04.03.13

Studie warnt vor Kostenexplosion bei Europas Offshore-Windkraft

Europaweit werden bis 2020 wahrscheinlich fünfmal so viele Offshore-Windräder Strom produzieren als heute. Diese von der EU als verbindliches Ziel definierte Marke ist erreichbar. Scheitern könnte der Plan jedoch an der Finanzierung: An diesen Punkt zu kommen soll 110 Milliarden Euro kosten – zu viel für die Energieversorger, die bislang mehr als drei Viertel der Kosten tragen. So sagt es eine aktuelle Studie Boston Consulting Group (BCG) voraus.

Die größte Herausforderung auf dem Weg, die Offshore-Windkraftleistung in den kommenden sechs Jahren mehr von derzeit 4.900 auf 25.000 Megawatt (MW) mehr als zu verfünffachen, sei die Finanzierung, so die Autoren des Reports „EU 2020 Offshore Wind Targets“. Nur wenn es den großen Energieversorgern gelänge, die Kosten und Risiken im Offshore-Windgeschäft zu senken, sei dies auch tatsächlich möglich.

Dazu stellen die BGC-Analysten folgende Rechnung an: Die Investitionskosten für die in der EU installierten 4,9 GW Offshore-Windkraft lagen bei 16 Milliarden Euro. 77 Prozent der Kosten direkt sollen den Experten zufolge über die Bilanzen der Energieversorger finanziert worden sein 23 Prozent über Fremdfinanzierung von Banken und Eigenkapital von Entwicklern, kleinen Energieversorgern, institutionellen Anlegern und Family-Offices. Vor diesem Hintergrund würden die Energieversorger weitere 85 Milliarden Euro benötigen, um die vorgesehenen Windräder bis 2020 ins Meer stellen zu können. Dieser Betrag übersteige jedoch die Belastbarkeit der Energieversorger bei weitem. Den Versorgern drohen BGC zufolge Kapitalengpässe, noch bevor die Ziele 2020 erreicht werden.

„Energieversorger müssen sich jetzt mit der Finanzierung auseinandersetzen. In fünf bis zehn Jahren, wenn ihre Bilanz bis ans Limit ausgereizt ist, wird es zu spät sein, das Risiko laufender Projekte zu reduzieren, besonders, wenn Projekte schon den Betriebsmodus erreicht haben", erklärt Gunar Hering, Energieexperte bei BCG und Mitautor der Studie. Deshalb seien neue innovative Allianzen und Kooperationen gefragt, die das Risiko-Rendite-Profil der Offshore-Windkraft in Europa verbessern. „Der Einfluss dieser Risiken auf die Renditen von Offshore-Windkraft wird mit zunehmender Erfahrung über die Zeit geringer werden - und ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Profil ermöglichen, das notwendig ist, um Investoren zu gewinnen“, erwartet Holger Rubel, Energieexperte und Partner bei BCG.


Schwer werde das Erreichen der 25.000-Megawatt Marke auch, weil viele institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherungen die Offshore-Windkraft immer noch für eine „unreife Industrie mit hohen Risiken“ hielten. Und die wirtschaftliche Großwetterlage mit der anhaltenden Finanzkrise begrenze zusätzlich die Bereitschaft, für derartig riskante Technologien viel Kapital bereitzustellen.

Die jüngsten Schätzungen der European Wind Association (EWEA), dass die Offshore-Windkraft bis 2020 sogar auf 40.000 MW verachtfacht werden könnte, halten die BGC-Experten eben wegen der Schwierigkeiten bei der Finanzierung dieser Großprojekte für unrealistisch.
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