Offshore-Windpark von Ørsted: Das dänische Unternehmen ist weltweit der größte Betreiber von Windparks auf hoher See. / Foto: Unternehmen

05.03.20 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Aktien-Favoriten

Windkraft weltweit im Aufwind - welche Aktien lohnen sich?

Das Coronavirus sorgt für Verunsicherung an den Börsen. Auch Aktien aus der Windbranche verzeichneten in den letzten beiden Wochen Kursverluste. Momentan deutet sich eine Erholung an. Welche Windaktien sind aussichtsreich, welche riskant?

Viele Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten aufgrund der Corona-Epidemie mit Umsatzrückgängen. Auch die Windkraftbranche könnte betroffen sein. Langfristig sollte das Coronavirus den weltweiten Ausbau der Windkraft aber nicht lahmlegen.

Das Analysehaus Wood Mackenzie ist sehr optimistisch, was die Entwicklung der Windkraft auf hoher See angeht. Bis 2025 sollen laut einer aktuellen Studie des Unternehmens weltweit insgesamt fast 190 Milliarden Euro in die Errichtung neuer Offshore-Windparks fließen. Vor allem sinkende Preise für Windkraftanlagen auf hoher See werden Investoren anziehen, prophezeit das Analysehaus. Das Volumen der installierten Offshore-Windkraft soll laut Wood Mackenzie bis zum Jahr 2028 auf 160 Gigawatt (GW) ansteigen. Zum Vergleich: Ende 2019 waren etwa 22 GW an Offshore-Windkraftkapazität installiert.

Aber auch die Installation von Windrädern an Land (Onshore-Windkraft) soll weltweit weiter an Fahrt gewinnen. Wood Mackenzie prognostiziert bis 2028 Onshore-Installationen von über 550 GW.

Welche Unternehmen können vom weltweiten Ausbau der Windkraft profitieren? Die Windanlagenhersteller wie Vestas, Siemens Gamesa und Nordex haben derzeit niedrigere Gewinnmargen als früher; vor allem Strafzölle und hohe Rohstoffpreise machen ihnen zu schaffen. Dennoch sollten sie langfristig profitieren.

Windparkprojektierer und Windparkbetreiber profitieren ebenfalls: Durch den weltweit zunehmenden Ausbau der Windkraft und die sinkenden Kosten für Windparks ist dieses Segment der Branche auch an der Börse im Aufwind.

Windanlagenbauer

Vestas ist immer noch – mit 16 Prozent Marktanteil in 2019 - der größte Hersteller von Windkraftanlagen. Die Zahlen, die Vestas Anfang Februar für 2019 veröffentlichte, fielen sehr gut aus. Vestas erzielte 2019 einen Umsatz von umgerechnet 12,1 Milliarden Euro. Ein Zuwachs von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Nettogewinn lag bei 700 Millionen Euro, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber 2018. Allein die EBIT-Marge ging im vergangenen Geschäftsjahr leicht auf 8,3 Prozent leicht (2018: 9,1 Prozent).

Das Management erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz in einer Spanne von 14 bis 15 Milliarden Euro. Die EBIT-Marge soll sich zwischen 7 und 9 Prozent bewegen.

Die Vestas-Aktie notiert aktuell bei 92,44 Euro (4.3.2020, 18:00 Uhr). Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie 25,7 Prozent im Plus. Auf Sicht von fünf Jahren beträgt der Wertzuwachs über 150 Prozent.

Für ECOreporter ist die Vestas-Aktie ein solides Langfristinvestment. Allerdings ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2019 von über 25 nicht günstig bewertet. Analysten erwarten bei Vestas wie bei den Branchenkollegen in diesem Geschäftsjahr sinkende Margen. Zudem sollen 2021 und 2022 die Umsätze gegenüber 2020 zurückgehen.

Investierte Anleger bleiben dabei. Neueinsteiger sollten die Aktie aufgrund der aktuell hohen Bewertung beobachten.

Vestas ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmensporträt finden Sie hier.

Siemens Gamesa schlittert in Verlustzone

Siemens Gamesa hat im letzten Quartal 2019 rote Zahlen geschrieben. Das Management des deutsch-spanischen Windkraftkonzerns senkte wegen Projektverzögerungen und des anhaltenden Preisdrucks auf dem Windanlagenmarkt bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2019/20 (Oktober 2019 bis September 2020): Siemens Gamesa rechnet nur noch mit einer operativen Gewinnmarge (EBIT-Marge) von 4,5 bis 6 Prozent. Zuvor war der Konzern von 5,5 bis 7 Prozent ausgegangen.

Allerdings ist der Auftragsbestand von Siemens Gamesa mit 28,1 Milliarden Euro hoch (Stand: 31.12.2019), und der Konzern hat bereits Sparmaßnahmen auf den Weg gebracht.

Aktuell notiert die Siemens Gamesa-Aktie an der Frankfurter Börse bei 15,20 Euro. Sie ist auf Sicht von einem Jahr 12,6 Prozent im Plus.

Branchenexperten rechnen bei Siemens Gamesa nur mit leichten Umsatzsteigerungen in den kommenden Geschäftsjahren.

Die Siemens Gamesa-Aktie ist derzeit hoch bewertet (KGV für 2019/20: über 24). Deshalb rät ECOreporter Neueinsteigern, die Aktie zu beobachten. Bereits investierte Anleger sollten ihre Anteile halten.

Nordex: Auftragsbücher gut gefüllt – 2020 soll die Gewinnzone erreicht werden

Nordex hat seit Jahresbeginn zahlreiche neue Aufträge gemeldet – unter anderem aus der Türkei, Chile und Brasilien. Das Hamburger Unternehmen wird unabhängiger vom deutschen Heimatmarkt. Zwar hat Nordex mit 4,45 GW an verbauter Leistung immer noch die meisten Windturbinen im Heimatland ausgeliefert. Doch die anderen Märkte holen stark auf. In den USA liegt die installierte Kapazität von Nordex bei 4,08 GW, in Frankreich bei 2,24 GW und in der Türkei bei 2,04 GW. 

Weltweit hat Nordex nach eigenen Angaben mittlerweile einen Marktanteil von 9 Prozent und landet damit auf Platz fünf der weltgrößten Windanlagenbauer. In Süd- und Nordamerika habe man sogar nach Vestas und General Electric den drittgrößten Marktanteil mit 13 Prozent, heißt es von Nordex. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 will Nordex am 24. März 2020 vorstellen. Für 2019 erwartet das Unternehmen keinen Gewinn. Im laufenden Geschäftsjahr soll die Gewinnzone erreicht werden.

Die Nordex-Aktie steht aktuell an der Börse Stuttgart bei 11,01 Euro. In den letzten vier Wochen hat die Aktie 7 Prozent an Wert verloren. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt sie 2,74 Prozent im Minus.

Die Nordex-Aktie hat ihre hohen Kursgewinne vom Anfang 2019 wieder abgegeben und nähert sich einem attraktiveren Bewertungsniveau. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel der Aktie liegt bei 13,16 Euro. Ein mögliches Kurspotenzial von fast 20 Prozent. Mehrheitlich stufen Analysten die Aktie derzeit trotzdem als Halteposition ein. Anleger, die bei Nordex neu einsteigen möchten, sollten die Veröffentlichung der Zahlen Ende März abwarten.

ECOreporter favorisiert allerdings als Langfristanlage die Nordex-Konkurrenten Vestas und Siemens Gamesa – beide Unternehmen sind deutlich größer als Nordex. Zudem sind sie im Offshore-Windmarkt aktiv, der starkes Wachstum verspricht.

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