09.02.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

10.2.2005: "Der Markt f?ngt an aufzuwachen!" - ECOreporter.de-Interview mit Andreas R?del, Vorstand der Spezialistin für Bauwerksabdichtungen, Progeo AG

Progeo passt auf, das nichts durch kommt. Mit Produkten wie "Smartex" und "Geologger" ?berwacht das Unternehmen mit Sitz in Gro?beeren bei Berlin zum Beispiel die Abdichtungen von Deponiefl?chen - die umweltsch?dlichen Stoffe sollen nicht nach Aussen dringen. Das b?rsennotierte Unternehmen hatte es jahrelang schwer, sich mit seiner zun?chst unbekannten Technik am Markt zu etablieren. Im ECOreporter.de-Interview erkl?rt Andreas R?del, Vorstand der Progeo AG, warum er davon ?berzeugt ist, dass der Markt jetzt reif ist für die Angebote seines Unternehmens.


ECOreporter.de: Herr R?del, worin genau besteht das Gesch?ft der Progeo?

Andreas R?del: Wir haben eine spezielle Mess- und Informationstechnik entwickelt, mit deren Hilfe wir Bauwerksabdichtungen auf Dichtheit ?berwachen k?nnen. Unser System wird zusammen mit der Abdichtung eingebaut. Durch unser Messsystem k?nnen auftretende Sch?den sehr schnell festgestellt werden. Wir sind dann in der Lage, den Schaden auch genau zu lokalisieren, je nach verwendetem System und Anwendung machen das die Systeme vollautomatisch oder die Auswertung der Messungen erfolgt durch uns. Dabei erreichen wir eine sehr hohe Genauigkeit: Auf einer 220.000 Quadratmeter gro?en Fl?che hat unser System L?cher von 5 mm Durchmesser und kleiner gemeldet. Und es ist uns gelungen, bis auf 15 - 30 cm genau festzustellen, wo sie sich befanden.

Mit dieser Technik k?nnen erhebliche Kosten gespart werden. Umweltsch?den und Sch?den an Bauwerken und Inventar in Folge schadhafter Abdichtungen k?nnen vermieden werden! Das gilt besonders für den Umgang mit umweltrelevanten Stoffen. Einer unserer Kunden in Belgien betreibt eine Sonderabfalldeponie, dort haben wir bei einer neu hergestellten Basisabdichtung bis zu 15 Sch?den auf 10.000 qm gefunden. Ohne unsere Hilfe h?tte diese Deponie ?berhaupt nicht funktioniert, d.h. es w?ren bereits bei der neuen Deponie schwere Umweltsch?den entstanden.

Unsere Technik haben wir erfolgreich schon bei einer Vielzahl von Objekten eingesetzt: Deponien, Wasserbecken, Kl?rbecken, im Hochbau für Flachd?cher. Auch bekannte Objekte wie die Wasserfl?chen am Potsdamer Platz in Berlin oder das alte Bundeskanzleramt in Bonn haben wir ausger?stet.


ECOreporter.de: Wie nachhaltig ist das Gesch?ft der Progeo AG?

R?del: Nachhaltigkeit ist für uns ein zentrales Thema. Wenn wir Kontrollsysteme für die Abdichtung von Deponien oder den Erhalt von Geb?uden aufbauen, ist das aus unserer Sicht ein Beitrag zum ?kologischen und nachhaltigen Bauen: Die Bauwerke k?nnen damit planm??ig, kosteng?nstig, ressourcenschonend und langfristig in Funktion gehalten werden. Au?erdem halten wir unser Gesch?ftsmodell für nachhaltig. Weltweit werden mehr und mehr Deponien gebaut und Bauwerke abgedichtet. Daf?r verkaufen wir nicht nur die Sicherheitssysteme, wir betreiben sie auch im Auftrag der Kunden.


ECOreporter.de: Wie ist Ihre Marktposition? Gibt es ernstzunehmende Konkurrenten?

R?del: In Deutschland haben wir einen Wettbewerber, der allerdings kleiner ist als wir und mehr selektiv ausgerichtet. Die technische Qualit?t unserer Produkte ist sehr hoch, das verschafft uns einen guten Innovationsvorsprung. Gegen Nachahmer haben wir uns sorgf?ltig ?ber Patente abgesichert. Aber es gibt M?rkte, die nicht ?ber technische Standards sondern ausschlie?lich ?ber den Preis funktionieren. Hier haben wir Wettbewerb, darauf versuchen wir uns mit neuen kosteng?nstigen Produktvarianten einzustellen.


ECOreporter.de: Warum lief Ihr Gesch?ft in den ersten Jahren so schleppend an?

R?del: Am Anfang hat man uns wohl gar nicht richtig ernst genommen. Das liegt in einem gewissen Ma?e auch in der Natur der Sache: Es braucht eben lange, bis Kontaminationen nachweisbar werden. Und wenn wir behauptet haben, man m?sse unsere Technik einsetzen, um Sch?den zu finden, dann haben wir ein Tabu ber?hrt. Solche Sch?den durfte es per Definition bei neuen Deponien und Abdichtungen nicht geben. Mit der Vielzahl von Projekten wird dieses Problem nun aber mehr und mehr offenkundig! Erst mussten wir die Kunden davon ?berzeugen, dass es die Probleme gibt - dann von der Zuverl?ssigkeit unseres Systems. Und schlie?lich dauert es eine Weile, bis die Leute die jahrelang die Probleme bestritten haben, ohne Gesichtsverlust auf uns zugehen k?nnen. Wenn man sich die Entwicklung von Innovationen im Baubereich anschaut, ist unsere Geschichte nicht ungew?hnlich.


ECOreporter.de: Wie ist die aktuelle Auftragslage der Progeo AG?

R?del: Unsere Auftraggeber kommen zur Zeit aus Deutschland, aus Holland und Belgien, aus Spanien. In Osteuropa, Skandinavien sowie im Mittelmeerraum sind die ersten Projekte in Vorbereitung oder es wird teilweise ohne unser Zutun derartige Technik nachgefragt. Mein Eindruck ist: Der Markt f?ngt an aufzuwachen! Auch in Deutschland haben wir im Moment mehr und mehr Erfolg; viele alte Deponien werden jetzt geschlossen und brauchen dann eine Oberfl?chenabdichtung. Wenn da von Anfang an unsere Kontrolltechnik eingebracht wird, kann einfacher gebaut werden. Das spart erhebliche Kosten. 380 Hausm?lldeponien m?ssen in Deutschland bis 2009 geschlossen werden, es gibt also jede Menge Arbeit für uns.
Ganz ?hnlich ist die Situation in Holland, dort haben wir mittlerweile ein erstes gro?es Projekt erfolgreich abgeschlossen und in einer zweiten Provinz die Genehmigung für unser Konzept erhalten. F?r einen weiteren gro?en Auftrag haben wir bereits eine m?ndliche Zusage.


ECOreporter.de: Wie gro? ist das Auftragsvolumen?

R?del: Der aktuelle Auftragsbestand betr?gt etwa zwei Millionen Euro, wenn wir den m?ndlich erteilten Gro?auftrag einrechnen. Das Auftragsvolumen wird aber binnen Jahresfrist erheblich ansteigen, eine gro?e Zahl von Projekten geht jetzt in die Realisierung. Dort bieten sich uns gute Auftragschancen.


ECOreporter.de: In welchen L?nder rechnen Sie sich das st?rkste Wachstum der Progeo AG aus?

R?del: Wir wollen uns in den n?chsten Jahren auf Deutschland und die Niederlande konzentrieren. Aktiv bem?hen werden wir uns in Spanien und Polen. Auch Ungarn ist interessant, dort agieren wir aber mehr reaktiv; d.h. wir warten ab, was an Auftr?gen auf uns zu kommt. Unsere Liste m?glicher Projekte ist inzwischen auf ?ber 70 Punkte gewachsen. Der Bedarf für unsere Technik d?rfte in den n?chsten Jahren weiter wachsen. Insgesamt entstehen weltweit j?hrlich sch?tzungsweise ca. 120 - 130 Millionen Quadratmeter Deponien und ?hnliche Fl?chen.

Wir wollen aber nicht zu schnell wachsen, sondern der sich abzeichnenden Entwicklung nachfahren. Nach den Erfahrungen, die wir in den Aufbaujahren gesammelt haben, werden wir besonders darauf achten, Vorleistungsrisiken zu vermeiden. Eine kleine Firma wie Progeo sollte nicht zu vielen Hasen hinterher rennen.


ECOreporter.de: Wie operieren Sie in den Auslandsm?rkten? ?ber Partner vor Ort oder eigene Tochtergesellschaften?

R?del: Im Ausland setzen wir auf Kooperationen. Unsere Erfahrung ist: Sie brauchen den lokal akzeptierten Partner, der m?glichst schon in dem Gesch?ft drin ist.


ECOreporter.de: Wie lauten Ihre Umsatz- und Ertragsziele für das laufende Gesch?ftsjahr und für 2006? Wie sehen die Zahlen für 2004 aus?

R?del: Wenn alles nach Plan l?uft, k?nnen wir in diesem Jahr eine Leistung im Bereich von vier bis f?nf Millionen Euro erbringen, dabei w?rde sich ein Ergebnis von 600 bis 900.000 Euro ergeben. Im n?chsten Jahr k?nnte die Leistung bis auf 10 Millionen Euro ansteigen, das Ergebnis w?rde auf bis zu 3,5 Millionen Euro steigen. F?r 2004 haben wir nach den vorl?ufigen Zahlen bei einer Leistung von cirka 1,45 Millionen Euro einen operativen Verlust von etwa 150.000 Euro erwirtschaftet. Der Cash-Flow war erstmals leicht positiv.


ECOreporter.de: Was für Margen erzielen Sie mit Ihren Produkten?

R?del: ?ber die Breite unserer Produktvarianten k?nnen wir bei planm??igem Gesch?ftsverlauf eine Marge beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 35 Prozent erwirtschaften. Unsere Kunden k?nnen mit Hilfe unserer Produkte enorme Kosten einsparen. Um einmal eine Zahl zu nennen: Die Sanierung der Sonderabfalldeponie M?nchenhagen hat 60 - 65 Millionen Euro gekostet, weil die Basisabdichtung undicht war und das Grundwasser kontaminiert hat. Wenn da vorbeugend Messtechnik von Progeo eingebaut worden w?re - die gab es allerdings in den 70er Jahren als M?nchenhagen gebaut wurde noch nicht - h?tte man Unsummen gespart! Je 100.000 Quadratmeter Fl?che kostet unser System cirka 500.000 Euro. Das ist nicht einmal ein Prozent der Kosten, die jetzt nachtr?glich angefallen sind.
Im Hochbau ist es ganz ?hnlich: Drei Millionen Euro hat die Sanierung der erst drei Jahre alten Abdichtung für ein Bauprojekt in Hannover gekostet. Man hat Leckagen nicht gefunden, da musste alles neu abgedichtet werden. Diesmal wird unser System Smartex mit eingebaut, das kostet dort 25.000 Euro.


ECOreporter.de: Wie lauten Ihre Ziele für die Progeo AG in den n?chsten Jahren?

R?del: Unser erstes Ziel ist es, ?berhaupt einmal richtigen Profit einzufahren. Nach den Fehlern der Vergangenheit sind wir vorsichtig geworden. Und wir haben dazugelernt: Wir waren am Anfang viel zu gro? angelegt. Nach dem B?rsengang entstand dann eine zwangsl?ufige Dynamik, die wir nur langsam stoppen konnten.

Dass die dann folgende Durststrecke so lang w?rde, damit hatten wir nicht gerechnet. Das war hart, denn lange Zeit konnten wir ?berhaupt nicht erkennen, ob Progeo es schaffen w?rde. Wir haben aber in dieser Zeit gelernt, mit geringen Mitteln effizient zu wirtschaften. Jetzt k?nnen wir auf eine optimierte Technik und ein kleines schlagkr?ftiges Team zur?ckgreifen. In den letzten Jahren haben wir knapp 150 Projekte durchgef?hrt und uns in unserem kleinen Spezialmarkt inzwischen einen guten Namen erarbeitet. Wir konzentrieren uns heute auf die Stellen, an denen wir wirklich gut sind.

Unsere Aktie wird in den letzten Monaten zunehmend wiederentdeckt. Der Kurs bildet meiner Meinung nach zur Zeit aber h?chstens den Buchwert ab. Da sind keine Marke, kein Patent, keine Zukunft mit bewertet. Es m?sste also noch eine Menge Luft nach oben sein, insbesondere wenn wir zeigen k?nnen, dass unsere Planungen Wirklichkeit werden.

ECOreporter.de: Herr R?del, wir danken Ihnen für das Gespr?ch!


Bilder: Andreas R?del; Projekte der Progeo AG / Quelle: Unternehmen

Progeo Holding AG: ISIN DE0006926504 / WKN 692650
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