07.04.11 Erneuerbare Energie

Greenpeace legt Fahrplan für vorzeitigen Atomausstieg bis 2015 vor

Bis 2015 kann Deutschland aus der Atomkraft aussteigen, ohne dass dadurch negative Folgen für die Sicherheit der Stromversorgung, den Klimaschutz oder die Energiekosten entstehen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Berechnung von Greenpeace. Die unabhängige Umweltschutzorganisation stützt ihre Berechnungen dabei auf aktuelle Kraftwerksplanungen. Demnach können die acht derzeit vom Netz genommenen Atommeiler, also die sieben ältesten AKW sowie die Anlage in Krümmel, abgeschaltet bleiben. Das AKW Neckarwestheim 2 könne ebenfalls noch in diesem Jahr dauerhaft stillgelegt werden. Für die Jahre 2012 bis 2015 veranschlagt Greenpeace das Aus für jeweils zwei weitere Reaktoren. Das sei möglich, weil im bestehenden Kraftwerkspark Überkapazitäten bestehen und außerdem bereits genügend neue Kraftwerke in Bau und Planung sind, darunter fast 20 Erdgaskraftwerke und 10 Windparks auf dem Meer.

Laut der vorgelegten Berechnung müssen bei einem Aus für die 17 deutschen Atomkraftwerke Kraftwerkskapazitäten von 21.000 Megawatt ersetzt werden. Selbst in Zeiten mit extrem hoher Stromnachfrage, in denen aber gerade kaum Strom aus Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung stehe, sei dennoch die Versorgung immer gesichert. Der zu ersetzende Strom soll dabei überwiegend aus Gaskraftwerken, Windstrom- und Solaranlagen stammen, die entweder derzeit geplant oder bereits gebaut werden. Dabei basieren die Greenpeace-Berechnungen auf aktuellen Zahlen zum Neubau von Kraftwerken des Bundesverbandes der Energiewirtschaft.

In diesem und dem kommenden Jahr sollen auch vier Kohlekraftwerke ans Netz gehen, die sich derzeit im Bau befinden. Laut Greenpeace werden aber weit weniger Kohlekraftwerke benötigt, als zurzeit gebaut werden. Ab 2013 und verstärkt ab 2016 sei es vielmehr möglich, durch weitere klimaschonendere Kraftwerke alte Kohlekraftwerke vorzeitig abgeschaltet werden.

„Eine Laufzeitverkürzung von Atomkraftwerken kann den Klimaschutz befördern, wenn dadurch Investitionen in Erneuerbare, in Effizienz und in neue Gaskraftwerke wie Kraft-Wärme-Kopplung ausgelöst werden“, erklärt dazu Andree Böhling, Energie-Experte bei Greenpeace. „Den Ausstieg aus der Atomkraft gibt es kurzfristig nicht zum Nulltarif“, stellt er klar. Die kurzfristige Stilllegung von größeren Kraftwerkskapazitäten könne sich im Strompreis niederschlagen, weil sich am Strommarkt die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke verändere. Diese Effekte seien aber zeitlich begrenzt und kämen beim Verbraucher nur in sehr geringem Umfang an. Schließlich entfalle bislang auf Atomstrom lediglich ein Anteil am gesamten Strommix von 25 Prozent. Und die Erzeugungskosten schlügen sich wiederum mit weniger als 30 Prozent im Endpreis nieder.
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