10.10.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

10.10.2007: Aktien-News: Worin liegt das Erfolgsgeheimnis der CropEnergies AG? ECOreporter.de sprach mit Tobias Erfurth, Investor Relations Manager bei dem Bioethanolhersteller

Die Mannheimer CropEnergies AG hat am Morgen gute zahlen für die erste Hälfte ihres Geschäftsjahres vorgelegt (nachzulesen im ECOreporter.de-Beitrag vom 10. Oktober). Gleichzeitig meldeten die Konkurrenten des Unternehmens in den letzten Monaten wachsende Probleme bei der Rentabilität der Ethanolproduktion. Sie reagierten mit der Stilllegung von Werken, Kurzarbeit und einem langsameren Ausbau der Kapazitäten. ECOreporter.de sprach mit Tobias Erfurth, Investor Relations Manager bei CropEnergies, das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens.


ECOreporter.de: Herr Erfurth, was macht CropEnergies anders als andere Ethanolhersteller, die derzeit Werke schließen und auf die mangelhafte Unterstützung durch die Politik verweisen?
Erfurth: CropEnergies kann neben verschiedenen Getreidesorten auch Zuckerdicksaft verwenden. Wir haben eine erfolgreiche Beschaffungsstrategie, sowohl physisch als auch über die Terminbörse MATIF. Wir können mit unserem Nebenprodukt ProtiGrain 30 Prozent der Rohstoffkosten absichern. Wir haben eine eigene Energieproduktion und wir bauen weiter auf, und sind dabei bereits durchfinanziert.


ECOreporter.de: In Ihrer heutigen Pressemitteilung gaben Sie an, ein „kostenorientierter Rohstoffmix und eine Revision im Bereich der Destillation“ würden sich auf den Umsatz im zweiten Halbjahr auswirken. Würden Sie uns das bitte erklären?
Tobias Erfurth: Im letzten Jahr haben wir primär Weizen und Gerste für die Bioethanolproduktion eingesetzt. Inzwischen verwenden wir zunehmend Zuckerdicksaft, das ist ein Zwischenprodukt aus der Zuckerherstellung. Damit können wir den Kostenanstieg beim Weizen abfedern. Mit Weizen erzielen wir aber höhere Umsätze, weil wir das Koppelprodukt ProtiGrain herstellen. (Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich ein Tierfutter.) Insgesamt sehen wir uns gerade in der Rohstofffrage in unserer Strategie bestätigt. Wir haben uns haben uns für die Ethanolerzeugung entschieden, weil es in Europa traditionell einen Überschuss an Kohlenhydraten gibt.

Als „Revision“ bezeichnen wir die Instandhaltung unsere Produktionsanlagen. Sie werden zwei Mal im Jahr – jeweils im ersten und dritten Quartal – gründlich geprüft. Bei dieser Gelegenheit werden Optimierungen ausgeführt, für die wir dieses Mal ein paar Tage länger als üblich brauchen werden.


ECOreporter.de: Wollen Sie die operative Marge des Halbjahres im Gesamtjahr halten?
Erfurth: Wir werden für das ganze Jahr profitabel sein. Mit einem operativen Ergebnis von rund 14 Millionen Euro im ersten Halbjahr und einer Erwartung für das Gesamtjahr von rund 21 Millionen Euro ist aber auch klar, dass das zweite Halbjahr nicht so stark wie das erste ausfallen wird.


ECOreporter.de: Wie ist die Absatzsituation?
Erfurth: Wir arbeiten mit Kontrakten von bis zu zwölf Monaten. Die Marktpreise orientieren sich an Importen aus Brasilien, da es keine eigene EU-Rohstoffbörse gibt. Der Literpreis für Ethanol aus günstigem Zuckerrohr liegt derzeit bei zirka 55-57 Cent je Liter, darin sind Transportkosten, Zoll (19,2 Cent), Handelsspannen etc. enthalten. Wir erwarten höhere Preise, die Beimischung in Europa steigt.


ECOreporter.de: Wie beurteilen Sie die Förderung der Biokraftstoffe durch die Politik?
f}Erfurth: Uns trifft im Unterschied zum Biodiesel keine Änderung der Besteuerung. Low blends (Anmerkung der Redaktion: Beimischung von nur 5 Prozent Ethanol) bleiben voll versteuert, E85 (Anmerkung der Redaktion: 85 Prozent Ethanol und 15 Prozent Benzin) bleibt bis 2015 steuerfrei. Natürlich wäre es schön, wenn die Mengenquoten höher wären, zum Beispiel drei Prozent statt zwei in 2008. Die langfristige Vorgabe der EU, dass bis 2020 mindestens 10 Prozent des Kraftstoffs aus nachwachsenden Energien kommen sollen, ist aber schon ein gutes Ziel.


ECOreporter.de: Herr Erfurth, wir danken Ihnen für das Gespräch.

CropEnergies AG: ISIN DE000A0LAUP1 / WKN A0LAUP

Bild: Stahltürme im Ethanolwerk der CropEnergies AG / Quelle: Unternehmen
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