03.02.12

Schnäppchenpreise oder Finger weg? Experten bewerten die Solaraktien von Q-Cells SolarWorld und Trina Solar

Die Q-Cells-Aktie bleibt schwankungsanfällig. Nach dem kurzfristigen Kursfeuerwerk vor zwei Tagen steht die Aktie an der Deutschen Börse heute schon wieder unter Druck. Bis 12:52 Uhr gab die Aktie im Vergleich zum Vortag 7,11 Prozent nach und fiel auf 0,35 Euro. Damit notiert sie 30,4 Prozent unter ihrem Kurs vor vier Wochen und knapp 85 Prozent unter dem von vor einem Jahr.

Der zwischenzeitliche Kurssprung war eine Reaktion darauf, dass die finanziell schwer angeschlagene Q-Cells SE die kurzfristige Einigung mit den Gläubigern von drei Anleihen bekannt gegeben hat, die das Unternehmen vor der Insolvenz bewahren soll. (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete). Holger Fechner, Analyst der Nord LB, zweifelt daran, dass Q-Cells mit dieser Einigung gerettet ist. Er schätzt das Risiko aufgrund der weiterhin schwierigen Marktlage für Solarhersteller mit weiter wachsendem Preis- und Konkurrenzdruck als „unverändert hoch ein“ Deshalb hält der Analyst an seiner Verkaufsempfehlung und am Kursziel 0,25 Euro für die Q-Cells-Aktie fest.

Der angestrebte Kapitalschnitt würde die Anleihen-Gläubiger zu Mehrheitseignern von Q-Cells machen.Fechner weist darauf hin, dass  zur endgültigen Umsetzung dieser Maßnahme noch der Zustimmung der Behörden und aller Aktionäre bedarf. Dies könne langatmiger als gedacht sein, so Fechner. Gerade für die Aktionäre sei der Kapitalschnitt „erwartungsgemäß schmerzvoll“, so der Analyst.

Eine deutsche Solaraktie, die bislang vergleichsweise gut durch die Markturbulenzen gekommen ist, ist die Aktie der SolarWorld AG aus Bonn. Im Vergleich zum Vortag kletterte ihr Kurs im Xetra bis 12:51 Uhr um fünf Prozent auf 4,02 Euro an. Damit ist die SolarWorld-Aktie 14,36 Prozent teuer als noch vor vier Wochen. Auf Jahressicht schlägt allerdings ein Verlust von knapp 50 Prozent zu Buche.

Martin Schwab, Analyst der schweizerischen Bank Sarasin, geht davon aus, dass die Aktie von SolarWorld künftig stärker unter Druck gerät. Er rät den Aktionären, ihre SolarWorld-Anteile zu reduzieren („Reduce“). Die SolarWorld AG versuche der Branchenkrise am Endmarkt durch Nachverhandlungen mit ihren Lieferanten abzufedern.

Vor dem Hintergrund des vor allem durch asiatische Hersteller weiter angeheizten weltweiten Preis- und Konkurrenzkampfes werde auch SolarWorld Probleme dabei haben, seine vollen Lager zu leeren. SolarWorld habe bislang lediglich 20 Millionen Euro aus dem Lagerbestand im Wert von aktuell 540 Millionen Euro abgeschrieben. Angesichts der weiter angespannten Marktlage  seien weitere Abschreibungen für wahrscheinlich. Dem Unternehmen wehe am Weltmarkt ein eisiger Wind entgegen, so Schwab. Ihm zufolge ist der Bonner Konzern trotz seiner internationalen Ausrichtung immer noch zu stark vom europäischen Markt abhängig.

Es sei zudem fraglich, ob es SolarWorld gelingen werde, seine Produktionskosten schnell genug an das Niveau in Asien anzunähern zumal die Qualitätsunterschiede zwischen den westlichen Herstellern wie SolarWorld und den Mitbewerbern aus Asien weiter geschrumpft seien, so der Analyst weiter. „Diejenigen Anbieter, die die Kosten nicht schnell genug senken können und über das nötige finanzielle Polster verfügen, den aktuellen Nachfrageeinbruch am Endmarkt durchzustehen, werden auf der Strecke bleiben“, prophezeit er.

Schwabs Berechnung zufolge hat SolarWorld im Geschäftsjahr 2011 knapp 1,2  Milliarden Euro Umsatz und  124 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) erzielt. Für 2012 geht Schwab von trotz einer Umsatzsteigerung auf 1,25 Milliarden Euro von einem EBIT-Rückgang auf 112 Millionen Euro aus.

Weniger negativ sieht der Sarasin-Analyst die Entwicklungsaussichten für die Aktie des chinesischen Photovoltaik-Konzerns Trina Solar.  Zwar leide auch Trina Solar unter den branchenweiten Überkapazitäten. Im Vergleich zu den westlichen Konkurrenten habe Trina Solar Vorteile bei der Kostenstruktur.  Zudem sei Trina Solar auf den wichtigsten, Europa, Nordamerika und Asien präsent und auf dem Weg dahin, wie SolarWorld, die gesamte Wertschöpfungskette der Photovoltaik vom Rohstoff bis zur kompletten Anlage zu integrieren. Das mache Trina Solar zu einem der weltweit am besten positionierten Solarmodulhersteller, der wie alle unter den trüben Marktaussichten zu leiden habe. Schwab stuft die Trina-Solar-Aktie daher derzeit nicht als Verkaufskandidat ein.

Den gestrigen Handelstag an der Börse in New York beschloss die Trina-Solar-Aktie bei 7,95 Dollar. Damit hat sie in den vergangenen vier Wochen zwar 19 Prozent zugelegt. Auf Jahressicht hingegen fiel der Kurs um satte 71,6 Prozent.

Schwab zufolge  wird Trina Solar das Geschäftsjahr 2011 mit knapp zwei Milliarden Euro Umsatz und 114 Millionen Euro EBIT abgeschlossen haben. Gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Gewinneinbruch um 72 Prozent. In 2012 sollen Umsatz und Gewinn weiter fallen. Bei 1,7 Milliarden Euro Umsatz prognostiziert Schwab 68 Millionen Euro EBIT. „Momentan beurteilen wir den Solarsektor mit großer Skepsis und raten vorerst von einem Kauf ab, bis sich eine klare Bodenbindung bei den Aktienkursen abzeichnet“, erklärt der Experte.
Q-Cells SE: ISIN DE0005558662 / WKN 510840
SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
Trina Solar Ltd: ISIN US89628E1047 / WKN A0LF3P
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