10.05.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

10.5.2007: Eine neue Solaraktie vor dem Börsenstart: Emissionserlös soll in eigene Siliziumfabrik fließen

Nächsten Monat will ein weiteres Solarunternehmen an die Börse gehen. Es stellt Schlüsselprodukte für die Photovoltaikindustrie her. Mit dem Börsenstart wird es zu den mittelgroßen Solarfirmen zählen. ECOreporter.de sprach mit einem Vorstandsmitglied der Gesellschaft über die Hintergründe für die Entscheidung und stellt die weiteren Pläne des Unternehmens vor.

Die Stammaktien des deutsch-britischen Solarunternehmens PV Crystalox Solar AG sollen voraussichtlich ab Anfang Juni 2007 an der London Stock Exchange gehandelt werden. Die PV Crystalox Solar entstand 2001 aus den beiden Firmen Crystalox Ltd., Wantage bei Oxford, Großbritannien, und der PV Silicon AG, Erfurt. Das deutsch-britische Unternehmen ist auf die Produktion von mono- und polykristallinen Siliziumwafer spezialisiert. Die werden in der Solarindustrie gebraucht, um Solarzellen herzustellen. PV Crystalox sieht sich derzeit selbst als einen der größte Hersteller von Silizium Ingots, Blöcken und Wafern für die Produktion von Solarzellen. (Anmerkung der Redaktion: "Ingots" kann man sich als eine Art "überdimensionale Zigarre" vorstellen. Sie bestehen aus zertifiziertem Polysilizium. Ingots werden häufig auch als "Barren" bezeichnet. Aus den Ingots werden Scheiben geschnitten, die so genannten "Wafer".)

Hubert Aulich, Vorstand der deutschen PV Crystalox-Tochter in Erfurt, sagt im Gespräch mit ECOreporter.de: "Den Hauptteil der Erlöse aus dem Börsengang wollen wir für den Aufbau einer eigenen Siliziumfertigung in Bitterfeld investieren. Hintergrund ist die hohe Volatilität der Siliziummärkte. Dort sind langfristige Verträge üblich, durch die man lange Zeit an hohe Preise gebunden bleibt. Durch die eigene Fertigung wollen wir uns den Zugang zu kostengünstigem Material sichern."

Wie das Solarunternehmen berichtet, wird das Angebot wahrscheinlich aus der Ausgabe von neuen Stammaktien bestehen. Es richte sich an institutionelle Investoren in "Großbritannien und anderswo außerhalb der USA". Man erwarte zudem, dass einige Aktionären Aktien verkaufen werden. Laut Aulich ist noch nicht endgültig entschieden, wie viele Aktien emittiert werden: "Wir werden aber auf jeden Fall einen Streubesitz von 20 bis 25 Prozent schaffen. Die Aktionärsstruktur hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Das Management hält derzeit mehr als drei Viertel der Aktien. Ein Teil der Altaktionäre wird Aktien verkaufen, der Großteil wird seine Anteilscheine aber halten. Genauere Angaben kann ich Ihnen dazu im Moment nicht machen."

Auch zum Ausgabepreis für die Aktien könne er derzeit keine Auskunft geben, so Aulich weiter. Klar ist seinen Angaben zufolge jedoch bereits, dass die Anteilscheine zunächst nicht in den Handel an einer deutschen Börse eingeführt werden. Der Crystalox-Vorstand: "Die Aktien werden nur an der London Stock Exchange handelbar sein. Unsere größten Investoren sind in London vertreten und die Mehrheit des Unternehmens ist in britischem Besitz."

Die Investmentbank JPMorgan Cazenove wird den Börsengang den Angaben zufolge als Konsortialführer begleiten. Als Co-Manager sei Jefferies International Limited beauftragt worden, hieß es.

Den größten der Teil der Produktion an Silizium-Ingots fertigt PV Crystalox laut der Meldung in Großbritannien. Hauptabnehmer sei Japan. Der Rest der von PV Crystalox Solar hergestellten Siliziumbarren wird am deutschen Standort in Erfurt zu Wafern verarbeitet, die für den europäischen Markt bestimmt sind.

PV Crystalox Solar verfügt laut der Meldung über langjährige Geschäftsbeziehungen zu wichtigen Solarzellenherstellern, darunter Sharp und Schott Solar. Da man sich vollständig auf die Erzeugung von Solarsiliziumprodukten konzentriere, profitiere man von den höheren Margen, die Unternehmen im unteren Bereich der solaren Wertschöpfungskette erzielen könnten, so das Unternehmen. Dort gebe es weniger Konkurrenten und höhere Markteintrittsbarrieren.

Im Geschäftsjahr 2006 erwirtschaftete PV Crystalox Solar den Angaben zufolge Umsatzerlöse in Höhe von 242 Millionen Euro nach 183 Millionen in 2005, ein Plus von mehr als 30 Prozent. Der Vorsteuergewinn verbesserte sich um 56 Prozent von 31,3 Millionen Euro in 2005 auf 49 Millionen im letzten Jahr. Vorstand Aulich wollte auf Nachfrage von ECOreporter.de keine Prognose für Umsatz und Ertrag in 2007 und 2008 abgeben.

Im Geschäftsjahr 2006 stellte die Unternehmensgruppe laut der Meldung Siliziumwafer und -ingots her, mit denen Solarzellen mit einer elektrischen Leistung von 215 Megawatt peak (MWp) gefertigt werden können. Ende 2006 habe die Produktionsleistung bei 288 MWp gelegen, so PV Crystalox. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt 200 Mitarbeiter.

Strategisches Ziel des Unternehmens ist laut der Meldung der Ausbau der eigenen Marktposition als "führender, unabhängiger Anbieter von Solarsilizium-Barren und -Wafern für die Solarzellenindustrie". Dazu nennt PV Crystalox folgende strategische Kernpunkte: Verringerung von Betriebskosten, Flexibilität in der Produktion, enge Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten sowie die Entwicklung und Errichtung der neuen Polysilizium-Fabrik.

Von der eigenen Siliziumproduktion erhofft das Unternehmen sich eine ganze Reihe von positiven Effekten. So soll die Koordination der technischen Bedingungen für das Silizium und der Kristallisationsbedingungen verbessert werden. Zudem verfüge man mit einer eigenen Fabrik über eine verlässliche und flexible Bezugsquelle unter eigener Kontrolle, so PV Crystalox. Man erwarte die Inbetriebnahme für 2009. Im ersten Jahr sei ein Produktionsvolumen von 900 Tonnen geplant. Bis 2011 solle das Volumen auf 1.800 Tonnen ansteigen. Aktuell beziehe die Gruppe ihr Rohsilizium aus verschiedenen Quellen.

Die neue Siliziumfabrik der PV Crystalox soll im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt entstehen. Neben rund 80 Millionen Euro aus dem geplanten Börsengang, die das Unternehmen in den Bau der Fabrik investieren will, rechnet man auf staatliche Zuschüsse vom Land, der Bundesregierung und der Europäischen Union in Höhe von weiteren 21 Millionen Euro. In der neuen Anlage sollen 100 Arbeitsplätze entstehen, darunter auch fünf Lehrstellen. Die Degussa GmbH, die seit 1996 am Bitterfelder Standort eine Niederlassung betreibe, beliefere das Werk der PV Crystalox mit dem hochreinen Rohmaterial Chlorsilan, hieß es. Den Angaben zufolge haben beide Unternehmen darüber einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen.

ECOreporter.de sprach bereits Ende 2004 mit Aulich über die Möglichkeit eines Börsengangs seines Unternehmens ("Deutsch-britischer Hersteller von Siliziumwafern: Nachdenken über den Börsengang"). Damals sagte der Crystalox-Vorstand, man habe keine Eile mit der Entscheidung, wie das künftige Wachstum finanziert werden solle.

Bild: Silizium / Quelle: PVA TePla AG
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