01.10.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

1.10.2004: Wertberichtigungen, Abschreibungen, Umsatz halbiert - Plambeck versucht die Kehrtwende - Plambeck-Pressesprecher Rainer Heinsohn im ECOreporter.de-Interview

Der Windprojektierer Plambeck Neue Energien AG muss Wertberichtigungen und Abschreibungen im Volumen von mehr 160 Millionen Euro verkraften. Die Umsätze sind massiv geschrumpft (ECOreporter.de berichtete). Laut Plambeck eine Folge der Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung von Windparks. Haben die Geldhäuser das Vertrauen in die Solidität des Cuxhavener Unternehmens verloren oder handelt es sich um branchenübliche Schwierigkeiten? Hat Plambeck genug Geld, um die im Frühjahr ausgegebenen Genusscheine zu bedienen? Antworten auf diese und weitere Fragen lesen Sie im ECOreporter.de-Interview mit Rainer Heinsohn, Pressesprecher der Plambeck Neue Energien AG.

ECOreporter.de: Herr Heinsohn, Sie sprechen in Ihrer Unternehmensmeldung die Banken an. Diese hätten sich im ersten Halbjahr 2004 bei der Projekt-Finanzierung stark zurück gehalten. Trifft Sie das mehr als Ihre Mitbewerber?
Rainer Heinsohn: Es gab in 2003 und den ersten Monaten dieses Jahres eine spürbare Zurückhaltung von Banken und Investoren gegenüber Windenergie-Projekten. Der Grund dafür war die lange anhaltende, teilweise unsachlich geführte politische Debatte um den Ausbau der Windkraft. Dieses hat die gesamte Windenergiebranche betroffen. Nach dem Inkrafttreten der EEG-Novelle am 1. August 2004 haben wir jetzt jedoch wieder Planungssicherheit. Den nächsten Bericht der Bundesregierung über die Wirkungen des Gesetzes wird es erst Ende 2007 geben.

ECOreporter.de: Wie konnte es zu einem Einbruch im Kerngeschäft der Plambeck AG in dem nun vorliegenden Ausmaß kommen? Haben Sie sich zu sehr darauf verlassen, dass ständig frisches Geld nachströmen würde?
Heinsohn: Hier geht es nicht um einen Einbruch im Kerngeschäft, sondern zunächst einmal um buchmäßige Wertberichtigungen und Abschreibungen. Eine Prüfung aller von uns bearbeiteten Windparkprojekte in Deutschland onshore, die aufgrund der EEG-Novelle und der damit veränderten Marktsituation durchgeführt wurde, war die Grundlage. Die Wertberichtigungen und Abschreibungen sind nicht direkt zahlungswirksam. Das operative Geschäft entwickelt sich jedoch wieder: Die Plambeck Neue Energien AG hat bis Ende September 2003 in Deutschland bereits mehr Windenergieanlagen und MW-Leistung errichtet als im gesamten Jahr 2003.

ECOreporter.de: Zu Beginn des Jahres gingen Sie mit einer Genussscheinemission an den Markt. Wie viel Geld haben Sie daraus eingenommen?
Heinsohn: Im 2. Quartal 2004 wurde eine Tranche von Genussscheinen ausgegeben. Damit konnten 894.500 Euro platziert werden. Die Ausgabe weiterer Tranchen ist zur Zeit nicht vorgesehen.

ECOreporter.de: Waren die zusätzlichen Mittel dazu bestimmt, die versiegenden Bankfinanzierungen zu ersetzen?
Heinsohn: Die Mittel sollen für den Eigenbetrieb von Windenergieanlagen eingesetzt werden.

ECOreporter.de: Müssen die Zeichner des Genussscheins nun gleich im ersten Jahr nach der Emission damit rechnen, bei der Ausschüttung leer auszugehen?
Heinsohn: Das kann heute noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.

ECOreporter.de: Zusätzlich zu den Wertberichtigungen haben Sie Abschreibungen auf Firmenwerte im Volumen von knapp 53 Millionen Euro vorgenommen. Um welche Firmen handelt es sich?
Heinsohn: Die Abschreibungen auf Firmenwerte sind Teil der Gesamtbelastung von 160 Millionen Euro. Die Abschreibungen erfolgten im wesentlichen bei der Plambeck Norderland AG, einer 100prozentigen Tochtergesellschaft, die die Windpark-Projekte Deutschland onshore durchführt. Dieses Unternehmen haben wir im November 2000 als damalige Norderland Nature Energy AG übernommen.

ECOreporter.de: Zu welchem Wert wird die Plambeck Norderland derzeit in der Bilanz der Plambeck Neue Energien AG geführt?
Heinsohn: Die Plambeck Norderland AG steht jetzt mit einem Firmenwert von 20 Millionen Euro in der Bilanz.

ECOreporter.de: Was haben Sie beim Kauf der Tochter bezahlt?
Heinsohn: Die Übernahme erfolgte im Wege eines Aktientausches. Dafür wurden 3,75 Millionen Aktien ausgegeben.
(Anmerkung der Redaktion: Am 17.11.2000, dem Tag der Übernahme der Norderland Nature Energy AG durch Plambeck, notierte die Plambeck-Aktie an der Frankfurter Börse mit einem Schlusskurs von 22,40 Euro. Daraus ergibt sich ein "Kaufpreis" in Höhe von 84 Millionen Euro)

ECOreporter.de: Wie ist die Liquiditätslage der Plambeck AG?
Heinsohn: Die Liquidität per 30. Juni 2004 ist im Halbjahresbericht mit rund zwei Millionen Euro ausgewiesen.

ECOreporter.de: Verliefen die Engagements Ihres Unternehmens in den Bereichen Biomasse und Photovoltaik finanziell erfolgreich?
Heinsohn: Im Bereich Biomasse haben wir das Heizkraftwerk Silbitz projektiert, ans Netz gebracht und über einen Fonds erfolgreich im Markt platziert. Aufgrund der veränderten Situation des Holzmarktes haben wir bereits vor geraumer Zeit alle weiteren Aktivitäten im Bereich Biomasse eingestellt. Die Plambeck Neue Energien Solar Technik GmbH, ein Hersteller von solarthermischen Anlagen und Absorbern, wird bis zum Jahresende veräußert. Zu einem Erlös kann daher noch nichts gesagt werden.

ECOreporter.de: Wie ertragreich operiert Ihre dänische Tochter SSP Technology A/S?
Heinsohn: SSP Technology A/S produziert zur Zeit wöchentlich zwei bis drei Rotorblätter der 34-Meter-Klasse. Der Umfang der Produktion richtet sich nach dem Fortgang der Windpark-Projekte, für die die Rotorblätter bestimmt sind.

ECOreporter.de: Herr Heinsohn, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bild: Rainer Heinsohn, Pressesprecher der Plambeck Neue Energien AG
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