare Energie

Weltklimarat verlangt umfassende Investitionen in alternative Energien

Die Kunde ist nicht neu, aber der Weltklimarat hat es jetzt noch einmal in aller Deutlichkeit erklärt: Nur durch die zügige Abkehr von fossilen Brennstoffen und einen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien kann die Menschheit den Klimawandel noch in den Griff bekommen. Der Weltklimarat, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), hatte in der vergangenen Woche in Berlin über den dritten Teil seines aktuellen Sachstandsberichtes zum Klimawandel beraten und abschließen die Ergebnisse veröffentlicht. Damit liegen nun alle Teile des nunmehr fünften Sachstandsberichtes des UN-Gremiums vor, ein übergreifender Synthesebericht soll Ende Oktober 2014 in Kopenhagen verabschiedet werden.

Der erste Teil war im Herbst 2013 in Stockholm vorgelegt worden und hatte den aktuellen Forschungsstand zum Klimawandel dargestellt. Demnach ist der Ausstoß von Treibhausgasen noch höher als angenommen, schmelzen die Eisflächen der Erde weiter, steigt der Meeresspiegel weiter und die Ozeane versauern (wir  berichteten). Der Ende März 2014 im japanischen Yokohama veröffentlichte zweite Teil warnt vor den tiefgreifenden Folgen der fortschreitende Klimawandels für die Menschen, ihre Gesundheit und ihre Ernährung (hier  erfahren Sie mehr darüber). Hunderte Forscher haben sich an dem Sachstandsbericht beteiligt.

Laut dem IPCC, denen auch Vertreter von rund 120 Regierungen angehören, sind die Folgen der Erderwärmung nur beherrschbar, wenn der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau begrenzt wird. Ein ungebremster Klimawandel führe zu einer Welt, die 3,7 bis 4,8 Grad Celsius wärmer sei. Daraus folge nicht nur der Zusammenbruch vieler Ökosysteme, sondern auch der Kollaps von Wirtschaftssystemen. Erforderlich sei daher ein tiefgreifender Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft, der schnell angestoßen werden müsse. Eine weitere Verzögerung der erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen  verringere den Handlungsspielraum der Weltgemeinschaft und steigere die künftigen Klimaschutzkosten erheblich. Je weniger die Emissionen bis 2030 reduziert würden, desto schneller müssten die Emissionen in den Jahren danach sinken, um den Klimawandel rechtzeitig abzubremsen.

Dabei lässt der Weltklimarat keinen Zweifel daran, dass das Zeitalter der fossilen Energien schnell beendet werden muss. Laut den Szenarien des IPCC würden sich die Emissionen im Energiesektor ohne Klimaschutzmaßnahmen bis 2050 verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen. Das UN-Gremium empfiehlt deutlich erhöhte Investitionen in klimaschonende Technologien insbesondere für die Stromproduktion und den starken Abbau der öffentlichen Subventionen fossiler Brennstoffe.

„Vollständige Dekarbonisierung“ als Zielvorgabe

Mit einem Anteil von über einem Drittel an den globalen Treibhausgas-Emissionen ist der Energiesektor , die größte Emissionsquelle von Treibhausgasen. Wie der Bericht ausführt, müssen die Klimaschutzmaßnahmen in diesem Bereich bis zur Jahrhundertmitte eine „vollständige Dekarbonisierung“ anstreben. Dies könne durch eine Umstellung der Energieversorgung auf klimaschonende Technologien wie die Erneuerbaren Energien gelingen. Ein radikaler Umstieg auf CO2-freie Erneuerbare Energien, so der Report, würde das globale Konsumwachstum um lediglich 0,06 Prozent pro Jahr abschwächen. Wirkungsvoll seien auch die Besteuerung von fossilen Energien und von Kohlenstoffabgaben. Umfassende Energieeinsparungen fordert der Weltklimarat in den Bereichen Industrie, Transport und Gebäude, die nach seinen Angaben Anteile an den globalen Treibhausgas-Emissionen von 21, 14 und 6 Prozent haben. Den Anteil der Bereiche Land - und Forstwirtschaft und andere Landnutzungen beziffern die Autoren des Reports mit 24 Prozent. Hier empfiehlt der Weltklimarat die „Drosselung von Entwaldung“ und mehr nachhaltige Landnutzung. „Um bei einer verzögerten Klimaschutzpolitik ambitionierte Klimaziele noch erreichen zu können, müsste der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen werden“, stellt der IPCC-Report ferner fest. Dies könne unter anderem durch Aufforstung im großen Maßstab geschehen.

Bildhinweis: Brandrodung wie hier in Brasilien trägt ebenfalls zur Klimaerwärmung bei. / Quelle: Fotolia

Per  Mausklick  gelangen Sie zum dritten Teil des aktuellen IPCC-Sachstandsberichtes.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat die Vorlage des dritten Teils des Weltklimaberichts zum Anlass genommen, die Bundesregierung zu einer engagierteren Klimaschutzpolitik aufzurufen. „Der Weltklimarat weist eindringlich darauf hin, dass eine Anpassung an den Klimawandel nicht reicht. Wir müssen aktiv gegen die Erwärmung vorgehen, wenn wir noch mehr Unwetter, Dürren und einen weiteren Anstieg der Meeresspiegel und damit viel menschliches Leid verhindern wollen“, sagt der stellvertretende BEE-Geschäftsführer Harald Uphoff. Der BEE unterstütze den Weltklimarat IPCC in seiner Empfehlung, die Erneuerbaren Energien stärker auszubauen. Die vom IPCC genannten Alternativen Atomkraft und Abscheidung von Kohlendioxid in Kohlekraftwerken seien dagegen ein Irrweg. „Atomkraft ist lebensgefährlich und extrem teuer, und die Abscheidung von Kohlendioxid ist ineffizient und verzögert nur die Umstellung von Kohle auf saubere und nachhaltige Energien“, so Uphoff.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erklärte: „Auf internationaler Ebene ist es wichtig, dass in diesem und nächsten Jahr die Weichen für ein verbindliches, weltweites Abkommen für die Zeit nach 2020 gestellt werden. Europa muss hier die Führung übernehmen. Darum wollen wir so schnell wie möglich ein EU-weites Klimaziel von mindestens 40 Prozent bis 2030 festlegen. Der Bericht des Weltklimarats zeigt, dass erneuerbare Energien und Energieeffizienz zentrale Bausteine für mehr Klimaschutz sind. Darum brauchen wir auch eigene Ziele für diese beiden Bereiche.“

„Geldstrom muss in Klimaschutztechnologie umgelenkt werden“

Der Word Wildlife Fund For Nature (WWF) verlangt noch mehr: „Der gesamte Geldstrom im Energiebereich muss Richtung Energiesparen und Erneuerbare Energie umgelenkt werden. In den nächsten Jahren ist das die Hauptaufgabe der Energiepolitik, aber auch der Banken, Investmentfonds und Entwicklungsgelder“, fordert Karl Schellmann, Klimareferent des WWF in Österreich. 

Experten warnen daher auch Anleger vor einem Platzen der so genannten „Carbon Bubble“. Darauf weist Robert Hauser hin, Leiter Themen- und Nachhaltigkeitsresearch der Zürcher Kantonalbank: „Eine Studie der britischen Bank HSBC zeigt, dass Investitionen und Unternehmen zwischen 40 und 60 Prozent ihres Wertes verlieren könnten, sollte die internationale Staatengemeinschaft nachhaltige Maßnahmen zur CO2-Reduktion beschließen, und das wird sie früher oder später“, sagt. Er rät Anlegern, sich auf diese Entwicklung einzustellen.
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