11.07.12 Erneuerbare Energie

Das Märchen vom Strompreisanstieg durch Erneuerbare Energien

Die großen Stromkonzerne, viele Politiker und auch manche Journalisten behaupten es immer wieder: „Der Ausbau der deutschen Grünstromkapazitäten ist teuer." Für das Klima möge es ja gut sein, dass in Deutschland immer mehr Strom mit Erneuerbaren Energien erzeugt wird. Aber dieser starke Ausbau führe zu steigenden Strompreisen und drohe, sie weiter nach oben zu treiben.“ Wenn auch oft behauptet ist das schlichtweg falsch. ECOreporter.de stellt dem die Fakten entgegen.

In Deutschland bezahlt ein Privathaushalt, je nach Stromversorger, 20 bis 28 Cent pro Kilowattstunde. Wie dieser Preis sich zusammensetzt, haben wir für Sie in einer Grafik anschaulich zusammengefasst. Per Initiates file downloadMausklick (Link entfernt)gelangen Sie zu der Darstellung. In der Grafik sind wir von 25,23 Cent ausgegangen und lehnen uns damit an die Berechnungen des Bundesumweltministeriums an.

In der Grafik ganz oben angeführt finden Sie die EEG-Umlage. Erhoben wird die EEG-Umlage von den großen Übertragungsnetzbetreibern. Sie geben ja den Strom weiter, den die Kraftwerke produzieren. Den Strom bezahlen sie denjenigen, die ihn liefern. Da Erneuerbare-Energie-Strom derzeit teilweise noch etwas teurer ist als der Durchschnitt des anderen Stroms, haben die Übertragungsnetzbetreiber hierfür höhere Kosten als für anderen Strom. Das regelt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Diese Kosten tragen die Übertragungsnetzbetreiber aber nicht, sie legen sie um - auf die Energieversorger. Und die geben die Kosten weiter an die Stromverbraucher. 2012 betragen die durchschnittlichen, errechneten Mehrkosten für Erneuerbare-Energie-Strom 3,59 Cent pro Kilowattstunde Strom. Soll heißen: 3,59 Cent von jeder Kilowattstunde zahlen wir heute dafür, dass wir ein Fünftel Strom aus Erneuerbarer Energie haben.

Das ist gerade einmal doppelt so viel, wie die Konzessionsabgabe (1,79 Cent). Die umfasst Entgelte, die Energieversorgungsunternehmen an Städte oder Gemeinden für die Nutzung öffentlicher Wege zur Versorgung von Letztverbrauchern bezahlen. Und dann ist da noch die Stromsteuer: immerhin 2,05 Cent. Sie wird auch „Ökosteuer“ genannt, vom Staat seit 1999 erhoben und über die Stromrechnung eingezogen.

Hinzu kommt die Mehrwertsteuer; für die sind 4,03 Cent zu berappen. Also: Steuern und Konzessionen kommen auf fast 6 Cent, die EEG-Umlage auf 3,59. Wer als Politiker behauptet, Strom werde teuer, hätte bei Steuern und Konzessionen einfache Kürzungsmöglichkeiten.

Aber es gibt auch noch die Netznutzungskosten, im Schnitt 6,1 Cent. Das sind die Kosten, die für die Nutzung der Stromnetze anfallen und für den Stromzähler. Und ganz zum Schluss, am den unteren Teil der Säule in der Grafik, da sind die Kosten für die Herstellung des Stroms angeführt. Dort sehen Sie: Den Strom herzustellen kostet nur etwa 7,7 Cent pro Kilowattstunde. Damit schlagen also die Kosten zu Buche, die für den Betrieb von Kraftwerken anfallen, von denen immer mehr mit Erneuerbarer Energie wie Wind, Wasser, Sonne und anderen angetrieben werden.

Jetzt stellen wir einmal eine gewagte Rechnung an: Wenn wir heute, 2012, schon 100 Prozent Strom aus Erneuerbare Energiekraftwerke hätten. Und zwar in dem Verhältnis von Wind, und Solar- und anderen Kraftwerken, wie wir es heute haben. Dann lägen die Kosten für die Energieherstellung im Schnitt etwa bei 12 Cent pro Kilowattstunde. Aber die EEG-Umlage würde entfallen, denn es wäre ja nichts mehr umzulegen. Also 12 Cent für die Stromherstellung - statt 7,7 Cent plus 3,59 Cent für Energieproduktion und EEG-Umlage, in Summe 11,29 Cent. Merken Sie etwas? Selbst mit 100 Prozent Erneuerbarer Energie wäre der Strompreis nur 12 minus 11,29 gleich 0,71 Cent höher als heute. Warum also die Aufregung? Und dabei ist noch nicht einmal eingerechnet, dass der Erneuerbare- Energie-Strom immer billiger werden wird (das haben wir im Beitrag vom 10. Juli erläutert, zu dem Sie per Opens external link in new windowMausklick gelangen).
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