10.05.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

10.5.2004: Wochenrückblick: SolarWorld übertrifft Analystenschätzungen - Sunways verdoppelt den Umsatz - UmweltBank will Dividende zahlen

In der zurückliegenden Woche gaben die Aktienindizes weiter nach. An der Frankfurter Börse verloren der DAX und der TecDAX je zwei Prozent. Der japanische Nikkei-225 sank um drei Prozent. In New York gab der Dow Jones Industrial Average Index ein Prozent ab, der Nasdaq Combined Composite zeigte sich nur leicht schwächer.

Der Euro konnte die Kursgewinne der Vorwoche gegenüber dem US-Dollar nicht halten, für ihn wurden zum Schluss 1,188 Dollar gezahlt. Im Lauf der Woche war der Kurs zeitweilig über 1,215 Dollar geklettert. Sowohl die US-amerikanische Notenbank als auch die Europäische Zentralbank haben die Leitzinsen zunächst unverändert gelassen. Spekulationen auf das Angleichen der Zinsen in den beiden Wirtschaftsräumen sind damit nicht aufgegangen.

Der Preis für das Rohöl ist auf den höchsten Stand seit Oktober 1990 gestiegen. Experten erwarten weitere Preissteigerungen. So zitiert die Tageszeitung "Die Welt" Klaus Matthies vom Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (HWWA), der eine weitere Verteuerung um 50 Prozent auf 60 Dollar pro Barrel erwarte. Analysten von Morgan Stanley halten sogar einen Anstieg auf 80 Dollar für möglich, wenn sich die Situation im Nahen Osten nicht beruhige.

Es wäre nicht nur gerechter, sondern auch ökonomisch sinnvoller, den Schutz der Umwelt und der Schwachen in der Gesellschaft noch erheblich zu verstärken. Das sagte Franz Josef Radermacher dem "Greenpeace Magazin". Der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Radermacher lehrt an der Universität Ulm und gehört dem Club of Rome an. Radermachers Aussagen werden vom Umweltgutachten 2004 des Sachverständigenrates für Umweltfragen bestätigt. Der Rat konstatiert ein Nachlassen der Umweltpolitik der Bundesregierung in den letzten beiden Jahren. Die Politik müsse sich einer verstärkten Mobilisierung wirtschaftlicher Teilinteressen erwehren, zum Beispiel beim Klimaschutz und "sogar bei einem so vergleichsweise unbedeutenden Thema wie dem Dosenpfand". Eine anspruchsvolle Klimapolitik vermeide extreme Langzeitrisiken mit hohen volkswirtschaftlichen Folgekosten. Sie sei im europäischen und globalen Kontext nur durchsetzbar, wenn einzelne Staaten Vorreiterrollen einnehmen würden. Eine solche Klimaschutzstrategie biete wesentliche Chancen für die Position Deutschlands und der EU im globalen Innovationswettbewerb, heißt es in dem Gutachten.

Die IG Metall hat sich für einen nachhaltigen Strukturwandel in der Energiepolitik ausgesprochen. Auf der Branchenfachtagung Windkraft der Gewerkschaft in Magdeburg sagte Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode, Windenergie sichere den Standort Deutschland und wirke als Jobmotor.

Der Solarkonzern SolarWorld AG teilte vorab die Ergebnisse des ersten Geschäftsquartals mit. Der Umsatz ist den Angaben zufolge um 85 Prozent auf 35,4 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sei mit 2,99 Millionen Euro positiv. Die Prognose für das Gesamtjahr - zweistelliges Umsatzwachstum und ein Konzernergebnis im einstelligen Millionenbereich - wurde bestätigt. Der Bonner Konzern will den vollständigen Quartalsbericht am 14. Mai vorlegen. SolarWorld gaben fünf Prozent auf 18,70 Euro nach. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) konstatierten, dass ihre eigenen Gewinnschätzungen bei weitem übertroffen worden seien. Die bisherige Prognose erscheine zu "konservativ", sie werde nach Erscheinen des Quartalsberichts überarbeitet. Die Kaufempfehlung für die Aktie werde beibehalten, so die Analysten der LBBW.

Sunways AG, Hersteller von Solarzellen und -systemen aus Konstanz, meldete Quartalsumsätze von 10,5 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal habe sich dieser Wert fast verdoppelt. Der EBIT-Verlust hat sich laut dem Quartalsbericht auf minus 0,2 Millionen Euro verringert. Im Vorjahr waren noch 1,2 Millionen Euro EBIT-Verlust angefallen. Die eigenen Planungen seien übertroffen worden. Im Bereich Solarsysteme sollen nun die Produktionskapazitäten aufgestockt werden. Auch Sunways bestätigte die Prognose: Im Gesamtjahr soll der Umsatz um einen zweistelligen Prozentbetrag steigen, ein positives Ergebnis solle erreicht werden. Zu den umfangreichen Aktienverkäufen des Aufsichtsratsmitglieds Franz Heim in den vergangenen Wochen teilte das Unternehmen mit, dass Heim damit Bankverbindlichkeiten bedient habe, die er im Zusammenhang mit Kapitalerhöhungen der Sunways AG zu einem früheren Zeitpunkt eingegangen sei. Sunways kletterten um 16 Prozent auf 2,88 Euro. Die Analysten der LBBW kommentierten, vor dem Unternehmen liege noch ein weiter Weg hin zu einem angemessenen Renditeniveau. Anleger sollten die Aktie halten.

Der Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG meldete den Abschluss einer Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital unter Ausschluss des Bezugsrechts. Das Grundkapital sei durch die Ausgabe von 365.690 neuen Aktien auf 4.022.595 Euro erhöht worden. Auf Basis des Börsenkurses seien dem Unternehmen 914.225 Euro zugeflossen, hieß es. Solon legten 22 Prozent auf 9,90 Euro zu. Zeitweilig wurde die Aktie über zehn Euro notiert.

Die Quartalszahlen des US-amerikanischen Solarzellen-Herstellers Evergreen Solar Inc. weisen einen Produkt-Umsatzanstieg um 165 Prozent auf 2,8 Millionen Dollar aus. Der Nettoverlust hat sich auf minus 4,6 Millionen Dollar ausgeweitet. Das Unternehmen erweitert nach eigenen Angaben derzeit seine Produktionskapazität und erwartet deshalb in den kommenden Quartalen weitere Verluste. Evergreen gaben fünf Prozent auf 2,59 Dollar ab.

United Solar Ovonic Corp. meldete erneut einen Auftrag für das US-amerikanische Militär. An das Air Force Research Laboratory sollen ultraleichte Solarzellen für den Einsatz auf Armee-Satelliten geliefert werden. "Die Wahl unserer Produkte durch die Air Force eröffnet uns neue Möglichkeiten in diesem erstklassigen Markt," sagte Subhendu Guha, Vorstandsmitglied bei United Solar Ovonic. Man erwarte weitere Aufträge. United Solar Ovonic ist eine Tochtergesellschaft der börsennotierten Energy Conversion Devices Inc. Energy Conversion sanken um sechs Prozent auf 10,90 Dollar.

Der Lübecker Windturbinen-Hersteller DeWind GmbH hat einen Großauftrag aus Österreich erhalten. Zusammen mit dem österreichischen Energieversorger EVN sollen Windparks mit voraussichtlich insgesamt 60 Megawatt in der Nähe von Wien errichtet werden. DeWind ist eine Tochter des britischen Industriekonzerns FKI plc. FKI sanken in London drei Prozent auf 110,25 Pence. EVN wurden in Wien leicht schwächer mit 45,84 Euro notiert.

REpower Systems AG wird in den nächsten Monaten insgesamt acht Windtubinen der 1,5 Megawatt-Klasse nach Japan liefern. Weitere Bestellungen seien zu erwarten, teilte der Hamburger Maschinenbauer mit. Die REpower-Aktie gab unter geringen Umsätzen zwei Prozent auf 17,98 Euro ab. Einen Rückschlag hat REpower im Geothermie-Projekt in Bad Urach erlitten. Wie der Reutlinger General-Anzeiger berichtet, seien durch "unerwartete geologische Probleme" in 2.800 Meter Tiefe erhebliche Mehrkosten entstanden. Die Erdwärmebohrung werde deshalb abgebrochen. Nach Informationen der Zeitung seien derzeit weder die Stadt Bad Urach, noch die beteiligten Unternehmen Energie Baden-Württemberg und REpower Systems bereit, weitere Geldmittel zur Verfügung zu stellen.

Die kanadische Western GeoPower Corp. meldete den Abschluss einer Kapitalerhöhung. Es seien rund 4,9 Millionen Aktien und 3,2 Millionen Units, bestehend aus je einer Aktie und einer Kaufoption, ausgegeben worden, jeweils zum Preis von 1,85 Kanadischen Dollar. Die eingeworbenen Mittel sollen für eine Studie verwendet werden, welche die Machbarkeit eines geothermischen Projekts in Kanada untersuchen soll. Dazu sollten im Laufe des Jahres zwei Produktionsbohrlöcher niedergebracht werden, hieß es. Western GeoPower wurden in Toronto für 1,85 Kanadische Dollar gehandelt, um drei Prozent niedriger als am Ende der Vorwoche.

Die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG hat den Prospekt zum Börsengang veröffentlicht. Die 1,5 Millionen Aktien, davon 0,5 Millionen aus Altaktionärsbesitz, werden vom 10. bis 14. Mai 2004 17 Uhr zum Festpreis von 9,25 Euro je Aktie angeboten. Die Aufnahme der Börsennotiz soll voraussichtlich am 17. Mai erfolgen, die Lieferung in die Depots voraussichtlich am 19. Mai. Auf der Pressekonferenz kündigte Vorstand Peter Wicht ferner die Absicht an, 40 bis 50 Prozent der künftigen Ergebnisse an die Aktionäre auszuschütten. Erste Reaktionen von Analysten waren unterschiedlich. Die Baader Wertpapierhandelsbank AG errechnete ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17 für das Jahr 2003. Die Emission sei bei diesem Ausgabekurs "nicht günstig". Nach Angaben der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires sehen die Analysten von Independent Research die Emission hingegen positiv: Angesichts vermutlich steigender Gewinne dürfe sich das recht hohe KGV bald relativieren. Die Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) ist von ihrer am 23. April gegebenen Zeichnungsempfehlung wieder abgerückt. Die SdK fühlt sich nach eigenen Angaben vom MIFA-Vorstand getäuscht, denn der Emissionsprospekt enthalte neue, früher nicht gemachte Angaben zur Verwendung des Emissionserlöses. Bisher seien Großaufträge von der Hyrican Informationssysteme AG, Kindelbrück (Thüringen), vorfinanziert worden, bei der Wicht Großaktionär sei. Da der Erlös für künftige Vorfinanzierungen verwendet werden solle, gehe es also nur darum, die Risiken der Altaktionäre abzulösen und nicht um die Ausweitung des Geschäfts, so die SdK. Allerdings hatte Wicht bereits am 15. April den Börsengang damit begründet, dass die MIFA mit Hilfe des Emissionserlöses anstrebe, die "auftragsbezogenen, zum Teil erheblichen Vorfinanzierungen aus der nach der Kapitalerhöhung gestärkten Eigenkapitalbasis zu finanzieren."

Die Nürnberger UmweltBank AG gab das endgültige Jahresergebnis bekannt. Das Geschäftsvolumen erhöhte sich um 23 Prozent auf 532 Millionen Euro (vorläufige Angabe am 28. Januar: 545 Millionen Euro), das EBIT kletterte um 116 Prozent auf 3,1 Millionen (vorläufig: 3,1 Millionen). Die Bank schlägt die Ausschüttung einer Dividende von 0,19 Euro vor. Die Aktie verteuerte sich leicht auf 6,56 Euro.

Die Aachener Aixtron AG hat nach eigenen Angaben im ersten Geschäftsquartal wieder die Gewinnschwelle erreicht. Der Vorsteuergewinn lag bei 0,1 Millionen Euro, ebenso der Nachsteuergewinn. Im Vorjahresquartal hatte der Spezialmaschinenbauer einen Verlust melden müssen. Der Umsatz ist um 36 Prozent auf 25,4 Millionen Euro gewachsen, der Auftragseingang hat sich verdoppelt. Für das Gesamtjahr kündigte der Vorstand einen um 33 Prozent auf 121 Millionen Euro erhöhten Umsatz und ein ausgeglichenes Nachsteuerergebnis an. Aixtron verloren geringfügig auf 4,81 Euro. Einige Analystenhäuser erhöhten nach den Zahlen ihre Ratings für die Aktie. Andere verwiesen auf das hohe KGV und äußerten sich skeptisch zu den Chancen der Kursentwicklung.

Der österreichische Viscosefaserhersteller Lenzing AG gab die Übernahme der Unternehmensgruppe Tencel bekannt. Tencel betreibt nach Angaben von Lenzing Lyocellfaser-Großanlagen in den USA und in Großbritannien, der Jahresumsatz lag 2003 bei 100 Millionen Euro. Mit der Übernahme verdreifache Lenzing seine Kapazitäten für diese Zellulosefaser. Die Lenzing-Aktie kletterte in Wien um sechs Prozent auf 174,90 Euro. Analysten der Raiffeisen Centrobank erhöhten das Kursziel auf 200 Euro von zuvor 175 Euro. Durch die Übernahme sei Lenzing in eine weltweit führende Position aufgestiegen, zudem sei ein ruinöser Wettbewerb zwischen beiden Unternehmen nicht mehr zu befürchten, hieß es zur Begründung.

Die Quartalsergebnisse einiger nordamerikanischer Unternehmen in Kurzform:
* Ballard Power Systems Inc., Brennstoffzellen, Kanada: Umsatz 16,0 (Vorjahresquartal 33,1) Millionen, Nettoverlust -37,2 (-22,6) Millionen US-Dollar. Kurs: minus sechs Prozent auf 9,80 Dollar (US-Börse Nasdaq).
* Hydrogenics Corp., Brennstoffzellen, Kanada (vorläufiges Ergebnis): Umsatz 4,1 (8,4) Millionen, Nettoverlust -7,5 (-2,4) Millionen US-Dollar, Zahlen stark durch Einmaleffekte beeinflusst. Kurs: minus elf Prozent auf 6,71 Kanadische Dollar.
* Natural Alternatives International, Inc., Nahrungsergänzungsmittel, USA: Umsatz 21,3 (13,8) Millionen, Nettogewinn +0,86 (+0,17) Millionen Dollar. Kurs: plus 23 Prozent auf 13,80 Dollar.
* Green Mountain Coffee Roasters Inc., Kaffeeröstung, USA: Umsatz 31,1 (26,3) Millionen, Nettogewinn +1,3 (+1,2) Millionen Dollar. Kurs: minus neun Prozent auf 19,40 Dollar.
* Wild Oats Markets, Inc., Lebensmittel-Einzelhandel, USA: Umsatz 263,8 (236,0) Millionen, Nettogewinn +2,4 (+1,4) Millionen Dollar. Kurs: minus sieben Prozent auf 12,85 Dollar.

Ohne neue Nachrichten stieg der Kurs der S.A.G Solarstrom AG um 35 Prozent auf 2,84 Euro. S.A.G, Freiburg, baut und betreibt Sonnenstrom-Kraftwerke. Die Aktie der Hamburger Unternehmensberatung B.A.U.M. AG gab 20 Prozent auf 1,00 Euro ab.

Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
B.A.U.M. AG (ISIN DE000A0AYX23 / WKN A0AYX2)
Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
EVN (ISIN AT0000741053 / WKN 878279)
FKI plc (ISIN GB0003294591 / WKN 869192)
Green Mountain Coffee Roasters Inc. (ISIN US3931221069 / WKN 887856)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Hyrican Informationssysteme AG (ISIN DE0006004500 / WKN 600450)
Lenzing AG (ISIN AT0000644505 / WKN 852927)
MAN AG WKN 593700 / ISIN DE0005937007 München
MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
UmweltBank AG (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)
Western GeoPower Corp. (ISIN CA95827Q1037 / WKN 254049)
Wild Oats Markets Inc. (ISIN US96808B1070 / WKN 903461)

Bildnachweis: Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher / Quelle: Nachhaltigkeitsbeirat Baden-Württemberg; Multikristaline Solarzelle / Quelle: Sunways AG

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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