Transport von Rotoren für Senvion-Anlagen für einen RWE-Windpark vor der deutschen Küste: Die Bundesregierung begrenzt den Ausbau von Offshore-Windenergie, weil sie zu hohe Kosten befürchtet. / Foto: Unternehmen

02.08.17 Erneuerbare Energie

Wird die deutsche Offshore-Windkraft ausgebremst?

Im ersten Halbjahr sind deutsche Offshore-Windparks mit zusammen 626 Megawatt (MW) neu ans Netz gekommen. Das ist fast die Hälfte der Windkraftleistung, die in den ersten sechs Monaten insgesamt in europäischen Gewässern in Betrieb genommen wurde. Die Windkraftbranche warnt jedoch, dass die Politik die Windstromproduktion auf See demnächst ausbremsen dürfte.


Der Bundesverband WindEnergie (BWE) hat gemeinsam mit Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie (AGOW), Stiftung Offshore-Windenergie, VDMA Power Systems und WAB e.V. über den Ausbau der deutschen Offshore-Windkraft im ersten Halbjahr 2017 berichtet. Demnach gingen von Januar bis Juni in deutschen Gewässern 108 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 626 MW neu ans Netz. Zum Vergleich: Der europäische Windkraftverband ermittelte für die EU im ersten Halbjahr einen Ausbau der Offshore-Windkraft um rund 1.300 MW.

Laut den Windkraft-Organisationen waren zur Jahresmitte 2017 insgesamt 1.055 Offshore-Windräder mit einer Leistung von 4.749 MW am Netz. Ein weiterer Vergleich: Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der BWE im Bereich Windenergie an Land einen deutschen Zubau von insgesamt rund 5.000 MW (wir haben darüber und über den Ausbau der deutschen Windkraft an Land im ersten Halbjahr 2017 berichtet). Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 auf See eine deutsche Windkraftleistung von 6.500 MW zu erreichen.

Ausbau-Beschränkung in der Kritik

Die Windkraft-Organisationen kritisierten bei der Vorlage der Ausbauzahlen erneut die Entscheidung der Großen Koalition, den Zubau von Offshore-Windenergie bis zum Jahr 2030 auf 15.000 MW zu begrenzen. Vor dieser Entscheidung aus 2014 waren für 2030 25.000 MW anvisiert worden. Aber die Große Koalition befürchtet zu hohe Kosten für die Vergütung von Strom aus Windparks auf See.

Diese Befürchtungen halten die Windkraft-Organisationen angesichts der Ergebnisse der ersten deutschen Wind-Auktion für Offshore-Windparks für unbegründet. "Mit 0,44 Cent je Kilowattstunde liegt der durchschnittliche gewichtete Zuschlagswert weit unterhalb der Erwartungen", hatte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, damals das Ausschreibungsergebnis kommentiert. (Näheres dazu erfahren Sie im ECOreporter-Bericht vom April 2017 über das Ergebnis der ersten Offshore-Windpark-Ausschreibung).

"Die Ausschreibungsergebnisse in Deutschland unterstreichen nachdrücklich die Innovationskraft und Kostensenkungspotenziale der Offshore-Windindustrie", stellen die Windkraft-Organisationen dazu fest. Sie verweisen auf "die energiewirtschaftlichen und industriepolitischen Potentiale der Windenergie auf See" und schlagen eine Anhebung der Ausbauziele auf mindestens 20 GW bis 2030 vor.

Sie warnen, dass die derzeitigen Ausbauziele der Bundesregierung in den 2020er Jahren auf einen jährlichen Zubau von lediglich 500 bis 840 MW Offshore-Windkraftleistung hinauslaufen. Das aber sei viel zu wenig, um die Technologieführerschaft der Offshore-Windindustrie in Deutschland halten und weitere Kostensenkungen erreichen zu können.
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