10.03.03

10.3.2003: Wochenrückblick: Wachstumsfreies Europa - Prognosen für SolarWorld fallen trotz EU-Förderung - US-Solarwerte geben nach

(H.K.) Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen um einen viertel Prozentpunkt gesenkt. EZB-Präsident Wim Duisenberg begründete diese Entscheidung damit, dass zum einen keine Inflation drohe, zum anderen die Wirtschaft um nur ein Prozent wachsen werde. Das liege weit unter dem europäischen Potenzial, welches die EZB auf zwei bis zweieinhalb Prozent schätzt. Die Deutsche Bundesbank versucht sich derweil an einem Szenarium mit dem Titel "Wege aus der Krise", das ein Wachstumspotenzial von nur noch einem Prozent zugrunde legt. Alan Greenspan, Präsident der US-amerikanischen Notenbank, sagte in Paris, dass die Wirtschaft seines Landes widerstandsfähig gegen "externe Schocks" sei. Der Grund liege in der Globalisierung, die den großen Volkswirtschaften nütze. Über die ansteigende Arbeitslosigkeit in den USA sagte Greenspan allerdings nichts.

Der DAX verlor in der vergangenen Woche vier Prozent, MDAX und Nemax-50 jeweils drei Prozent. In den USA sanken Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite Index um zwei Prozent. Der japanische Nikkei-225 gab drei Prozent nach. Der Ölpreis, in den letzten drei Monaten um 60 Prozent gestiegen, ging um vier Prozent zurück. Einige Marktbeobachter führen dies darauf zurück, dass Spekulanten nun auf eine Entspannung in der Irak-Krise setzten. Andere verwiesen hingegen darauf, dass die Mitgliedsländer der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) nach inoffiziellen Angaben bereits am Rande ihrer Kapazitätsgrenze fördern würden. Die weitere Verteuerung des Rohöls sei deshalb wahrscheinlich, meinen sie.

Die Düsseldorfer E.on AG hat ihren Jahresabschluss vorgelegt. Während der Umsatz leicht zurückging, ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 28 Prozent gestiegen. Nach Angaben von Finanzvorstand Erhard Schipporeit habe sich vor allem das inländische Stromgeschäft positiv auf das Ergebnis ausgewirkt. Belastet habe hingegen der ungeplante Stillstand des Kernkraftwerks Unterweser und andere Faktoren in der großtechnischen Stromerzeugung. Vorstandsvorsitzender Ulrich Hartmann sieht nach eigenen Angaben wenig Chancen, die Strompreise in Deutschland weiter erhöhen zu können. Dies liege am Wettbewerb im deutschen Strommarkt, den der Vorsitzende einen "vollen Erfolg" nannte.

Die Bonner SolarWorld AG (WKN 510840) wird bis zu 73 Millionen Euro Fördermittel für den Ausbau ihrer integrierten Solarfabriken im sächsischen Freiberg erhalten. Die EU-Kommission habe diese Investitionsförderung genehmigt, mit dem Geld soll die Wafer-, Zellen- und Modulfertigung des Konzerns erweitert werden, teilte SolarWorld mit. Analysten der WGZ-Bank nahmen die Mitteilung zum Anlass, ihre Schätzungen für die SolarWorld AG anzupassen. Den Gewinn pro Aktie für das laufende Jahr erwarte man nun bei 0,51 Euro. In ihrer Analyse vom 15. Januar 2003 hatten die selben Analysten hier noch 1,52 Euro prognostiziert, im Oktober 2002 gar 1,71 Euro. Die Empfehlung "Akkumulieren" wurde beibehalten. Die SolarWorld-Aktie überschritt in der vergangenen Woche mehrmals die fünf Euro-Marke, schloss aber mit 4,71 Euro nur leicht stärker als am Ende der Vorwoche.

Evergreen Solar Inc. (WKN 578949), Solarzellen-Hersteller aus den USA, gab das vorläufige Jahresergebnis bekannt. Die Umsätze wurden mit 6,7 Millionen Dollar fast verdreifacht, der Verlust pro Aktie hat sich jedoch auf 1,16 Dollar nach 1,10 Dollar im Vorjahr ausgeweitet. Die Zahlen wurden mit Enttäuschung aufgenommen, der Kurs sackte um 31 Prozent auf 1,32 Dollar. Auch die Aktie der weit größeren AstroPower Inc. (WKN 912953) verlor 20 Prozent. Die zuvor stark gefallene deutsche Sunways AG (WKN 733220) legte dagegen 13 Prozent zu.

Nach Untersuchungen amerikanischer Institute ist der Weltmarkt für Fotovoltaik-Anlagen im vergangenen Jahr um 26 Prozent gewachsen. Die Energieerzeugung aus Windkraft habe weltweit um 28 Prozent zugenommen. Während sich der deutsche Solarmarkt weniger dynamisch als der der USA entwickelt habe, sei Deutschland der führende europäische Windenergieproduzent, geht aus den Untersuchungen hervor. Das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) hat eine Statistik über die Entwicklung der Marktanteile von Windkraftanlagen-Herstellern in Deutschland veröffentlicht. Dem zufolge haben bei den börsennotierten Unternehmen die Rostocker Nordex AG (WKN 587357) sowie die beiden Dänen Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769) und NEG Micon A.S. (WKN 897922) Marktanteile verloren. Die Hamburger REpower Systems AG (WKN 617703) hat Anteile hinzugewonnen und liegt nun auf dem sechsten Platz vor NEG Micon. Unangefochtener Marktführer ist weiterhin die Auricher Enercon GmbH.

Die Erkelenzer Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) konnte ihr erstes Großprojekt im Bereich Bioenergie abschließen. Das Holzheizkraftwerk Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt) wurde an die Betreibergesellschaft, eine Tochter der Umweltkontor AG, übergeben, hieß es. Umweltkontor-Aktien werden derzeit zu Preisen um die 1,10 Euro gehandelt.

Einen Sturz um 33 Prozent verzeichnete der Kurs der farmatic biotech energy AG (WKN 605192). Die Papiere der Biogas-Spezialistin aus Nortorf notierten zum Schluss bei 1,01 Euro und sind auf dem Wege, wieder zum Pennystock zu werden.

Die Halbjahreszahlen der condomi AG (WKN 544490) weisen einen Umsatzanstieg um 23 Prozent auf 13,4 Millionen Euro aus, das EBIT ist mit 0,7 Millionen Euro positiv. Finanzvorstand Jens Große-Allermann hat das Unternehmen ohne Angabe von Gründen verlassen, er wird kommissarisch durch den neuen Vorstandsvorsitzenden Jens Waldhof vertreten. Analysten von Independent Research vermerkten positiv, dass sich die Kölner wieder auf das Kerngeschäft Kondomproduktion konzentrieren, änderten ihre Empfehlung für die Aktie dennoch von "halten" auf "verkaufen". Die Papiere verloren ein Fünftel ihres Werts auf 2,65 Euro.

Die Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (WKN 540750) steigerte nach vorläufigen Angaben im abgelaufenen Geschäftsjahr die Umsätze um ein Drittel auf 98 Millionen Euro. Das operative EBIT stieg um 12 Prozent auf 11,3 Millionen Euro, wird aber durch Abschreibungen in Höhe von 1,7 Millionen belastet. Das Unternehmen aus Marsberg wird zusätzliche Rückstellungen für Restrukturierungen und Abwertungen für Absatzrisiken vornehmen. Die ursprüngliche Gewinnprognose wurde zurückgezogen. Centrotec wies darauf hin, dass sich Umweltsysteme als konjunkturresistent erwiesen hätten; allein bei den Raumluftwärmerückgewinnungs-Systemen habe man den Absatz um 50 Prozent steigern können, hieß es. Centrotec sanken um zehn Prozent auf 4,36 Euro.

Hans-Oskar Sulzer, Finanzvorstand der Lübecker Drägerwerk AG (WKN 555063), sagte in einem Zeitungsinterview ein Umsatzplus von "fünf bis sieben Prozent" sowie ein "überproportional" wachsendes EBIT für das laufende Jahr voraus. Analysten von Independent Research bewerteten das geplante Joint Venture mit der Siemens AG im Bereich Medizintechnik positiv. Sie empfahlen aber nur das "Halten" der Drägerwerk-Aktie, weil sie mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis für 2003 von 17 bereits fair bewertet sei. Die Drägerwerk-Vorzüge legten drei Prozent auf 20,54 Euro zu.

Die österreichische Jenbacher AG (WKN 851442) meldete vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2002. Der Umsatz des Herstellers von Gasmotoren und Kraft-Wärme- Kopplungsanlagen stieg um zehn Prozent auf 275 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern (EBT) sank "erwartungsgemäß" um ein Drittel auf 14 Millionen. Auftragseingang und Auftragsbestand seien deutlich gestiegen, hieß es. Jenbacher ist zur Zeit Ziel eines Übernahmeangebots der amerikanischen General Electric Co., die den freien Aktionäre 17,43 Euro pro Aktie zahlen will. Die Papiere wurden in Wien zum Schluss mit 16,86 Euro notiert.

Der Karton- und Faltschachtelhersteller Mayr-Melnhof Karton AG (WKN 890447) hat vorläufigen Angaben zufolge die Umsätze in 2002 um 13 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gesteigert, der Jahresüberschuss stieg um 6,5 Prozent auf 83 Millionen Euro. Der Ausblick ist verhalten, das österreichische Unternehmen hofft, zum Ende des ersten Quartals eine Einschätzung für das laufende Jahr abgeben zu können. Die Aktie legte zwei Prozent auf 73,86 Euro zu.

Die nicht börsennotierte Stoffkontor Kranz AG aus Lüchow hat erste Ergebnisse des Geschäftsjahrs auf ihren Internetseiten veröffentlicht. Dem zufolge wurde der Umsatz um 21 Prozent auf 550.000 Euro gesteigert, was allerdings unter Plan liegt. Der vorläufige Jahresabschluss soll Ende März vorliegen. Der Hersteller von Stoffen und Bekleidung aus Nesselfasern beschloss eine Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital. Zum Preis von jeweils vier Euro sollen bis zu 370.000 Stückaktien ausgegeben werden. Die Zeichnungsfrist soll bis zum 15. Dezember 2003 laufen, für Frühzeichner sei ein Rabatt möglich, hieß es. Das eingeworbene Kapital soll für die Erweiterung des Nesselanbaus und zur Geschäftserweiterung verwendet werden.

Bild: Evergreen Solar-Module auf dem Dach des World Trade Centers in Tokyo (Quelle: Unternehmen)

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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