10.11.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

10.11.2003: Wochenrückblick: Solarzellen-Hersteller profitieren von Einigung zwischen Trittin und Clement - NEG Micon verlieren nach Gewinnwarnung 26 Prozent - Aixtron spaltet Analysten: KGV 50 oder 250?

An den Aktienmärkten der Welt waren in der vergangenen Woche leicht steigende Kurse zu verzeichnen. Der DAX legte drei Prozent zu, der TecDAX ein Prozent. In Japan stieg der Nikkei-225 um ein Prozent. Der US-amerikanische Nasdaq Combined Composite Index kletterte um zwei Prozent, hingegen zeigte sich der Dow Jones Industrial Average unverändert.

Das Bundesumweltministerium und das Bundeswirtschaftsministerium haben sich über Veränderungen im Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) geeinigt. Die Vergütungssätze für Windenergie im Binnenland sollen dem Regierungsentwurf zufolge gesenkt werden, die Bedingungen für Windparks auf dem Meer und das Ersetzen älterer Anlagen sollen sich verbessern. Solarstromanlagen will die Regierung stärker fördern, um einen Markteinbruch nach dem Auslaufen des 100.000 Dächer-Programms zu vermeiden. Weitere Veränderungen sind für die Förderung von Strom aus Biomasse, Wasserkraft, Geothermie, Deponiegas und anderen Energieträgern vorgesehen. Völlig neu gestaltet wurde die Härtefallregelung: Um die Industrie zu entlasten, sollen künftig die Privathaushalte geschätzte zehn Prozent mehr für die Förderung der erneuerbaren Energien zahlen. Da wegen der umfangreichen Änderungen frühestens im Sommer 2004 mit dem Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens gerechnet wird, soll ein weiteres Eilgesetz dafür sorgen, dass zumindest die höhere Vergütung für Solarstrom schon ab Januar gezahlt werden kann.

Die Reaktionen der Branchenverbände waren höchst unterschiedlich. Der Bundesverband Solarindustrie e.V. und die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. zeigten sich sehr erfreut und sprachen von einem "Durchbruch für die deutsche Solarstrombranche". Hingegen will der Bundesverband WindEnergie die Einschnitte nicht akzeptieren. "Der Trittin-Clementsche Konsens wird so nicht durchkommen," sagte Verbandspräsident Peter Ahmels. Deutliche Kritik kam auch vom Bundesverband Erneuerbare Energie e.V., einem Dachverband der regenerativen Energiewirtschaft. Grundsätzlicher Widerspruch war von anderer Seite zu hören: Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) warf dem Umweltministerium vor, mit falschen Zahlen zu arbeiten. Das gelte sowohl für die Zahl der Arbeitsplätze als auch für die Kosten, so der VIK. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) bemängelte an der Novelle die "Dauersubventionierung" der neuen Energien.

Den Anlegern waren die verbesserten Aussichten kräftige Aufschläge auf die Kurse einiger Photovoltaik-Hersteller wert. SolarWorld AG aus Bonn kletterten von 9,82 auf 11,60 Euro, Sunways AG aus Konstanz von 1,82 auf 2,15 Euro - ein Zuwachs von genau 18,13 Prozent bei beiden Aktien. SolarWorld hat am vergangenen Freitag im sächsischen Freiberg eine neue Produktionslinie für Solarmodule eingeweiht, nach Firmenangaben eine der modernsten der Welt.

Der Kurs der Solar-Fabrik AG verharrte hingegen unverändert bei 3,50 Euro. Der Solarmodul-Hersteller aus Freiburg (Baden-Württemberg) hat den Quartalsbericht vorgelegt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs wurden18,6 Millionen Euro umgesetzt, nach 16,9 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Maßgeblich für den Zuwachs seien Lieferungen an RWE Schott Solar, die mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachten, hieß es. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich den Angaben zufolge leicht auf minus 2,6 Millionen Euro.

NEG Micon AS, dänischer Hersteller von Windturbinen, meldete Aufträge im Umfang von rund 150 Millionen Euro aus Neuseeland und Australien. Zugleich gab der Maschinenbauer eine Gewinnwarnung heraus. Das Management erwartet nun einen Vorsteuerverlust von 300 bis 500 Millionen Dänischen Kronen (etwa 40 bis 67 Millionen Euro). Grund seien Verzögerungen und Projektverschiebungen in verschiedenen Ländern, vor allem aber in Deutschland; eine sichere Planung des Geschäftsverlaufs sei unmöglich, hieß es. Das Board of Directors will eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht für die Aktionäre um eine Milliarde Kronen vorschlagen. Damit soll die finanzielle Stärke für künftige Anforderungen des Windturbinenmarktes sichergestellt werden. NEG Micon stürzten an der Kopenhagener Börse um 26 Prozent auf 68 Kronen ab.
Mit in den Strudel gerissen wurde die dänische Wettbewerberin Vestas Wind Systems AS, die neun Prozent auf 123 Kronen verloren. REpower Systems AG aus Hamburg dagegen gewannen drei Prozent auf 18,25 Euro.

Plambeck Neue Energien AG hat die Genehmigung für geplante Kapitalmaßnahmen erhalten. Die Aktionäre hätten den Vorschlägen des Vorstands mit jeweils mehr als 90 Prozent zugestimmt, teilte der Cuxhavener Windpark-Projektierer mit. Die Aktie verlor acht Prozent auf 2,63 Euro.
Kräftig steigende Kurse dagegen bei zwei Konkurrenten: Energiekontor AG, Bremen, hat mit einem Plus von zwölf Prozent auf 2,63 Euro mit der Plambeck-Aktie gleichgezogen. Umweltkontor Renewable Energy AG verteuerten sich um 16 Prozent auf 1,45 Euro. Der Technologie-Konzern aus Erkelenz, auch mit der Herstellung von Solarzellen befasst, bietet derzeit einen Windfonds mit Ausschüttungsgarantie an.

Farmatic biotech energy AG meldete einen Auftrag im Volumen von 2,2 Millionen Euro. Für die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain GmbH (Sachsen) soll eine Kläranlage gebaut werden. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen, im Herbst 2004 soll die Anlage den Betrieb aufnehmen. Der Hersteller von Biogasanlagen aus Nortorf sieht sich damit auch auf dem Gebiet der Abwassertechnologie als eines der führenden deutschen Unternehmen. Für den Kurs des in finanzielle Turbulenzen geratenen Unternehmens bedeutete die Meldung ein Plus von drei Cent auf 1,10 Euro.

Die Düsseldorfer Wedeco AG hat einen Auftrag aus Australien erhalten. Für den Wasserversorger United Utilities Australia Pty Ltd sollen acht UV-Anlagen zur Desinfektion des Trinkwassers im Umfeld der Stadt Adelaide geliefert, in Betrieb genommen und gewartet werden. Wedeco stiegen um acht Prozent auf 14,95 Euro.

Die Aachener Aixtron AG berichtete über leicht steigende Auftragseingänge in den zurückliegenden Monaten. Der Spezialmaschinenbauer für die Halbleiterindustrie setzte im dritten Quartal 21,5 Millionen Euro um, nach 35,3 Millionen im Vergleichsquartal des Vorjahres. Das EBIT ist mit minus 2,7 Millionen Euro negativ, nach einem positiven Ergebnis vor einem Jahr. Die Zahlen würden im Rahmen der Erwartungen liegen, hieß es. Die Planzahlen für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen. Aixtron ist nach eigenen Angaben schuldenfrei und verfügt über 48 Millionen Euro liquide Mittel. Der Kurs kletterte um sieben Prozent auf 5,49 Euro. Analysten verschiedener Häuser kommentierten fast gleichlautend, dass sie die Zahlen so erwartet hätten. Die Schlussfolgerungen aber sind unterschiedlich: Die Empfehlungen gehen von "verkaufen/reduzieren" (Independent Research, Bankgesellschaft Berlin, HypoVereinsbank) über "neutral" (Goldman Sachs, SES Research, Commerzbank) bis "akkumulieren" (WGZ-Bank). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2004 liegt nach den verschiedenen Schätzungen zwischen 50 und 250.

Der Quartalsbericht der CCR Logistics Systems AG weist leicht auf 5,96 Millionen Euro gestiegene Umsätze aus. Das EBIT des Münchener Entsorgungs-Dienstleisters verbesserte sich auf minus 10.000 Euro, nach minus 255.000 Euro im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Aktie gab leicht auf 1,41 Euro nach.

Die österreichische SW Umwelttechnik AG konnte im dritten Quartal ihren Umsatz auf 25,6 Millionen Euro steigern - 22 Prozent mehr als im Vorjahrsquartal. Der Zuwachs sei vor allem auf die ausgeweiteten Aktivitäten in Ungarn zurückzuführen. Das EBIT wuchs den Angaben zufolge um 55 Prozent auf 1,9 Millionen Euro. Kursverluste infolge des Ungarn-Geschäfts und andere Effekte hätten zu einem Finanzergebnis von minus zwei Millionen Euro geführt, so dass sich ein leichter Quartalsverlust von minus 0,1 Millionen Euro ergebe, hieß es. Auch für das Gesamtjahr kündigten die Österreicher ein leicht negatives Ergebnis an. Das Unternehmen, das in den Bereichen Infrastruktur, Engineering und Wasserschutz aktiv ist, will seine Aktivitäten in Rumänien, der Slowakei, Slowenien und Kroatien verstärken. Die Aktie legte in Wien unter schwachen Umsätzen fünf Prozent auf 21 Euro zu.

Ifco Systems NV gab das endgültige Quartalsergebnis bekannt. Die Umsätze wurden um 4,6 Prozent auf 103,6 Millionen Dollar erhöht, das bereinigte EBIT wuchs um 46,5 Prozent auf 8,6 Millionen Dollar. Der Kurs des niederländischen Anbieters von Logistiksystemen lag zum Wochenschluss bei 3,15 Euro.

Den Aktien der Spire Corp., eines US-amerikanischen Herstellers von Solartechnik und medizinischen Geräten, droht das Delisting von der Börse Nasdaq, sofern das Unternehmen nicht bis zum vergangenen Freitag (7. November) einen korrigierten Juni-Quartalsbericht und bis zum 14. November einen Bericht für das Septemberquartal bei der Börsenaufsicht vorlegt. Der Kurs brach um zwölf Prozent auf 5,01 Dollar ein. Am Freitag waren wieder leicht steigende Kurse zu beobachten.

Energy Conversion Devices Inc. (ECD) teilte mit, dass die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Deloitte & Touche LLP die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung gekündigt habe. Deloitte & Touche stehe ECD nicht mehr als Prüfer zur Verfügung. ECD hat nach eigenen Angaben seit 1968 mit dieser Gesellschaft zusammengearbeitet. ECD-Aktien verloren sieben Prozent auf 10,03 Dollar.

Quartalsergebnisse nordamerikanischer Unternehmen in Kürze:
Evergreen Solar Inc., Solarzellen, USA: Produkt-Umsatz plus 81 Prozent auf 2,6 Millionen Dollar, Nettoverlust minus 4,0 Millionen oder minus 0,35 Dollar pro Aktie, Kurs: plus zwei Prozent; Hydrogenics Corp., Brennstoffzellen, Kanada (vorläufige Ergebnisse): Umsatz plus 25 Prozent auf 5,5 Millionen Dollar, Nettoverlust minus 6,6 Millionen oder minus 0,12 Dollar pro Aktie, Umsatzerwartung für das Gesamtjahr gesenkt, Kurs: minus acht Prozent; CECO Environmental Corp., Luftfilter, USA: Umsatz minus 13 Prozent auf 17 Millionen Dollar, Nettogewinn 0,2 Millionen oder 0,02 Dollar pro Aktie, rückläufige Auftragslage, Kurs: plus zwölf Prozent; Ionics Inc., Wasseraufbereitungs-Anlagen, USA: Umsatz plus 8,5 Prozent auf 90,6 Millionen Dollar, Nettoverlust minus 22 Millionen oder 1,24 Dollar pro Aktie, Ergebnis ist von Einmaleffekten beeinflusst, verringerter Auftragsbestand, Kurs: plus fünf Prozent; Wild Oats Markets Inc., Lebensmittel-Einzelhandel, USA: Umsatz plus 3,9 Prozent auf 237 Millionen Dollar (vor allem durch fünf neue Geschäfte), Nettoverlust minus 0,86 Millionen oder minus 0,03 Dollar pro Aktie, Ergebnis ist von Einmaleffekten beeinflusst, in erster Linie der misslungenen Kooperation mit dem Großhändler Tree of Life Inc., Kurs: plus drei Prozent; Horizon Organic Holding Corp., Biomilch-Produkte, USA: Umsatz plus 18 Prozent auf 56 Millionen, Nettogewinn 0,57 Millionen oder 0,05 Dollar pro Aktie, Ergebnis ist von Einmaleffekten beeinflusst; Horizon wird derzeit von der Dean Foods Co. zum Preis von 24 Dollar pro Aktie übernommen.

Zwei weitere US-amerikanische Aktien fielen mit starken Kursveränderungen auf: Active Power Inc., Energiespeicherung, legten 17 Prozent auf 3,65 Dollar zu, Millenium Cell Inc., Brennstoffzellen, stürzten elf Prozent auf 2,96 Dollar ab.

Laut einer Studie der Umweltorganisation Greenpeace ist die Holzgewinnung im brasilianischen Amazonas-Gebiet mit "Sklaverei, Mord und illegalem Holzeinschlag im großen Stil" verbunden. Ein Netz internationaler Holzkonzerne sei beteiligt, die tropischen Hölzer würden auch nach Deutschland verkauft, so der Greenpeace-Report. Der World Wide Fund for Nature (WWF) macht deutsche Banken mitverantwortlich für die Vernichtung riesiger Regenwaldflächen in Indonesien. Im Interesse des Profits fielen die Wälder Papierfabriken und Ölpalmenplantagen zum Opfer. Die Naturschutzorganisation habe bei der Rating-Agentur oekom research eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse in Kürze veröffentlicht werden sollten. Bereits vorab teilte der WWF mit, dass drei deutsche Kreditinstitute keine Auskünfte geben wollten: die Deutsche Bank, die Norddeutsche Landesbank und die Industriekreditbank.

Active Power Inc. (ISIN US00504W1009 / WKN 502716)
Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
CCR Logistics Systems AG (ISIN DE0007627200 / WKN 762720)
CECO Environmental Corp. (ISIN US1251411013 / WKN 906379)
Dean Foods Co. (ISIN US2423701042 / WKN 900219)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Horizon Organic Holding Corp. (ISIN US44043T1034 / WKN 915302)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
IFCO Systems N.V. (ISIN NL0000268456 / WKN 157670)
Ionics Inc. (ISIN US4622181083 / WKN 855474)
Millenium Cell Inc. (ISIN US60038B1052 / WKN 940511)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Spire Corp. (ISIN US8485651074 / WKN 870534)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)
Wild Oats Markets Inc. (ISIN US96808B1070 / WKN 903461)


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