Der Schwerpunkt von Vestas Wind Systems verlagert sich deutlich hin zum Service-Geschäft. Im Bild ein Windrad aus der Produktion des dänischen Konzerns. / Foto: Unternehmen

17.08.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Wind-Aktie: Vestas enttäuscht mit schwachen Zahlen

In den vergangenen Wochen heimste Vestas Wind Systems einen Auftrag nach dem anderen ein. Umso überraschender erscheint nun die schlechte Quartalsbilanz des dänischen Windkraftanlagen-Herstellers. Umsatz und Marge gesunken, Ergebnis zurückgegangen – was spricht noch für die Aktie?

Zweites Quartal: Weniger Umsatz, aber Ergebnis je Aktie steigt

Auf den ersten Blick erscheinen die Zahlen von Vestas' zweitem Quartal 2017 enttäuschend: Der Umsatz fiel um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, auf nun rund 2,21 Milliarden Euro (2016: 2,56 Milliarden). Zur Begründung teilten die Dänen mit, dass weniger Megawatt (MW) an Kunden ausgeliefert wurden: Von April bis Juni waren es 1.834 MW, im zweiten Quartal 2016 lediglich 2.491 MW.

Ein weiterer Grund für den Umsatz-Rückgang war laut dem Unternehmen ein niedrigerer Verkaufspreis je MW Leistung. "Negativ beeinflusst wurden die Preise durch Wechselkurs-Effekte, einen hohen Anteil an chinesischen Aufträgen, fehlende Turnkey-Aufträge (= schlüsselfertige Aufträge) und einen hohen Wettbewerb in allen Märkten", hieß es bei der Präsentation der Zahlen.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von Vestas brach gegenüber dem Vorjahr um 120 Millionen auf 279 Millionen Euro ein. Die EBIT Marge schrumpfte auf 12,6 Prozent nach 15,6 Prozent im Vergleichszeitraum (je höher die Marge, desto profitabler ist das Unternehmen). Grund waren hier höhere Abschreibungen und ein Rückgang beim Bruttoergebnis.

Vestas hatte Ende Juni Verbindlichkeiten in Höhe von 10,19 Milliarden Euro (plus 6 Prozent). Die Eigenkapitalquote blieb mit 30,8 Prozent annähernd stabil. 

Mehr Auftragseingänge und gute Position in vielen Märkten

Auf den zweiten Blick gibt es auch Positives zu berichten: Die Auftragseingänge stiegen, Vestas erhielt im zweiten Quartal Order für Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.667 Megawatt und einem Wert von 2,2 Milliarden Euro (2016: 1.790 MW und 1,6 Milliarden).

Der Auftragsbestand belief sich Ende Juni auf 9,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,2 Milliarden). Deutlich mehr verdient Vestas mittlerweile mit Serviceverträgen für Windparks, diese hatten einen verbuchten Gesamtwert von 11,1 Milliarden Euro.

Vestas-Präsident und Chief Executive Officer (CEO) Anders Runevad sprach bei der Präsentation von einem "soliden Quartal in einem sich wandelnden Markt". Vestas habe seine Marktführerschaft verteidigt und den Auftragseingang erhöht. Die Auftragsbücher seien voller und das Servicegeschäft "stark", so Runevad.

Die Dänen sind nach wie vor in vielen Absatzmärkten gut positioniert. Die größte Nachfrage verzeichnete Vestas aus den USA, Schweden, Argentinien, Deutschland und China: Mehr als 70 Prozent der Aufträge kamen aus diesen Ländern.

Erstes Halbjahr: Service-Geschäft immer wichtiger


Im ersten Halbjahr stagnierte der Umsatz von Vestas nahezu mit 4,09 Milliarden Euro gegenüber 4,02 Milliarden. Das EBIT erhöhte sich im Vergleich zur Vorjahresperiode um 6 Millionen auf 490 Millionen Euro, die EBIT-Marge blieb stabil bei 12 Prozent.

Mit dem Service-Geschäft erzielte Vestas im ersten Halbjahr 9,9 Milliarden Euro Umsatz – das ist bereits fast so viel wie im Gesamtjahr 2016 (10,7 Milliarden).

Ausblick 2017: Keine großen Sprünge gegenüber dem Vorjahr erwartet

An der Prognose für das Gesamtjahr änderte der Vestas-Vorstand nichts: Der Umsatz soll zwischen 9,25 und 10,25 Milliarden Euro liegen. Das ist bestenfalls etwas mehr als in 2016, wo Vestas einen Jahresumsatz von 10,2 Milliarden Euro erzielte. Wachstum erwartet der Windkonzern vor allem im margenstarken Servicegeschäft.

Die EBIT-Marge soll zwischen 12 und 14 Prozent betragen, ein stabiler Wert im Vergleich zum Vorjahr (13,9 Prozent).

Wind-Aktie fällt nach Präsentation der Zahlen, Aktienrückkauf geplant


An der Börse wirkten sich die Quartalszahlen negativ auf den Kurs der Vestas-Aktie aus. Im Handelssystem Xetra brach er um 6 Prozent ein (17. August, 9:32 Uhr). Damit kostete die Aktie noch 78,65 Euro, 27 Prozent mehr als vor einem Jahr.  Zudem legte die Wind-Aktie nach unserer Kaufempfehlung im Dezember 2016 rund 36 Prozent an Wert zu.    

Vestas will demnächst einen Aktien-Rückkauf mit einem Volumen von umgerechnet 600 Millionen Euro starten: Das dürfte den Kurs der Aktie stabilisieren. Geplant ist der Rückkauf im Zeitraum 17. August bis 29. Dezember 2017. Mit der Aktion wollen die Dänen ihre Kapitalstruktur "justieren" und ihren Verpflichtungen aus einem Mitarbeiter-Programm (Bonus-Aktien) nachkommen, hieß es. Das Unternehmen kann bis zu 8,75 Prozent seines Aktienkapitals zurück erwerben.

Fazit: Vestas ist langfristig gut aufgestellt

Die Quartals- und Halbjahreszahlen von Vestas scheinen ernüchternd und der Ausblick für das Gesamtjahr ist durchwachsen. Der Windkonzern erwartet in diesem Jahr nicht deutlich mehr Umsatz als in 2016. Jedoch sind seine Auftragsbücher gut gefüllt im Vergleich zum bereits starken zweiten Quartal 2016. Einige dieser Umsätze wird Vestas erst später verbuchen können.

Für das Unternehmen spricht auch die sinkende Abhängigkeit von der Windrad-Nachfrage. Denn die Dänen setzen verstärkt auf das Service-Geschäft und erzielen dadurch immer mehr Einnahmen mit der Wartung und mit dem Betrieb von Windkraftanlagen. Anders als beim Verkauf von Windrädern, wo leicht Verzögerungen entstehen können, ist das Service-Geschäft "eine sichere Bank".

Zwar ist immer mal wieder mit Kursrückschlägen zu rechnen. Auch weil Vestas viele Aufträge aus den USA erhält. Dort können sich die Marktbedingungen verschlechtern,  wie wir bereits Anfang Mai in einem Aktientipp analysiert haben.  Mit Zuwächsen in Märkten wie Südamerika kann Vestas solche Ausfälle aber kompensieren.

Für langfristig ausgerichtete Anleger (mindestens drei Jahre) ist das Investment in die Wind-Aktie daher immer noch aussichtsreich.

Vestas Wind Systems: ISIN DK0010268606 / WKN 913769
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