German Pellets produziert in den USA in zwei großen Pelletwerken. Eine dieser Fabriken folgte dem Holzverarbeiter aus Wismar in die Insolvenz. / Foto: Unternehmen

03.03.16 Anleihen / AIF

Hiobsbotschaft für German Pellets-Anleger aus den USA

Die Insolvenzwelle innerhalb der German-Pellets-Gruppe hat weitere Unternehmen erfasst. Zwei US-Unternehmen aus dem Firmengeflecht des Pellet- und Holzhackschnitzelherstellers aus Wismar stehen unter Gläubigerschutz. Obwohl nur eine dieser beiden Firmen direkt zu German Pellets gehört, ist das für die Anleger der Genussrechte und Anleihen von German Pellets eine sehr schlechte Nachricht.

Die komplizierte Unternehmensstruktur der German Pellets GmbH bricht offenbar mehr und mehr in sich zusammen. Sowohl die German Pellets Louisiana LCC als auch die Louisiana Pellets Inc. sind im vorläufigen Insolvenzverfahren. Das geht aus einem Register des zuständigen Gerichts im US-Bundesstaat Louisiana hervor. Dort sind die Verfahren mit den Fallnummern 1:16-bk-80162 (Louisiana Pellets Inc.) und 1:16-bk-80163 (German Pellets Louisiana LCC) notiert. Demnach stehen beide Unternehmen nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts unter Gläubigerschutz. Beiden steht damit eine Sanierung unter Leitung eines externen Verwalters bevor, der vom Gericht bestellt wird. Eine Liquidation, also die Zerschlagung der Firmen, stünde nach US-Insolvenzrecht im Falle einer Insolvenz nach Chapter 7 bevor. Zuvor schon waren einzelne Teile der German-Pellets-Gruppe in Deutschland der Muttergesellschaft in die Insolvenz gefolgt.

Louisiana Pellet Inc. ist eines von zwei großen US-Pelletwerken, die eine zentrale Rolle in der Unternehmensstrategie der German Pellets GmbH spielten. Grund für die Pleite von Louisiana Pellets Inc. ist der Ausfall mehrerer Anleihetranchen im Gesamtwert von 175 Millionen US-Dollar, die Louisiana Pellets zwischen 2013 und 2014 in den USA auf den Markt gebracht hatte. Dabei ging es um drei Zahlungen im Gegenwert von zusammengenommen 7,2 Millionen Dollar, die im Januar 2016 offen blieben. Letzteres geht aus einer Benachrichtigung an die US-Anleger hervor, die ECOreporter.de vorliegt.  
 
Diese Pleite ist aus zwei Gründen eine Hiobsbotschaft für die Anleger der Genussrechte und Anleihen von German Pellets: Zum einen hat German Pellets dem Treuhänder von Anlegern der Louisiana Pellets Inc. Garantien in Höhe von 29,3 Millionen Euro gegeben. So hat German Pellets es im Geldanlageprospekt zu der Genussrechteemission von November 2015 angegeben. Diese Verpflichtung schmälert die Insolvenzmasse der German Pellets GmbH. Zum anderen hat German Pellets viele Millionen Euro „im Zusammenhang mit der Sicherung der Produktionskapazitäten in den USA“ an die beiden US-Werke ausgeliehen. Das steht ebenfalls im Geldanlageprospekt zur Genussrechtsemission von November 2015. An dieses Geld kann die Insolvenzverwalterin von German Pellets, Bettina Schmudde von der Rechtsanwaltskanzlei White & Case, bis auf weiteres nur schwer herankommen, eben wegen der Insolvenz von Louisiana Pellets Inc. Schmudde ließ heute mitteilen, dass dass die Produktion in Deutschland wieder angefahren werden soll. Das erklärte der Sprecher der Insolvenzverwaltung gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).

Droht noch ein zweiter großer Schlag aus den USA?


Das zweite große Pelletwerk, das German Pellets in den USA nutzte, befindet sich in Texas: die Texas Pellets Inc. Die Konstellation zwischen der German Pellets GmbH und Texas Pellets Inc. ist nahezu identisch mit der Konstellation zwischen German Pellets und Louisiana Pellets Inc. Wie das Werk in Louisiana gehört auch Texas Pellets nicht zur German-Pellets-Gruppe (darauf hat ECOreporter.de bereits  hingewiesen ). Texas Pellets hat ebenfalls in den USA über Anleihen einen dreistelligen Millionen-Dollarbetrag eingeworben. Und auch gegenüber diesen Anlegern haftet German Pellets mit Garantien. Hier sind es laut des Geldanlageprospekts der Genussrechte 2015 29,4 Millionen Dollar. Sollte Texas Pellets ebenfalls Insolvenz anmelden, träfe dies wohl abermals auch die Anleger in Deutschland.

Gründer Peter Leibold erhielt einen Millionenkredit von German Pellets

German Pellets veranlasste nicht nur  in die USA millionenschwere „Ausleihungen“. Beispielsweise gewährte German Pellets dem Ofenhersteller Kago Wärmesysteme GmbH ein Darlehen in Höhe von 27,4 Millionen Euro, das schwer ausfallgefährdet ist, weil Kago noch vor German Pellets selbst in die Insolvenz ging. Eigentümer der Kago Wärmesysteme GmbH ist der German-Pellets-Gründer und ehemalige Geschäftsführer Peter Leibold. Schlagzeilen macht jetzt ein anderer Kredit, den German Pellets dem Unternehmensgründer selbst gewährte. Dabei geht es um 4,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen auf Nachfrage von ECOreporter.de bestätigte. Leibold stand schon unmittelbar vor der Insolvenz schwer in der Kritik von Anlegerschützern. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatte Leibolds Rücktritt gefordert, nachdem German Pellets Pläne zur Verlängerung einer Anleihe publik gemacht hatte, die am 1. April 2016 zur Rückzahlung fällig wäre. Mehr zur Kago-Pleite und der Kritik der SdK lesen Sie  hier . Mehr zur Situation der Anleger im vorläufigen Insolvenzverfahren und darüber was Fachanwälte raten, lesen Sie  hier   und  hier
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