ForestFinance betreibt Aufforstungen in Lateinamerika und ist auch in Vietnam aktiv. / Quelle: Unternehmen

06.02.15 Anleihen / AIF

„Wir versprechen keine Renditen, sondern Wald!“ - Interview mit ForestFinance-Chef Harry Assenmacher, Teil 2

Bei ForestFinance können Anleger in Bäume investieren. Doch der jüngste Geschäftsbericht warf Fragen auf: Wieso ist der Wert der ForestFinance-Plantagen gesunken? Bekommen die Anleger so viel Geld wie angekündigt?  Wie berechenbar sind die Einahmen aus den Ernten? Warum belastet die Prokon-Pleite das Geschäft mit Holzinvestments von ForestFinance? Geschäftsführer Harry Assenmacher gibt Antworten auf diese und weitere Fragen. Lesen Sie die Fortsetzung des Interviews, dessen ersten Teil finden Sie  hier.

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ECOreporter.de: Was ist mit den Ausschüttungen?

Harry Assenmacher:  Ja, wir haben die Ausschüttungen wie angekündigt geleistet. ‚Ausschüttungen’ bedeutet, dass wir Ernten haben verkaufen können. Holzernten, CO2-Ernten, Kakaoernten usw. – wir haben diese Werte, die der Wald geschaffen hat, verkaufen können. Und: Ja, bisher lagen alle unsere finanziellen Ernteergebnisse im Rahmen unserer Prognosen - sprich ziemlich genau auf der mittleren Linie der von uns seit über zehn Jahren prognostizierten geldlichen Renditerange von Null bis zehn Prozent.
Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Bei GreenAcacia haben wir zwischen 5,7 und 6,2 Prozent Rendite ausgeschüttet – eine mittlere Rendite von ca. 6 Prozent in Geld hatten wir prognostiziert. Für Kakao kann ich jetzt schon sagen (und zwar weil die Ernte verkauft ist!), dass wir die durchschnittliche Renditeprognose für 2014 auch einhalten werden können. Die Abrechnung und Aufteilung läuft gerade.

ECOreporter.de: Und in Zukunft?

Harry Assenmacher:  Die Frage, ob wir „Renditeversprechen“ (die wir gar nicht machen!) „künftig halten“ können ist – mit Verlaub doch wohl recht weltfremd. Wer bitte kann angesichts der Welt(finanz)lage die Zukunft voraussagen? Allerdings: Ich kann Ihnen versprechen, dass wir auch künftig Ernten einfahren werden und mit hoher Sicherheit werden sich diese Ernten verkaufen lassen. Mit welchem Ergebnis? Das hängt von Menge, Qualität und Preisen ab – ganz realen Werten. Wir glauben, dass dieser Prozess für einen normalen Menschen auch recht verständlich und einfach ist. Übrigens auch die Risiken dieses land- und forstwirtschaftlichen Vorgangs zu erkennen und einzuschätzen. Die wir ja nicht verheimlichen.

ECOreporter.de: Können Sie das in Zahlen ausdrücken?

Harry Assenmacher:  Bis einschließlich 2014 hat das Unternehmen seinen Investoren mehr als 2 Millionen Euro ausgeschüttet (und im 1. Quartal 2015 kommt eine weitere Ertragsausschüttung von über 1 Million Euro hinzu). Sowohl beim Verkauf von Durchforstungsholz als auch beim Handel mit CO2-Zertifikaten und dem Verkauf von Kakao wurden entweder die erwarteten Erntemengen generiert, die gewünschte Qualität erreicht, oder die Preise waren gut. Hierbei hat ForestFinance für seine Kunden bisher immer monetäre Erträge im Rahmen der Prognosen erzielt. Dabei hatten wir durchaus auch eine Mischung aus Können und Glück! Wie nicht anders zu erwarten bei forst-/landwirtschaftlichen Erträgen/Ernten gab es sowohl positive als auch negative Einflüsse und damit Ergebnisse, die sich jedoch gegenseitig aufgehoben haben und per Saldo bisher immer zu einem wie prognostizierten Ertrag geführt haben. Beispiel: Wir haben jetzt in der aktuellen Kakaoernte 2014 weniger geerntet als wir vor fünf Jahren erwartet hatten. Aber: Wir haben deutlich bessere Qualität erzeugt und (dadurch) am Markt einen deutlich besseren Preis erzielt als prognostiziert. Im Ergebnis liegen wir damit monetär genau im Plan – aber wie man sieht, unterscheidet sich so ein Ergebnis deutlich von sogenannten Finanzprodukten. Hier wird nicht Geld aus Geld erzeugt. Und natürlich kann Land-/Forstwirtschaft als natürlicher Prozess auch negativ ausgehen! Was wir - glaube ich - auch seit über 10 Jahren deutlich sagen. Die Mischung machte es bisher.

ECOreporter.de: Auf Seite 4 des Geschäftsberichts heißt es: „Spätestens im Jahr 2013 zeichnete sich durch die Probleme der Prokon-Gruppe, die dann in der Insolvenz mündeten, eine weit verbreitete kritische Haltung gegenüber vielen, wenn nicht allen, ökologischen Anlageformen ab. Dies wurde durch eine zunehmend kritische Berichterstattung in der Presse vehement verstärkt.“ Wie ist das zu verstehen? Die Probleme bei Prokon wurden doch erst ab Ende 2013 zu einem Thema der breiten Öffentlichkeit?

Harry Assenmacher:  Nun, meines Wissens hat nicht nur ECOreporter, sondern auch z. B. Finanztest bereits seit Jahren Skepsis gegen über Prokon geäußert. Die Probleme bei Prokon waren also bereits lange vor Ende 2013 Gegenstand der medialen Berichterstattung, und so entwickelte sich bereits ab Mitte 2013 eine grundsätzliche Skepsis, die wir auch in der Kundenbetreuung gespürt haben. Zu Jahresbeginn 2014 kam dann die erwartete Insolvenz von Prokon und mit ihr eine lang anhaltende Debatte über Investitionen im Grauen Kapitalmarkt, die sogar einen Gesetzentwurf für die Behandlung dieses Marktes nach sich zog. In diesem Zuge schlug das mediale Wohlwollen gegenüber allen nachhaltigen Investments deutlich um. Es war inzwischen chic, gegen nachhaltige Investments zu sein. Die Fragen – auch an uns – haben sich seither gewandelt, die Skepsis wurde deutlich höher. Außerdem leiden wir natürlich auch unter der (an sich) wünschenswerten Marktbereinigung von wenig soliden Mitbewerbern. Mit denen landen wir leider immer wieder in einem Topf. Dagegen können wir nur mit ruhiger und stabiler Arbeit angehen. Und auf unsere gute Arbeit vertrauen.
Auch in den Abschlüssen ist das deutlich spürbar. Wir erwarten für das Jahr 2014 einen Rückgang des vermittelten Volumens bei Walddirektinvestments um fast 30 Prozent auf ca. 7 Millionen Euro. Offen gestanden ist das ein besseres Ergebnis als wir Stand Frühjahr 2014 aufgrund der Rahmenbedingungen erwartet hatten. Aber, egal wie das Ergebnis für ForestFinance am Ende aussieht: Das tangiert die Wertschöpfung für unsere Kunden überhaupt nicht.

ECOreporter.de: Das Kerngeschäft betreibt die Forest Finance Panama S.A., so steht es im Geschäftsbericht und im Impressum Ihrer Webseite. Trifft es zu, dass die ForestFinance Service GmbH in Bonn lediglich für den Vertrieb der Geldanlagen zuständig ist?

Harry Assenmacher:  Das steht nicht nur so im Impressum und im Geschäftsbericht, das steht auch so in den Kundenverträgen für die Kunden deutlich sichtbar, und das ist auch so als Konstruktion gewollt. Die panamaische Gesellschaft, die Eigentümerin der Landflächen ist, ist eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Forest Finance Service GmbH. Unsere Kunden schließen die Verträge mit der panamaischen Gesellschaft ab, es gilt aber deutsches (Verbraucher-)Recht und Gerichtsstandort Deutschland. Die Konstruktion ist aus (steuer-)rechtlichen Gründen gewählt, weil es sonst (für die Kunden!) sehr viel teurer werden würde.

Bildhinweis: Harry Assenmacher ist Gründer und Geschäftsführer der ForestFinance Service GmbH. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Worin unterscheidet sich Ihr Geschäftsmodell von dem der insolventen Green Planet AG. Deren Insolvenzverwalter Miguel Grosser vertritt die Ansicht, der in Deutschland ansässige Vertrieb sei nicht Eigentümer der Plantagen – in diesem Fall in Costa Rica. Deshalb könne das Unternehmen auch keine Beteiligungen an diesem „fremden“ Eigentum verkaufen. Gibt es da nicht Parallelen zu ForestFinance?  

Harry Assenmacher:  Wir kennen das Geschäftsmodell der Green Planet AG nicht – so wenig wie das Geschäftsmodell von vielen „MeToo“-Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren nach unserem ‚Modell’ entstanden sind. Um auf die Unterschiede einzugehen: Mir ist kein Unternehmen in unserer Branche bekannt, dass vollständig testierte Jahresbilanzen vorlegt und/oder ähnlich transparent wie wir arbeitet. Selbstverständlich kann die deutsche „Forest Finance Service GmbH“ keine Grundstücke verkaufen oder verpachten, die ihr nicht gehören. Sie vermittelt dies, und die Grundeigentümerin oder Verpächterin verkauft und verpachtet – nämlich die 100prozentige Tochtergesellschaft. Und führt übrigens auch den Forstdienstleistungsauftrag durch. Um das auch wirtschaftlich transparent zu gestalten, veröffentlichen wir ja gerade eine konsolidierte Bilanz aller Gesellschaften, damit die Mittelverwendung über alle Länder hinweg nachvollzogen werden kann und nicht nur in Deutschland.

ECOreporter.de:  Der Ertrag für die Investoren hängt ja von den Preisen für das geerntete Holz ab. Qualitätsholz erzielt die besten Einnahmen, wenn die Bäume über viele Jahrzehnte wachsen konnten, ehe sie gefällt wurden. Sie aber kalkulieren mit Holzernten nach weniger als 30 Jahren. Sind da die Renditeziele realistisch?

Harry Assenmacher:  Preise für Holz (auch in den Tropen) werden ermittelt aus Qualität und Quantität. Nicht nach Alter! Auch wenn dieses natürlich tendenziell ein Indikator ist. Weiterhin ist der Preis sehr stark regional, ja sogar lokal bestimmt (Stichwort Logistikkosten). Es gibt nicht „den“ Holzpreis. Vermutlich würden wir für einige Holzarten in der Tat nach 30 Jahren Wachstum höhere Preise erzielen. Aber, auch ein 30 oder 40 Jahre alter Teakbaum (oder auch einer anderen Art) auf schlechtem Boden und bei schlechter forstlicher Pflege kann deutlich weniger Ertrag bringen, als ein gut gewachsener auf gutem Boden nach 20 Jahren. So einfach, wie Finanzmathematiker sich das so vorstellen, hoch- und runterkalkulieren, ist eben Land-/Forstwirtschaft nicht.

ECOreporter.de: Wie kalkulieren Sie?

Harry Assenmacher:  Wir kommunizieren in unseren Angeboten den mittleren normalen Verlauf. Der kann besser oder auch schlechter ausfallen! Der aktuellen Prognose für unsere Produkte in Panama liegen drei Ernten zugrunde, die zu unterschiedlichen Zeiträumen durchgeführt werden. Nach 10 bis 13 Jahren erfolgt eine Durchforstung. Diese noch geringen Durchmesser wurden in der Vergangenheit bereits an internationale Holzaufkäufer veräußert. Wir haben hier also ganz reale Erfahrungen und nicht nur theoretisches „Buch“-Wissen.
Eine weitere Durchforstungsernte steht nach 15 - 19 Jahren an. Die Schlussernte erfolgt dann nach 22 - 25 Jahren, bei der der Großteil der Erträge generiert werden soll. Für diese Bäume können in 25 Jahren (!) bei einer angenommenen Preissteigerung von 3 Prozent pro Jahr Festmeterpreise von rund 800 Dollar erzielt werden. In unserem Prospekt für WoodStockInvest weisen wir unsere erwarteten Erlöse für verschiedene Szenarien aus – die wie gesagt besser oder schlechter ausfallen können! Je nachdem wie die o. g. Parameter ausfallen.
Selbstverständlich unterscheiden sich die Produkte in Ihrem Verlauf erheblich. Bei CacaoInvest beispielsweise werden ab dem Jahr 5jährlich Erträge aus dem Verkauf von Kakao erzielt, da spielt Holz am Anfang gar keine Rolle, der Kakao-Rohstoffpreis hat sich aber gut entwickelt. Das kann so bleiben, weitergehen – muss aber nicht.
Bei GreenAcacia, das wir in Kolumbien anbieten, können wir aufgrund des schnellen Wachstums sogar eine Laufzeit von 12 Jahren anbieten. Aber auch hier hängt der monetäre Ertrag nicht nur von der Menge und Qualität ab (wo wir schon ziemlich sicher aus den bisherigen Wachstumsraten wissen, dass wir dies erreichen werden), sondern von Biomasse- und Holzpreisen am Markt. Von denen wir (und auch sonst niemand) derzeit nicht wissen, wie die in 8 oder 12 Jahren aussehen werden.

Bildhinweis: Holzlager von ForestFinance. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Was wurde in den beiden letzten Jahren durch Holzverkauf der bewirtschafteten Pflanzungen eingenommen?

Harry Assenmacher:  Das können Sie und Kunden (die übrigens immer eine individuelle Abrechnung erhalten) ziemlich genau an den Ausschüttungen sehen. Denn wir generieren ja kein Geld aus Geld, sondern aus Verkäufen von Holz, Kakao und CO2. Wir haben ca. 400.000 Euro aus dem CO2-Zertifikate-Verkauf an Kunden ausgeschüttet. Ca. 1,7 Millionen Euro aus Holzerlösen. Im ersten Quartal dieses Jahres werden ca. 1 Million Euro aus Holzerlösen und ein sechsstelliger Betrag aus Kakaoverkauf ausgezahlt werden können.
Dabei muss man beachten, dass zwischen Ernte (die sich über Monate hinziehen kann), Verkauf und Geldeingang oftmals wiederum Monate liegen (auch über den Jahreswechsel hinaus). So wird z. B. im Kakaohandel üblicherweise ein Drittel des Kaufpreises bei Vertragsab-schluss gezahlt, dein Drittel bei Auflieferung der Ware auf dem Schiff (meist auf ein Anderkonto) und ein Drittel erst, wenn der Empfänger den Kakao in Empfang genommen und als unbeschädigt akzeptiert hat.
Das alles ist komplexer als „Zinsen“ am Jahresanfang zu vereinnahmen und zu verteilen. Wir geben uns weiterhin Mühe, hier aufklärerisch tätig zu sein und laden ja auch immer wieder zur Besichtigung in Kombination mit Erläuterung ein, denn wir empfehlen wie bei allen Investments, dass der Investor genau wissen sollte, was er tut und was mit seinem Geld gemacht wird – oder geschaffen wird wie bei uns.

ECOreporter.de: Herr Assenmacher, wir danken Ihnen für die Antworten.
Hier (Link entfernt)  gelangen Sie zu einem Kurzportrait von ForestFinance.
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