Arbeiten am Nordsee-Windpark-Vorhaben Global Tech I / Foto: Areva

10.02.15 Anleihen / AIF , Wachhund

Windreich: Der Insolvenzverwalter reagiert: Auf wie viel Geld können die Anleger hoffen?

Hinter den Kulissen der insolventen Windreich GmbH brodelt es offenbar gewaltig. Davon zeugt eine interne Stellungnahme des Insolvenzverwalters Holger Blümle. Streitpunkt: Wie viel Geld werden die Anleger durch die Pleite verlieren?
Windreich-Geschäftsführer Willi Balz hat einen Plan: Er will die Kontrolle über die Windreich GmbH zurückgewinnen, um das Unternehmen nach der Pleite in Eigenregie zu sanieren. Den ersten Schritt in diese Richtung machte der Gründer und Firmeneigner Balz, als er sich selbst erneut zum Geschäftsführer berief. Damit Balz sein Ziel erreicht, müsste Insolvenzverwalter Blümle seinen Posten räumen. Gelingen soll der Plan einerseits mit der Hilfe des Anwalts Volker Grub (ECOreporter.de   berichtete). Andererseits kommuniziert Balz in unregelmäßigen Abständen über seine eigene Internetseite in offenen Briefen mit den Anleihegläubigern, um für seine Sicht der Dinge zu werben.

Mit dem jüngsten „Brief an die Anleihezeichner“ provozierte Balz jetzt eine Reaktion von Blümle. Blümle wandte sich in einer Stellungnahme mit deutlichen Worten an die Anleger, die über zwei Anleihen insgesamt 149 Millionen Euro bei Windreich investiert haben. Das interne Papier liegt ECOreporter.de vor. Kern der aktuellen Meinungsverschiedenheiten zwischen Balz und Blümle ist demnach die mögliche Insolvenzquote, also die Frage, wie viel Verlust die Anleihe-Anleger wohl werden hinnehmen müssen. Balz vertritt in seinem Schreiben den Standpunkt, Windreich werde in der Lage sein, den Anlegern 100 Prozent ihres Kapitals zurückerstatten. Das Kerngeschäft der Windreich GmbH ist die Planung und Realisierung von Windparks, vorzugsweise zur See – also offshore. Dabei geht es um Bauvorhaben, die mitunter beinahe ein Jahrzehnt bis zur Inbetriebnahme brauchen und zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro kosten können. Die Windreich GmbH arbeitete stets an mehreren solcher Großprojekte. Balz Rechnung zur möglichen Insolvenzquote stützt er auf Annahmen zum Wert einzelner Projekte. Darüber hinaus führt er Verhandlungen mit potenziellen Großinvestoren ins Feld.
Der Insolvenz Verwalter Blümle machte bislang öffentlich nie einen Hehl daraus, dass er die Rechnungen und Annahmen von Willi Balz nicht teilt (ECOreporter.de  berichtete). In der aktuellen, internen Stellungnahme geht Blümle noch weiter. Balz hatte in seine Internet-Korrespondenz an die Anleihezeichner und auch über Pressemitteilungen mehrfach über einen Insolvenzplan gesprochen, der es möglich mache den Gläubigern 100 Prozent ihrer Windreich-Investition zurückzuerstatten. Grundlage dieses Plans sei der Verkauf der Offshore-Windparkprojekte von Windreich, allen voran des Nordsee-Vorhabens MEG 1 und Global Tech I. Diese Windparks sollen voll ausgebaut jeweils auf 400 Megawatt Leistungskapazität kommen.

Balz zufolge scheint ein Abschluss mit Investoren nah. Einerseits gibt es laut Balz eine Exklusivitätsvereinbarung mit einem Großinvestor, andererseits stehe der Einstieg des Energieriesen EnBW bei einem Eigenkapitalkonsortium im Raum. Beides sei jedoch „entgegen der Behauptung von Willi Balz“ nicht der Fall, entgegnet der Insolvenzverwalter. Bei den Insolvenzplänen, die Balz bisher den Gläubigerausschüssen vorgelegt habe, handele es sich um Modellrechnungen, die eine „sehr optimistische Verwertung der Projekte MEG I und Global Tech I“ vorsähen. Konkrete Finanzierungszusagen oder Angebote, die diese Rechnungen stützen, habe Balz bisher jedoch nicht erbringen können. „Die immer wieder angekündigten Angebote liegen entweder deutlich unter den Erwartungen oder bleiben aus“, schreibt der Insolvenzverwalter in der Stellungnahme.

Balz unterlegt seine Argumentation mit einem Wertevergleich mit anderen Offshore-Windparks, darunter das Dong-Energy-Vorhaben Godewind und das EnBW-Ostseeprojekt Baltic II. Daraus folgert Balz: Der Unternehmenswert von MEG 1 liege bei „gut 500 Millionen Euro“. Hier hält Insolvenzverwalter Blümle entgegen, dass diese Vergleiche hinkten, weil die Windreich-Projekte noch nicht so weit entwickelt seien wie die genannten Windparks. So seien in Balz‘ Vergleich die Finanzierungskosten nicht vollständig abgebildet. „Legt man diesen Wert zugrunde, landet man bei einem deutlich geringeren Projektwert“, so Blümle. Auch bei Gericht habe Balz zwischenzeitlich einen Insolvenzplan eingereicht, der „eine hohe Insolvenzquote“ beinhaltet habe. Dieser sei allerdings schnell wieder zurückgezogen worden.

ECOreporter.de führt die Windreich GmbH in der Wachhundrubrik.
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