Apple-Shop in Palo Alto, Kalifornien. Aufgrund starker Nachhaltigkeitsmängel in der Zulieferketter ist die Aktie des US-Konzerns für die ACATIS-Fonds tabu. / Quelle: Unternehmen

02.12.13 Fonds / ETF

„Der Kunde setzt mit einem nachhaltigen Investment ein Zeichen“ - Interview mit Rainer Unterstaller, Acatis Fair Value Investment AG

Die Acatis Fair Value Investment AG setzt bei ihren Nachhaltigkeitsfonds auf Ausschlusskriterien. Jüngst hat sie die Aktie von Apple vom Investment ausgeschlossen. Im Interview von ECOreporter.de erläutert Rainer Unterstaller, Geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft aus Basel, unter anderem ihr Anlagekonzept und warum die Apple-Aktie für Ihre Fonds tabu ist.

ECOreporter.de: Welche Angebote finden nachhaltig orientierte Anleger bei der Acatis Fair Value Investment AG?

Rainer Unterstaller:  Wir bieten drei nachhaltige Publikumsfonds in der ACATIS Fair Value-Familie an. Jeder Anleger kann mit unterschiedlichem Risikomaß die Themen Value und Nachhaltigkeit in sein Portfolio investieren. Mit absteigender Risikostufung sind dies: der ACATIS Fair Value Aktien Global, unser globaler nachhaltiger Aktienfonds (als Tranche in Euro und als Tranche in Schweizer Franken);  der vermögensverwaltende Nachhaltigkeitsfonds ACATIS Fair Value Modulor Vermögensverwaltungsfonds und schließlich unser  Rentenfonds, der ACATIS Fair Value Bonds UI.

ECOreporter.de: Was zeichnet Ihre Nachhaltigkeitsfonds aus, was unterscheidet sie von anderen Nachhaltigkeitsfonds?

Unterstaller:  Zum einen der ACATIS Fair Value-Nachhaltigkeitsansatz mit Ausschluss-Kriterien und zusätzlichen Negativ- und Positivpunkten. Diese Hürden unterscheiden uns klar von den Best-in-Class Ansätzen. Sie geben auch den Unternehmen, die noch auf dem Weg zur Nachhaltigkeit sind, die Chance, in unser Investmentuniversum aufgenommen zu werden. Und zum anderen, dass alle nachhaltigen Titel auch den strengen ACATIS Value-Kriterien genügen müssen. Diese Kombination ist am Markt einmalig.

ECOreporter.de: Wo liegen die Gemeinsamkeiten und wo die Unterschiede der drei nachhaltigen Acatis-Fonds?

Unterstaller:  Die Gemeinsamkeit ist der Nachhaltigkeitsansatz, der für alle Unternehmen gleich ist. Die Unterschiede sind in den Assetklassen zu finden. Im Fair Value Aktien Global investieren wir, wie der Name schon sagt, rein in nachhaltige Aktien weltweit. Der Vermögensverwaltungsfonds Fair Value Modulor investiert in breit diversifizierte Anlageklassen. Und last but not least der reine Rentenfonds ACATIS Fair Value Bonds UI.

ECOreporter.de: Welche Anlageschwerpunkt setzt gegenwärtig der Vermögensverwaltungsfonds Fair Value Modulor und warum?

Unterstaller:  Wir haben seit Anfang des Jahres die Aktienquote sukzessive durch Käufe und Kursanstiege von 35 auf nun 53 Prozent erhöht und im Gegenzug die Rentenquote von 47 auf 29 Prozent reduziert. In Zeiten von 1,75 Prozent Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen gibt es fast keine Alternativen zu Aktien. Nehmen Sie nur mal den Durchschnitt des Bloomberg Europa 500 Index, die Dividendenrendite beträgt hier 3,4 Prozent und die Gewinnrendite pro Aktie liegt bei 6,8 Prozent. Unternehmen verdienen stabil, horten Barvermögen, kaufen eigene Aktien zurück und schütten mehr aus. Aktien haben aktuell eine höhere Attraktivität als Staatsanleihen. Bei Positionen der übrigen Anlageklassen haben wir z.B. Waldaktien höher gewichtet, die Income Trusts und Immobilienaktien gleich gelassen. Und die Volatilität beträgt seit Umstellung am 01.05.2012 auf das neue Fair Value-Konzept gerade mal 4,6 Prozent bei einer Performance in diesem Zeitraum von über zwölf Prozent. Die breite Diversifizierung ist ein Schlüssel davon.

ECOreporter.de: Wer bewertet für Sie die Nachhaltigkeit der Emittenten?

Unterstaller:  Unser Partner für das Nachhaltigkeitsresearch ist imug/EIRiS. imug/EIRIS beurteilt die Unternehmen nach den von uns vorgegebenen Nachhaltigkeitskriterien. Diese Kriterien haben wir wiederum durch eine Umfrage bei Kunden und Interessenten erarbeitet. Die Einhaltung wird durch unseren ACATIS-Nachhaltigkeitsbeirat überwacht.

Bildhinweis: Rainer Unterstaller, Geschäftsführender Gesellschafter der Acatis Fair Value Investment AG. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Sie haben kürzlich den Ausschluss der Apple-Aktie bekannt gegeben. Warum machen Sie einen solchen Ausschluss publik?

Unterstaller:  Wir leben Transparenz. Schließlich haben die Investoren das Recht, über Veränderungen jeglicher Art informiert zu werden, z.B. warum ein Titel auf einmal nicht mehr im Portfolio ist. Und gerade für Nachhaltigkeitsfonds ist es wichtig, Entscheidungen zu kommunizieren.  

ECOreporter.de: Warum ist die Apple-Aktie für Ihre Fonds tabu? Können Sie weitere Ausschlusskriterien nennen?

Unterstaller:  Apple kam mit dem Zulieferer Foxconn und dessen miserablen Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen. Darauf wechselte das Unternehmen zum Foxconn-Konkurrenten Pagatron und kam vom Regen in die Traufe. Allein bei Pegatron wurden 86 unterschiedliche Arten von Arbeitsrechtsverletzungen durch China Labor Watch festgehalten, von Kinderarbeit, unzureichenden Löhnen bis zu Misshandlungen. Pegatron selbst ist nach unseren Nachhaltigkeitskriterien ein Ausschluss. Bei Foxconn liegt kein Rating vor. Nach all diesen Schlagzeilen haben wir unseren Nachhaltigkeitsbeirat mit Prof. Schäfer und Dr. Pronk einberufen. Der Beirat sieht ganz klar die Mitverantwortung eines Unternehmens für seine Lieferanten und beschloss daher den Ausschluss von Apple aus dem ACATIS Fair Value-Universum. Wir haben den Titel daraufhin sofort verkauft. Zusätzlich folgte der Nachhaltigkeitsbeirat unserem Vorschlag, ein neues Ausschlusskriterium mit der Bezeichnung „Zwangsarbeit im eigenen Unternehmen oder in der Lieferantenkette“ in den Kriterienkatalog mit aufzunehmen. So haben Unternehmen wie Apple in Zukunft keine Chance mehr in unser Investmentuniversum zu gelangen.
Weitere Ausschlusskriterien mit Nulltoleranz sind z.B. Kinderarbeit, Korruption, Bilanzfälschung, Abtreibung, embryonale Stammzellenforschung, grüne Gentechnik, Streubomben oder Verletzung der Menschenrechte. Dann haben wir noch Ausschlusskriterien, bei denen ein Umsatzanteil von fünf Prozent am Gesamtumsatz toleriert wird. Ist dieser Anteil größer, führt dies zum Ausschluss. Das ist bei Alkoholproduktion, Atomenergie, Glückspiel, Pornographie, Rüstung und Tabakproduktion hinterlegt.

ECOreporter.de: Warum setzen Sie eine Toleranzschwelle von fünf Prozent? Inwiefern schöpfen Sie die auch aus?

Unterstaller:  Fünf Prozent Toleranzschwelle für diese Branchen sind bei vielen Nachhaltigkeitsfonds üblich, teilweise werden sogar zehn Prozent toleriert. Würde man z.B. den Bereich Rüstung mit Nulltoleranz belegen, so würde Volkwagen aus dem Universum fallen. Nicht weil VW Autos an die Bundeswehr liefert, sondern weil sie über MAN eine Beteiligung an einem Hersteller für U-Bootmotoren haben. Volkswagen hat aber insgesamt ein gutes ACATIS Fair Value-Nachhaltigkeitsrating.

ECOreporter.de: Inwiefern setzen Sie auch auf Positivkriterien? Können Sie Unternehmen nennen, deren Nachhaltigkeit Sie besonders positiv einschätzen?

Unterstaller:  Positivkriterien sind ein wichtiger Bestandteil unseres Nachhaltigkeitsprozesses. Nur wer eine bestimmte Punktzahl bei den Positivkriterien erhält, wird in das ACATIS Fair Value-Universum aufgenommen. So grenzen wir uns erneut von einem Best-in-Class Ansatz ab. Interessante Firmen, für die imug/EIRIS speziell für uns ein Rating erstellt hat und die von unserem Nachhaltigkeitsbeirat dann positiv beurteilt wurden, sind z.B. GT Advanced, Arbonia Forster oder INIT.

ECOreporter.de: Wie häufig wird das Portfolio Ihrer Fonds auf Nachhaltigkeit überprüft - fortwährend, einmal im Quartal, halbjährlich?

Unterstaller:  Wir erhalten zu jedem Quartalsbeginn ein Update von imug/EIRiS zu den Nachhaltigkeitsratings. Dieses fließt dann in unseren Investmentprozess mit ein. Verschlechtert sich ein Rating auf „Ausschluss“, verkaufen wir den Titel, falls er in einem unserer Nachhaltigkeitsportfolien enthalten ist.

ECOreporter.de: In welchem Zeitraum erfolgt solch ein Verkauf? Sofort nach dem Ausschluss oder hat das Fondsmanagement zeitlichen Spielraum, um einen möglichst guten Verkaufspreis abwarten zu können?

Unterstaller:  Bisher haben wir Titel, die auf „Ausschluss“ herabgestuft wurden, immer sofort nach Vorlage des neuen Ratings verkauft und durch einen anderen interessanten Nachhaltigkeitstitel, der unseren Value-Kriterien entspricht, ersetzt. Wir spekulieren nicht mit „ausgemusterten“ Titeln, das ist eine Philosophie unseres Hauses.

ECOreporter.de: Nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Nachhaltigkeit von Anleihen öffentlicher Emittenten?

Unterstaller:  Für die öffentlichen Emittenten gelten die Ratings der jeweiligen Staaten. Hier sind wir ganz pragmatisch. Wir schließen Staaten aus, die Atomwaffen besitzen, die Todesstrafe vollziehen oder deren Anteil an Atomstrom größer als 15 Prozent ist. Aktuell bleiben so 22 Staaten übrig, bei denen wir in Staatsanleihen, staatsnahe Emittenten (z.B. KfW, Deutsche Bahn) oder Gebietskörperschaften (z.B. Katalonien, Stadt Warschau) investieren können.

ECOreporter.de: Warum setzt die ACATIS Fair Value Investment AG auf Nachhaltigkeitsfonds?

Unterstaller:  Nachhaltige Investments erfreuen sich verstärkter Nachfrage. Der Kunde setzt mit einem solchen Investment ein Zeichen. Immer mehr möchten weder Atomkraft im Portfolio haben noch in Unternehmen investieren, die in Zusammenhang mit Kinderarbeit stehen.
Value und Nachhaltigkeit performen langfristig überdurchschnittlich - das haben wir in einer eigenen Studie festgestellt. Weiter sehe ich einen Zusammenhang zwischen einem guten Nachhaltigkeitsrating und einer guten Performance. Hier starten wir gerade eine Untersuchung darüber, welche der 250 Nachhaltigkeitskriterien mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Einfluss auf den Aktienkurs haben.

ECOreporter.de: Welche weitere Entwicklung erwarten Sie für den deutschen Markt nachhaltiger Fonds?

Unterstaller: Die Nachfrage wird weiter steigen und die Volumina entsprechend auch. Immer mehr Investoren interessieren sich für dieses Thema und schichten Teile ihres Vermögens in nachhaltige Anlagen um. Aber es genügt nicht einfach, nur auf Nachhaltigkeitskriterien zu setzen, sondern man muss auch für den Investmentprozess Kompetenz vorweisen.

ECOreporter.de: Herr Unterstaller, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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