10.04.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

10.4.2006: Ad-hoc-Regeln durch Zeitungsinterview verletzt - BAfin ermittelt gegen Q-Cells / ECOreporter.de fragt nach: Wie hätte es laufen müssen?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin; Bonn) hat eine Untersuchung gegen die Thalheimer Q-Cells AG veranlasst. Laut einem Bericht der Schweizer Wirtschaftsnachrichtenagentur AG für Wirtschafts-Publikationen (awp) hat der Solarzellenproduzent in der letzten Woche vorab Zahlen veröffentlicht, die erst per Adhoc-Mitteilung heraus gegeben werden müssen. Die Q-Cells-Aktie sei daraufhin kräftig gestiegen, erst einige Stunden später habe die breite Öffentlichkeit durch eine Pflichtmitteilung von den guten Aussichten erfahren (ECOreporter.de berichtete). Das BaFin prüfe jetzt, ob die Adhoc früh genug erschienen sei, so awp.

Q-Cells-Sprecher Stefan Dietrich bestätigt auf Nachfrage von ECOreporter.de die Meldung: "Unser Vorstandschef Anton Milner hat der Nachrichtenagentur Reuters ein Interview gegeben. Darin hat er Zahlen genannt, die wir eigentlich erst einige Tage später bekannt geben wollten. Wir haben das bemerkt, als das Interview veröffentlicht wurde. So schnell es ging, haben wir dann eine Adhoc-Mitteilung mit den Zahlen heraus gegeben." Das Amt habe sich in der Sache noch nicht bei der Q-Cells AG gemeldet, so Dietrich weiter: "Es gibt im übrigen nichts zu beschönigen: Die Angaben waren Adhoc-pflichtig und wir haben die vorgeschriebenen Reihenfolge nicht eingehalten."

"Grundsätzlich müssen interne Infos unverzüglich veröffentlicht werden", sagt Anja Neukötter, Sprecherin des BaFin im Gespräch mit ECOreporter.de. Neukötter bestätigt die Agenturmeldung. Wegen eines am Mittwoch vergangener Woche veröffentlichten Interviews und der erst einige Stunden später erschienenen Adhoc-Meldung laufe derzeit eine Untersuchung gegen die Q-Cells AG. "Wenn jemand zuvor Interna preisgibt, kommt es auf die Umstände an", erläutert sie. "Wir haben da einen Ermessensspielraum." Aktuell werde der Fall recherchiert. Wenn ein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werde, sei das eine Ordnungswidrigkeit. "Die ist dann bußgeldpflichtig. Das Bußgeld bemisst sich nach dem Wertpapierhandelsgesetz. Laut Paragraf 39 Abs 5 Nr. 5 kann ein Ordnungsgeld bis in Höhe von maximal einer Million Euro erhoben werden", sagt die Sprecherin. So viel sei jedoch noch nie gezahlt worden. Es handele sich um ein Verwaltungsverfahren, "das dauert ein paar Wochen".

Die Q-Cells Aktie kletterte Mitte der letzten Woche von 80,60 Euro am Abend des 5. April (Xetra; 17:30 Uhr) auf 84,50 Euro am Morgen des 6. April (Xetra; 9:09 Uhr). Am vorhergehenden 4. April wurden zwischenzeitlich nur 75,14 Euro für die Anteilscheine notiert. Heute morgen wurden zuletzt 77,90 Euro für die Aktie bezahlt (Xetra; 11:27 Uhr)

Q-Cells AG: ISIN DE0005558662 / WKN 555866

Bild: Solarzelle aus der Produktion der Q-Cells AG / Quelle: Unternehmen
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