Nina Hodzic / Quelle: NN Investment Partners

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„Unternehmen mit äußerst kontroversen Geschäftspraktiken erzielen geringere Renditen.“ – Interview mit Nina Hodzic, NN Investment Partners

Die ING Investment Management wurde in NN Investment Partners umfirmiert und ist eine Tochtergesellschaft der niederländischen NN Group aus Amsterdam. Das Unternehmen ist bereits seit dem Jahr 2001 mit nachhaltigen Publikumsfonds am deutschen Markt. Hat die Umstellung Auswirkungen auf diese Fonds? Auf welche Nachhaltigkeitsstrategie setzen diese? Wie wirkt sich Nachhaltigkeit auf die Rendite aus? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Nina Hodzic, Nachhaltigkeitsexpertin von NN Investment Partners.

ECOreporter.de: Wie kam es zur Umfirmierung von ING Investment Management in NN Investment Partners und inwiefern wirkt sich das auf Ihre Nachhaltigkeitsfonds aus?


Nina Hodzic:  Bereits 2013 gab die ING Group bekannt, dass sie ihre globalen Investment Management- und Versicherungsaktivitäten in Europa und Japan auf eine unabhängige Zukunft vorbereiten wird. Dies war eine der Auflagen der Europäischen Kommission, nachdem die ING Group 2008 während der Finanzkrise Staatshilfe der niederländischen Regierung in Anspruch genommen hatte. Das Rebranding war der nächste logische Schritt, nachdem unsere Muttergesellschaft, die NN Group, am 2. Juli in Amsterdam an die Euronext Börse gegangen war.
Die NN Marke unserer Muttergesellschaft NN Group spiegelt unsere insgesamt mehr als 170-jährige Geschichte wider und verweist auf unsere niederländischen Wurzeln. Im Jahr 1963 fusionierten De Nederlanden van 1845 und Nationale Levensverzekering-Bank zur Nationale-Nederlanden, daher das NN im unserem neuen Namen.
Auf unsere Nachhaltigkeitsfonds wirkt sich das gar nicht aus, außer dass unsere Fondsnamen nach dem Rebranding in NN (L) Global Sustainable Equity, NN (L) European Sustainable Equity und NN (L) Euro Sustainable Credit (Excluding Financials) umbenannt wurden. Die ISINs sind gleichgeblieben. All das, was Sie von uns gewohnt sind, wird von uns genauso weitergeführt. Lediglich der Markenname hat sich geändert. Unsere Investment Teams, Strategien, Lösungen, Fonds und Dienstleistungen, sowie Ihre Ansprechpartner sind nach wie vor dieselben wie vor der Umfirmierung am 7. April.

ECOreporter.de: Welche Nachhaltigkeitsfonds haben Sie im Angebot? Warum ist NN Investment Partners in diesem Markt aktiv?

Hodzic:  In Deutschland bieten wir die Fonds NN (L) Global Sustainable Equity, NN (L) European Sustainable Equity und NN (L) Euro Sustainable Credit in den Anteilsklassen für Privatanleger (P) und für institutionelle Investoren (I) an. Darüber hinaus betreuen wir in Deutschland ein nachhaltiges langjähriges Mandat für einen institutionellen Kunden, bei dem es sich um einen Kirchenträger handelt.
NN Investment Partners setzt sich seit Langem für verantwortungsvolles Investieren ein. Durch das Management nachhaltiger Fonds werden wir unseren Ansprüchen gerecht, wonach wir:
•    mit den Folgen unserer Geschäftstätigkeit auf Menschen und Umwelt verantwortungsvoll umgehen und positiven gesellschaftlichen Wandel anstoßen wollen;
•    unser Geschäft zukunftsfähig gestalten wollen, indem wir langfristigen Zielen gegenüber kurzfristigen Vorteilen den Vorzug gehen. Es geht darum, die Interessen unserer Stakeholder sorgfältig gegeneinander abzuwägen und Initiativen zu stärken, die das Leben für kommende Generationen verbessern.
Außerdem beobachten wir einen sehr starken gesellschaftlichen Trend hin zu nachhaltigen Investments. Die Zahl unserer Kunden, die in nachhaltige Produkte investieren bzw. sich dafür interessieren, wächst stetig.

ECOreporter.de: Welches Volumen umfassen Ihre Nachhaltigkeitsfonds? Wie groß ist der Anteil des von Privatanlegern investierten Kapitals? Welchen Anteil haben nachhaltige Investments am insgesamt von Ihrem Unternehmen verwalteten Vermögen?

Hodzic:  Das in Nachhaltigkeitsfonds und -mandaten verwaltete Vermögen von NN Investment Partners betrug Ende März 2015 4,4 Milliarden Euro, gleichermaßen über Aktien- und Rentenfonds verteilt. Es lag damit um 29 Prozent über dem Wert zum Jahresultimo 2013. Derzeit beträgt unser global verwaltetes Vermögen 186 Milliarden Euro.
Neben unseren eigens zu diesem Zweck konzipierten nachhaltigen Produkten integrieren wir seit Langem ökologische, soziale und ethische Faktoren (Environment, Social, Governance, kurz ESG) in alle unsere Anlageprozesse. Derzeit berücksichtigen wir diese Faktoren bei der großen Mehrheit der 186 Milliarden Euro schweren Assets, die wir in den Bereichen Aktien und Fixed Income managen.
Diejenigen Unternehmen, die in ihrem Sektor als die nachhaltigsten gelten, werfen deshalb nicht automatisch dauerhaft höhere Renditen ab. Unser Research hat jedoch ergeben, dass Unternehmen mit äußerst kontroversen Geschäftspraktiken – wie etwa im Bereich Umwelt oder Menschenrechte – im Durchschnitt geringere Renditen erzielen und höheren Risiken ausgesetzt sind. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfaktoren (ESG) ist bei der Analyse von Unternehmen insofern von Vorteil, als Chancen und Risiken im gesamten Betrieb des Unternehmens korrekt eingeschätzt werden. Um die Beziehung zwischen nachhaltigem Verhalten und der Entwicklung der Aktienkurse besser nachvollziehen zu können, sind wir eine mehrjährige Kooperation mit ECCE eingegangen, dem European Center for Corporate Engagement an der Universität Maastricht. Zusammen wollen wir die Beziehungen zwischen den ESG-Faktoren in einem Sektor und der Wertentwicklung herausarbeiten.

ECOreporter.de: Seit Jahren weist eine Vielzahl von Studien auf Renditevorteile für nachhaltig ausgerichtete Portfolios hin. Warum sind Nachhaltigkeitsfonds trotzdem noch immer ein Nischenmarkt?

Hodzic:  Zwar machen die Assets in nachhaltigen Fonds immer noch einen geringen Teil des Gesamtmarktes aus, die Zuwachsraten sind jedoch deutlich höher als für die Branche insgesamt. Wir erleben dies auch mit unseren eigenen nachhaltigen Fonds, die seit vier Jahren starke Zuwachsraten verzeichnen. Gerade im institutionellen Segment sehen wir starkes Wachstum. Die Kunden in diesem Segment bemühen sich um eine dauerhafte Balance und entwickeln ein besseres Verständnis dafür, dass der Einbezug von ESG-Faktoren das Risiko-Ertrags-Profil optimieren kann. So müssen beispielsweise Pensionsfonds ihre Anlagepolitik gegenüber ihren Mitgliedern klar kommunizieren. Die Medien hinterfragen Rolle und Verantwortung von Aktionären immer kritischer. Institutionelle Kunden wollen auf keinen Fall auf der falschen Seite stehen, was die Investition in umstrittene Unternehmen betrifft. Durch diesen Trend sind ESG-Faktoren im gesamten Sektor ins Rampenlicht gerückt. Er ist der Grund für die jüngsten Zuwächse.

Morgen veröffentlichen wir die Fortsetzung unseres Interviews mit Nina Hodzic. Im zweiten Teil erläutert sie unter anderem die praktische Umsetzung des Best-in-Class-Ansatzes und die Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Unternehmen.
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