11.10.01

11.10.2001: ECOreporter.de-Interview: Warum liefert die Umweltaktiengesellschaft Wedeco AG weiterhin Zubehör für französische Atomkraftwerke?

Die Düsseldorfer Wedeco AG (WKN 514180), ein Hersteller von UV-Wasserreinigungsanlagen, beliefert auch die französische ElectricitÈ de France (EDF), die mit Wedeco-Anlagen das Kühlwasser von Atomkraftwerken desinfiziert. Das unter anderem im Natur-Aktien-Index NAI enthaltene Unternehmen Wedeco wird daher häufiger kritisiert. So lehnte beispielsweise der Anlageausschuss des Umweltaktien Depots von Murphy&Spitz die Aufnahme der Wedeco AG ab. Der Anlageausschuss sei der Meinung, dass durch die Produkte von Wedeco die Atomindustrie gefördert werde, so Murhy&Spitz. ECOreporter.de sprach über das Thema mit Ralf König, dem Pressesprecher der Wedeco AG:

ECOreporter.de: Herr König, fördert die Wedeco AG durch den Verkauf ihrer Anlagen an französische Atomkraftwerke die Kernenergie?

Ralf König: Ich möchte dazu als erstes einmal den Einsatzzweck unserer Anlagen an den Atomkraftwerken erläutern: Im Kühlturm eines AKW befindet sich eine große Menge warmen Wassers. Der eigentliche Kühleffekt entsteht nicht über einen hohen Durchfluss, sondern durch die Verdunstung des Wassers. Bei der Verdunstung wird bekanntlich Kälte freigesetzt. Das bedeutet: Aus so einem Kühlturm entweichen ständig große Mengen an Aerosolen, das heißt Wassertröpfchen, die durch ihre geringe Größe von der Luft getragen werden. Man könnte auch von Nebel sprechen.

Das Problem besteht nun darin, dass das warme Wasser ideale Brutstätten für die Vermehrung von Amöben bietet. Durch den austretenden Nebel werden diese Amöben kilometerweit in die Umgebung der Kraftwerke ausgestreut. Das ist eine erhebliche gesundheitliche Gefahr für die Bevölkerung! Mit Hilfe der Technik von Wedeco können die Amöben zuverlässig abgetötet werden, die Menschen in der Umgebung werden vor der Kontamination geschützt. Unsere Anlagen dienen also nicht der Erzeugung von Atomstrom, sondern der Verhinderung einer zusätzlichen erheblichen Umweltbelastung.

ECOreporter.de: Bemüht sich die Wedeco AG um weitere Aufträge für Atomkraftwerke?

Ralf König: Ja. Um es noch einmal zu bekräftigen: Wir sehen keinen Widerspruch darin, die Schäden einer Technologie zu vermindern, von der auch wir nicht begeistert sind und deren Ende zumindest in Deutschland absehbar ist. Jeder, der das leichthin kritisiert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch sein Strom nicht aus der Steckdose kommt.

ECOreporter.de: Herr König, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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