10.05.05 Erneuerbare Energie

10.5.2005: Frei lesbar - Gastbeitrag: "Wetterleuchten für solare Energien?" - Kommentar von Dr. Josef Auer, Vice President, Deutsche Bank Research, zum neuerlichen Angriff auf das Erneuerbare Energien Gesetz

Erneuerbare Energien sind weltweit auf dem Vormarsch. Das stellt Josef Auer, Deutsche Bank Research, in seinem Kommentar zum Angriff der Energiewirtschaft auf das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) fest. Anstatt jetzt die Bem?hungen um eine funktionierende Energieversorgung aus regenerativen Quellen zur?ckzufahren, solle Deutschland den Know-how-Vorsprung aus seinen hohen Zukunftsinvestitionen nutzen, so Auer, und ?ber den Export die Ernte einfahren.


Gastbeitrag von Josef Auer. K?rzlich befand das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in dem Beitrag "Gl?hende Landschaften: Das boomende Gesch?ft mit Solarenergie treibt seltsame Bl?ten: Fragw?rdige Anlageprodukte, schillernde Investoren und bisweilen skurrile B?rseng?nge erinnern an die wilden Zeiten des Neuen Marktes. Aktion?rssch?tzer warnen vor den Risiken." Sicherlich ist es aus Sicht von Anlegern und Solarunternehmen betr?blich, wenn die Boombranche immer mehr auch unseri?se Marktteilnehmer anzieht. Die Fakten sprechen aber zu eindeutig für die Branche:

Grundlage der boomartigen Entwicklung der Photovoltaik in Deutschland ist n?mlich die massive Subventionierung ?ber den Strompreis, mit der die Bundesregierung die neue Energietechnologie bis hin zur Marktreife f?rdern will. Viele Politiker und B?rger versprechen sich davon einen Beitrag zur Erreichung energie- und umweltpolitischer Ziele. Kein Wunder also, dass 2004 als ein Jahr der Photovoltaik in die Geschichte eingeht. Denn die neu installierte Leistung der netzgekoppelten Anlagen erfuhr einen Wachstumssprung um atemberaubende 140 Prozent. Die Prognose des Solarverbandes (BSi) für 2005 von +20 Prozent ist wohl viel zu niedrig.

Auch die Perspektiven erscheinen nach Analyse von DB Research g?nstig. Bis 2010 ist in der Photovoltaik ein weltweites Wachstum der Neu-Installationen um etwa 30 Prozent p.a. wahrscheinlich. Deutschland expandiert ?berdurchschnittlich, die USA wie im Mittel, w?hrend Japan etwas zur?ckbleibt. In der Dekade bis 2020 ist weltweit mit Steigerungsraten (zumindest) im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zu rechnen.

?hnlich, wenn auch mit etwas geringerer Dynamik, sind die Perspektiven der Solarthermie. Hier wandeln Kollektoren die Lichtenergie der Sonne direkt in W?rmeenergie um: Auf dem Weltmarkt spielen bisher fast nur Asien und Europa eine nennenswerte Rolle. Nach L?ndern dominiert eindeutig China. Bis 2010 d?rfte die neu installierte Kollektorfl?che global zwischen 10 und 20 Prozent p.a. zunehmen. Die Technologie hat - nicht zuletzt in den bev?lkerungsreichen L?ndern um den Sonneng?rtel - noch eine gro?e Zukunft vor sich. Zuversichtlich stimmt, dass der technische Fortschritt bereits in 15 bis 20 Jahren die derzeitigen Kosten für Elektrizit?t aus solarthermischen Gro?kraftwerken von heute 15 bis 20 Cent/kWh auf 5 bis 7 Cent/kWh in sonnenreichen Gegenden reduzieren k?nnte.

Am aktuellen Rand ist jedoch ein erstes Wetterleuchten in Deutschland zu erkennen. So textete der "Tagesspiegel" unter der ?berschrift "Gegen den Wind: Die Stromwirtschaft will alternative Energien zur?ckdr?ngen - die Garantiepreise sollen durch ein Bonus-Modell ersetzt werden". Die Zeitung beruft sich dabei auf ein "Sitzungsprotokoll einer Projektgruppe des Verbandes der Elektrizit?tswirtschaft (VDEW)", das ihm vorliegt.

Da der Boom in der Solarbranche in Deutschland bisher fast ausschlie?lich durch eine extrem hohe Subventionierung gespeist wird, ist diese Entwicklung ernst zu nehmen. Dies umso mehr, als von Oppositionspolitikern - insbesondere der FDP - immer wieder die herrschende F?rderpraxis des neuen Erneuerbaren-Energien-Gesetzes in Frage gestellt wird.

Nachdem die aktuelle Regierung und viele B?rger der Solarbranche einen hohen Vertrauenskredit für die Zukunft gegeben haben, ist diese nun gefordert, ihre Versprechungen auch einzuhalten. Wenn es den Solarunternehmen aber in Zukunft gelingt, die Kosten der Energieerzeugung und der CO2-Vermeidung merklich zu senken und damit weniger Subventionen erforderlich sind, d?rfte die Zukunftsinvestition hohe Dividenden für alle Beteiligten abwerfen.

Die gro?e Gefahr für die Branche ist eine m?gliche Verschlechterung der F?rdermodalit?ten. Bef?rchtungen, wonach im Falle eines Regierungswechsels der Solarbranche ein sofortiges K.o. droht, erscheinen ?berzogen zu sein. Gleichwohl k?nnten die Impulse für die Branche in Zukunft eher vom Export kommen. Immer mehr L?nder - darunter nicht nur europ?ische wie Spanien - ?berlegen ein F?rdersystem nach deutschem Muster einzuf?hren. Und selbst die USA setzen neuerdings mehr auf alternative Energien, um von den ?lexportl?ndern weniger abh?ngig zu werden. Deshalb w?re es zwar bedauerlich, wenn Deutschland international nicht ?ber die Exportschiene die Ernte aus dem erarbeiteten Know-how-Vorsprung und seiner hohen Zukunftsinvestitionen einfahren k?nnte. Es w?re aber auch nicht das erste Mal, dass unser Land m?gliche Wachstumschancen leichtfertig vergibt.

Weitere Informationen zum Thema bietet die Studie "Boombranche Solarenergie" der Deutsche Bank Research, die Sie hier herunter laden k?nnen.


Bild: Josef Auer / Quelle: Privat; "Nullemissionsfabrik" des Herstellers von Solarthermieanlagen Solvis; Fassade der Freiburger Solar-Fabrik AG / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x