Die eno energy GmbH steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Die Anleihegläubiger sollen ihr Kapital länger als ursprünglich geplant im Unternehmen belassen. Im Bild: Windrad-Produktion von eno energy. / Foto: Unternehmen

16.02.16 Anleihen / AIF

Tauziehen um Laufzeit der Windanleihe von eno energy

Der Rostocker Windkraftspezialistin eno energy steht vor einer wegweisenden Entscheidung. Belassen die Anleihe-Anleger ihr Geld drei Jahre länger im Unternehmen oder bestehen sie auf die fristgerechte Rückzahlung von 10,3 Millionen Euro im Sommer 2016? Darum wird es bei der Gläubigerversammlung am 25. Februar 2016 gehen. Im Sommer 2015 war eine erste Abstimmung dazu gescheitert. Weshalb der zweite Anlauf unter neuen Vorzeichen steht, warum die Verlängerung für eno energy so wichtig ist, und welchen dritten Weg, das Unternehmen möglicherweise gehen könnte.

21,3 Millionen Euro stellen die Hausbanken der eno energy in Form neuer Kredite für weiteres Wachstum bereit. Zusammen mit umfangreichen neuen Bürgschaften – unter anderem vom Land Mecklenburg-Vorpommern (ECOreporter.de  berichtete) – erscheint das wie ein großer Vertrauensvorschuss für die eno energy GmbH und ihre Pläne: Die anstehende Versammlung steht damit unter anderen Vorzeichen als der - vergebliche - erste Anlauf im Sommer des vergangenen Jahres. Denn im August 2015 galt die Verlängerung der Anleihe als Bedingung für neue Kredite. Inzwischen aber hat die eno energy GmbH bereits Geld von den Banken bekommen. Die neue Finanzspritze erweitert die Kredite nach Unternehmensangaben um knapp 58 Prozent. Deshalb blickt das Unternehmen der nun anstehenden Versammlung in gut neun Tagen optimistisch entgegen: „Wir sind zuversichtlich, dass die eno-Anleiheinvestoren ihre Gesellschaft mit einer Zustimmung zur Verlängerung der Anleihe bei gleichbleibendem Kupon unterstützen“, erklärt eine Unternehmenssprecherin gegenüber ECOreporter.de. Der Kredit, so heißt es in einer umfangreichen Stellungnahme von eno zur bevorstehenden Versammlung, eröffne überdies Möglichkeiten für weitere Kredite von bis zu 20 Millionen Euro. Ein notwendiger Baustein dafür bleibt demnach aber die Zustimmung der Anleger, ihr Geld bis 2019 im Unternehmen zu belassen.

Diesen Schritt will eno energy am Donnerstag, den 25. Februar 2016, machen. Stattfinden soll die Gläubigerversammlung an diesem Tag ab11 Uhr in der Kösterschün, Dünenstraße 4 a, im Ostseebad Rerik, 36 Kilometer entfernt von Rostock. Anders als bei der ersten Abstimmung dazu im August 2015 (mehr lesen Sie  hier) wird diesmal nicht online abgestimmt, sondern auf einer Präsenzveranstaltung. Die Anleger können entweder selbst vor Ort abstimmen oder einen Vertreter dazu bevollmächtigen. Unterlagen dazu stellt die eno energy GmbH auf ihrer Internetseite bereit. Stimmen die Anleger zu, würde die eno-Anleihe (ISIN DE000A1H3V5) von 2011 mit 7,375 Prozent als jährlichem Zinssatz, bei gleichbleibenden Konditionen um drei Jahre bis 2019 verlängert werden. Ein kleiner Bonus soll den Plan für die Anleger noch interessanter machen: Sollte eno energy sich nach einer Verlängerung der Anleihe dazu entschließen, die 10,3 Millionen Euro doch vor 2019 zurückzuzahlen, so soll der Zinssatz um ein Prozent ansteigen. Planmäßig müsste eno die Anleihe Ende Juni 2016 zurückzahlen. Die Unternehmensführung hatte ursprünglich geplant, bis zu 25 Millionen Euro über die Anleihe einzuwerben, es blieb aber bei den 10,3 Millionen Euro.

Bild: Windräder von eno energy. / Foto: Unternehmen


Fristgerechte Rückzahlung im Sommer 2016 problematisch?

Lehnen die Anleger die Verlängerung ab, wäre eno aus zwei Gründen auf das Wohlwollen der Banken angewiesen. Erstens müsste eno mit den Hausbanken erneut verhandeln, um einen Teil der bereits gewährten Kredite zur Rückzahlung der Anleihe Ende Juni 2016 nutzen zu dürfen. Das geht aus dem Statement der eno-Führung hervor. Zweitens: eno energy hat den Banken ein Kündigungsrecht eingeräumt, für den Fall, dass die Anleihe nicht verlängert werden sollte. Wenn es schlecht läuft, könnten die Banken also entweder ein Veto bei der Verwendung der Kredite einlegen, oder das Geld gleich ganz abziehen. Das wäre ein Worst-Case-Szenario mit fatalen möglichen Folgen: Es sei dann nicht auszuschließen, dass eno „eine etwaige Finanzlücke“ nicht werde schließen können und, dass „als Konsequenz die eno-Anleihe nicht termingerecht oder nicht vollständig oder gar nicht zurückgeführt werden“ könne, erklärt eno energy in dem aktuellen Statement zu den Plänen.

Maßgeblicher Investor bringt dritten Weg ins Spiel

Ein großer Anteilseigner der eno energy GmbH ist Murphy&Spitz aus Bonn. Der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland verfügte Ende Dezember 2015 über ein Volumen von 5,92 Millionen Euro. 6,19 Prozent davon entfielen laut dem Fonds-Factsheet des Unternehmens auf die Anleihe von eno energy. Das hauseigene Research von Murphy&Spitz hat kürzlich eine Analyse von eno energy veröffentlicht. Darin attestieren die Analysten eno einerseits gute Aussichten für die Geschäftsentwicklung – vorausgesetzt neue Kredite und Baufinanzierungen werden gewährt. Beides sei nun der Fall und eno energy damit „gut durchfinanziert“, sagt Andrew Murphy, Fondsmanager des Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland und Leiter Vermögensverwaltung bei Murphy&Spitz. Zudem verfüge eno aktuell über eigene Windparks mit 70 Megawatt (MW) Leistungskapazität und Projektrechte für 40 Bauvorhaben. Diese gelte es bis 2017 zu realisieren, um so noch von den Bestimmungen des aktuellen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) profitieren zu können, sagt Andrew Murphy. Zum Hintergrund: Die Bundesregierung will das EEG mit Wirkung zum kommenden Jahr ändern. Viele dann neu ans Netz kommende Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien werden dann wohl nicht mehr die staatlich garantierte feste Einspeisevergütung erhalten. Die Regierung will stattdessen die Preise verstärkte über Ausschreibungen festlegen. Den Zuschlag bekommen dann diejenigen Bieter, die mit den niedrigsten Kosten kalkulieren. Die anderen gehen leer aus.
Foto: Andrew Murphy von Murphy&Spitz. / Foto: Unternehmen

„Um dieses Gold in den Bilanzen heben zu können“, brauche eno die Verlängerung der Anleihe, sagt Andrew Murphy mit Blick auf den Bestand an Projektrechten bei eno energy. Allerdings werde Murphy&Spitz dennoch einen Gegenantrag zur Abstimmung am 25. Februar einbringen, kündigt er an. „Wir schlagen vor, die Anleihe nur bis zum Ende des ersten Quartals 2018 zu verlängern“, sagt er. 2018 sei die Windbranche mit den anstehenden Gesetzesänderungen ohnedies eine andere. Deshalb sei es sinnvoll, dann eventuell über eine neue Anleihe zu sprechen, so Murphy weiter.

Alternativen zur Verlängerung der Anleihe bis 2019, wie eben die Auflage einer neuen Anleihe, schließt das eno-Management selbst bisher weiterhin aus: „Die Kosten einer Neuemission wären in Relation zum Volumen unverhältnismäßig hoch“, heißt es dazu. Zudem spare die Verlängerung den bürokratischen Aufwand mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Anlegerschützer kritisieren Pläne von eno energy

Eigentlich wollte eno energy die anstehende Gläubigerversammlung noch in 2015 durchführen. Die Pläne zur Laufzeitverlängerung waren von Anlegerschützern kritisiert worden. Die Kritiker von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatten gefordert, die Anleihe maximal um sechs Monate zu verlängern, also bis Ende 2017 (mehr lesen Sie  hier).
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