Ein starker Umsatzanstieg ist nicht alles. ECOreporter.de warnt vor den Risken des Investments in die Aktie von SolarWorld. Im Bild: Solarzellenproduktion des deutschen Solarkonzerns. / Foto: Unternehmen

01.02.16 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Wieso SolarWorld trotz des heutigen Kurssprungs keine aussichstreiche Solaraktie ist

Mit auf den ersten Blick starken vorläufigen Zahlen hat die SolarWorld AG ihrer Solaraktie neuen Schub gegeben. Diese verteuerte sich heute bis zum Mittag im Xetra bis 12 Uhr um zwölf Prozent auf 9,3 Euro. Auf Jahressicht notiert der Anteilsschein dort aber immer noch um über 28 Prozent im Minus. Ist nun die Trendwende eingeleitet und die Aktie wieder ein aussichstreiches Investment?

Das heute gemeldete Wachstum von SolarWorld kommt nicht überraschend. Schon im Dezember 2015 hatte der Konzern angekündigt, die dass seine Jahresziele bei Absatzmenge und Umsatz übertroffen habe (ECOreporter.de  berichtete). Das hat SolarWorld heute mit vorläufigen Zahlen lediglich untermauert. Demnach hat die SolarWorld AG im Gesamtjahr 2015 Solartechnik mit einer Gesamtkapazität von 1.159 Megawatt (MW) abgesetzt. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs um 33 Prozent. Entsprechend stieg auch der Jahresumsatz um ein Drittel auf 763 Millionen Euro. Die Prognose des Vorstandes für das Gesamtjahr 2015 von bis zu 1.000 MW Absatz und 700 Millionen Euro Umsatz hat die SolarWorld AG klar übertroffen.

Zu diesem Wachstum trug wesentlich der Photovoltaikboom in den USA bei, wo SolarWorld vor Ort produziert. In diesem Markt erwirtschaftete SolarWorld laut den vorläufigen Berechnungen die Hälfte des Jahresabsatzes. Dass der Solarkonzern den Absatz im Heimatmarkt Deutschland um mehr als 60 Prozent steigern konnte, fiel aufgrund der vergleichsweise geringen Bestellmenge von deutschen Kunden weniger ins Gewicht. Schon bei der Zwischenbilanz für die ersten neun Monate hatte SolarWorld erklärt, inzwischen rund 80 Prozent der Erlöse im Umsatz zu erwirtschaften.

SolarWorld wirtschaftet noch immer nicht profitabel

Allerdings sind die vorläufigen Zahlen für das Ergebnis des Unternehmens weniger überzeugend ausgefallen. Beim operativen Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) verzeichnete SolarWorld erneut einen Verlust. Zwar schaffte der Konzern im vierten Quartal mit acht Millionen Euro einen EBIT-Gewinn. Im Gesamtjahr fiel dagegen ein EBIT-Verlust von zehn Millionen Euro an. Dabei hatte die Führung von SolarWorld für 2015 ursprünglich ein positives EBIT in Aussicht gestellt und sich erst Ende Oktober von diesem Ziel verabschiedet. Der Konzern hatte bei der Vorlage von Zahlen für die ersten drei Quartale einräumen müssen, dass sich die angekündigten operativen Verbesserungen verzögerten, mit denen der Vorstand die Kostenstruktur wesentlich verbessert wollte. Dieser visiert nun für das Gesamtjahr 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone an. Immerhin: In 2014 war der Fehlbetrag beim EBIT mit 44 Millionen Euro noch viel höher gewesen.

Dennoch gibt es zu denken, dass SolarWorld trotz stark steigender Erlöse und in einem von stark verbesserter Nachfrage für Solartechnik geprägten Weltmarkt noch immer nicht in der Lage war, profitabel zu wirtschaften.

Und trotz des stark verbesserten Absatzes ist der Abstand von SolarWorld zu den großen Wettbewerbern aus China und Nordamerika weiter riesig. Diese produzieren ein Mehrfaches an Solartechnik. Und sie verfügen mit diesen weitaus größeren Produktionskapazitäten auch über große Kostenvorteile gegenüber SolarWorld. Denn je größer die Produktionsmenge ist, desto kostengünstiger können Solarhersteller fertigen. Zum Beispiel weil sie Materialien in größeren Mengen bestellen und dabei höhere Rabatte aushandeln können. Zudem verfügt SolarWorld im Gegensatz zu Großkonkurrenten wie Canadian Solar oder Trina Solar noch immer nicht über ein nennenswertes Projektgeschäft. Diese Konkurrenten setzen für Kunden oder auf eigene Rechung Solarparks um, die sie mit eigenen Modulen ausrüsten. So lasten sie nicht nur ihre Produktion leichter aus, sie erzielen auch zusätzliche Einnahmen und machen sich unabhängier von der Preisentwicklung bei Solarmodulen.

Hemlock-Klage könnte SolarWorld teuer zu stehen kommen

Wir raten weiterhin von dem Investment in die Solaraktie ab. Nicht nur weil SolarWorld die Gewinnprognose verfehlt hat und im Vergleich zu großen Konkurrenten schlecht dasteht. Wir sehen zudem ein wichtiges Investitionrisiko darin, dass die Klage, die der Solarsiliziumhersteller Hemlock gegen SolarWorld angestrengt hat, noch immer nicht vom Tisch ist. Eine Tochter des Bonner Solarkonzerns, die Deutsche Solar GmbH, hatte 2014 die Abnahme von Hemlock-Silizium eingestellt, nachdem es ihr nicht gelungen war, Hemlock zu Nachverhandlungen über den Preis und Abnahmemenge zu bewegen. Hemlock hat deshalb in den Vereinigten Staaten eine Klage mit dem Vorwurf des Vertragsbruchs eingereicht. Der Streitwert liegt schon ohne angelaufene Zinsen bei 676 Millionen US-Dollar. Das sind umgerechnet 622 Millionen Euro. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass Hemlock SolarWorld mit der Klage in die Pleite treiben will, denn dann müsste der Siliziumhesteller seine Forderungen an SolarWorld wohl abschreiben. Aber ist weiter offen, wie hoch der Preis ausfällt, den SolarWorld entrichten muss, um eine Einigung mit Hemlock zu erreichen. In jedem Fall ist die Gefahr groß, dass SolarWorld viel Geld an Hemlock zahlen muss. Eine Nachricht darüber würde den Aktienkurs von SoalrWorld auf Tauchfahrt schicken.  Und es könnte daher noch länger dauern, bis der Solarkonzern wieder die Gewinnzone erreicht. Schon in 2014 hatte er das ja angestrebt und dann doch nicht geschafft.

Wir raten Anlagern davon ab, die Aktie der SolarWorld AG zu kaufen. Wer sie besitzt, sollte den heutigen Kurssprung als Gelegenheit zum Verkauf der Solaraktie nutzen.

SolarWorld AG: ISIN DE000A1YCMM2 / WKN A1YCMM
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