30.10.13 Fonds / ETF

„Unternehmerische Beteiligungen bergen für Anleger immer ein hohes Risiko“ – Thomas Pfister, Verbraucherzentrale NRW

Die Verbraucherzentralen warnen Privatanleger immer wieder vor  konkreten Geldanlagen. Was macht Beteiligungsangebote in den Augen der Verbraucherschützer problematisch? Sind nachhaltige Geldanlagen im Vergleich zu konventionellen Finanzprodukten per se die bessere Wahl? Im Interview spricht Thomas Pfister, Referent für nachhaltige Geldanlagen der Verbraucherzentrale NRW über Risiken, Fallstricke und schwarze Schafe im immer breiteren Angebot „grüner“ Investments.

Die Verbraucherzentrale NRW ist einer der zahlreichen Aussteller der Messe Grünes Geld Köln 16. Oktober im Grürzenich in Köln-Zentrum. Bei freiem Eintritt können sich Neueinsteiger wie Fachleute einen umfassenden Überblick über Neueheiten, Trends und  Angebote am nachhaltigen Finanzmarkt verschaffen. Privatanlegern bietet die Veranstaltung Vorträger darüber, wie Geld jetzt sicher, ethisch und rentabel angelegt werden kann. Abgerundet wird die Messe mit einer Podiumsdiskussion zur Energiewende in NRW, zu der sich Bärbel Höhn, von Bündinis 90 / Die Grünen angekündigt hat. Kleine Besucher ab fünf Jahre erwartet ein Kinderprogramm. Mehr zur Veranstaltung erfahren Sie hier.

ECOreporter.de: Welche Kriterien müssen Investmentangebote erfüllen, damit bei Ihnen die Verbraucherschutz-Alarmglocken anspringen?


Thomas Pfister: Geldanlagen müssen in erster Linie den Anlagezielen und der Risikoneigung eines Anlegers entsprechen. Für den einen Anleger kann ein Produkt sehr gut geeignet sein, während es für den anderen völlig ungeeignet ist. Die Alarmglocken springen aber immer dann an, wenn Anbieter Traumrenditen bei gleichzeitig 100-prozentiger Sicherheit und jederzeitiger Verfügbarkeit versprechen. Eine solche Geldanlage kann es nicht geben.
Beliebt ist derzeit anscheinend das Verkaufsargument, dass Investitionen in Solarparks und Co.  wegen der staatlich garantierten Einspeisevergütung nicht schief gehen können. Dies ist ein Trugschluss, im schlimmsten Fall droht auch hier ein Totalverlust.

Bildnachweis: Thomas Pfister ist 30 Jahre alt. Bei der Verbraucherzentrale NRW e.V. in Düsseldorf ist er Referent für nachhaltige Geldanlagen.


ECOreporter.de: Sind nachhaltige Geldanlagen aus Anlegersicht per se die bessere Wahl, oder ist Nachhaltiges Investment „nur“ eine spezielle Form der Geldanlage?

Pfister:
Zunächst müssen Anleger für sich selbst entscheiden, ob sie  ihr Geld nach bestimmten Nachhaltigkeitskriterien anlegen wollen. Generell gibt es jede Form der Geldanlage auch als nachhaltige Version. Beispielsweise berücksichtigen circa. 300 Investmentfonds in Deutschland mehr oder weniger strenge ethische, ökologische und soziale Kriterien bei ihren Investitionsentscheidungen. Nachhaltige Banken, aber teilweise auch Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken bieten nachhaltige Sparprodukte an. Vorteil hierbei ist der Schutz des Geldes durch die  Einlagensicherung.

ECOreporter.de: Das Angebot an nachhaltigen Geldanlagethemen ist mittlerweile sehr groß. Gibt es Themenbereiche der nachhaltigen Geldanlage, die sie kritischer sehen als andere?

Pfister: Alle Anlageklassen haben problematische Aspekte. So sind Einzelaktien oder geschlossene Beteiligungen an Solar-, Windparks  wegen der Risiken für die allermeisten Kleinanleger nicht geeignet.
Bei Investmentfonds dagegen ist der Begriff der Nachhaltigkeit ein Problempunkt. Einige Fondsanbieter verwenden sehr strenge, andere eher schwammige Definitionen der ethischen, ökologischen und sozialen Kriterien. Hier muss jeder Anleger für sich prüfen, ob sich seine Vorstellungen von Nachhaltigkeit mit denen des Anbieters decken.

ECOreporter.de: Sind Direktbeteiligungen wie geschlossene Fonds, Genossenschaftsanteile oder Anleihen für Privatanleger  generell zu riskant?

Pfister: Unternehmerische Beteiligungen bergen für Anleger immer ein hohes Risiko. Es gibt keine Einlagensicherung wie bei klassischen Zinsprodukten und auch keine breite Streuung, wie etwa bei offenen Investmentfonds. Unternehmerische Beteiligungen sind nur für Anleger geeignet, die  die Risiken auch tragen können.  Keinesfalls sollte man seine Altersvorsorge auf solchen Produkten aufbauen.

ECOreporter.de: Inwiefern gibt es Grundregeln die Privatanleger beherzigen sollten, wenn sie sich dem Thema nachhaltige Geldanlagen nähern?

Pfister: Auch bei nachhaltigen Geldanlagen gelten die allgemeinen Regeln der Geldanlage. Vorab ist zu klären, welches Ziel – etwa Altersvorsorge oder kurzfristiges Sparen – man mit der Anlage verfolgen will. Ebenso muss ermittelt werden, welche Risiken man tragen kann und will. Hierzu zählt es sicherlich auch, dass man Versprechungen und Empfehlungen von Bank- und Anlageberatern nicht blind vertraut.
Speziell bei den nachhaltigen Geldanlagen sollten Anleger sich darüber klar sein, dass es viele verschiedene Definitionen des Begriffs gibt. Es ist nicht alles grün, was glänzt. Nachhaltige Geldanlagen sind nicht per se positiv oder gut: Auch hier lauern schwarze Schafe, falsche  Versprechungen und gar nicht zum Anleger passende Produkte.

Bildnachweis: Die Experten der Verbraucherzentrale in Aktion. / Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de: Eine Energiewende-Geldanlage, vor der die Verbraucherzentrale aktuell warnt, ist die Anleihe von TenneT [hier gelangen Sie zum ECOanlagecheck zu der Beteiligung] zum Stromnetz-Ausbau. Was spricht gegen diese Anleihe?
Pfister: Wir weisen in erster Linie auf die Risiken hin, die Anleger bei dieser Anleihe eingehen. Neben dem bestehenden Totalverlustrisiko ist zu berücksichtigen, dass die Anleihe keine feste Laufzeit hat, die Zinsen nicht festgeschrieben sind und dass es sich hierbei um eine Nachrang-Anleihe handelt. Das heißt, die Anleger sind im Falle einer Insolvenz schlechter gestellt, da sie erst am Ende eines Insolvenzprozesses bedient werden. Im Grunde heißt das wiederum, sie bekommen dann nichts mehr.

ECOreporter.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld präsentieren und mit welcher Erwartung kommen Sie zu der Veranstaltung?
Pfister: Wir sind auf der Messe mit einem eigenen Stand, aber auch mit dem Vortrag „Klimafreundliche Geldanlagen –  Chancen und Risiken“ vertreten und freuen uns auf zahlreiche Kontakte und spannende Diskussionen.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank, für das Gespräch Herr Pfister.
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