11.10.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

11.10.2004: Wochenrückblick: Öl und Kohle werden immer teurer - Solarwerte steigen weiter - Windenergie-Boom in Nordamerika

Die Aktienindizes zeigten in der zurückliegenden Woche regional gegenläufige Tendenzen. In Deutschland legten DAX und TecDAX leicht zu. Der japanische Index Nikkei-225 kletterte um kräftige vier Prozent, wohingegen die US-amerikanischen Indizes Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite je ein Prozent abgaben. Der Kurs des Euro zum US-Dollar lag unverändert zum Vorwochenschluss. Rohöl hat sich weiter verteuert: Die Sorte Light Sweet Crude zur Lieferung im November kostete am Freitag in New York mehr als 53 Dollar je Barrel; für die Sorte Brent rückte am gleichen Tag in London die 50 Dollar-Marke ins Blickfeld.

Aber auch die Preise für Kraftwerkskohle sind gestiegen. Nach Angaben des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) verteuerte sich eine Tonne Steinkohle zur Stromproduktion im Juni 2004 auf fast 60 Euro. Zwölf Monate zuvor hatte die gleiche Menge noch 37 Euro gekostet. Gründe für den Preisanstieg seien die stärkere weltweite Energienachfrage, besonders in Asien, sowie die höheren Frachtkosten für den Seetransport. Laut VDEW wird in Deutschland rund ein Viertel des Stroms aus Steinkohle erzeugt, die zu mehr als 50 Prozent importiert wird.

Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat der Bundesregierung sein Jahresgutachten 2003 vorgelegt. Das Gutachten analysiert die gegenwärtige Energieversorgung und schlägt einen Transformationsplan für eine Energiewende vor. Nach Auffassung des WBGU ist die Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen in den Industrieländern um 80 Prozent bis zum Jahr 2050 erforderlich und mit wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen erreichbar. Der Transformationsplan sieht dazu vor, dass die Nutzung der Atomenergie ausläuft und die Nutzung fossiler Energieträger stark vermindert wird. Erneuerbare Energieträger, insbesondere die Solarenergie, sollen erheblich auf- und ausgebaut werden, und die Energieproduktivität müsse gesteigert werden, so der WBGU. Die Bundesregierung begrüßte das Gutachten, wollte es sich jedoch nicht vollständig zu eigen machen. Im Regierungsbericht an das Bundeskabinett heißt es, der Einsatz fossiler Energien bleibe aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit "auf absehbare Zeit unverzichtbar". Dem Klimaschutz solle zum Beispiel durch verbesserte und neue Kraftwerkstechnologien Rechnung getragen werden. Das Kabinett hat den von Bundesumweltminister Jürgen Trittin vorgelegten Bericht zum Gutachten gebilligt.

Das norwegische Nobelpreiskomitee hat den diesjährigen Friedensnobelpreis an die kenianische Biologin Wangari Maathai verliehen. Der Frieden in der Welt hänge von der Bewahrung der Umwelt ab, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe. Frau Wangari Maathai drückte es klarer aus: Wenn wir unsere Ressourcen zerstören, werden sie knapp, und dann beginnen wir, um sie Kämpfe zu führen.

Das Mannheimer Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen MVV Energie AG berichtete über energiesparende Baumaßnahmen beim Berliner Freizeit- und Erholungszentrum FEZ. Rund 750.000 Euro habe MVV investiert. Refinanziert würden die Ausgaben über die eingesparten Energiekosten. Das FEZ senke seine Energie- und Wasserkosten um 26 Prozent oder 28.000 Euro pro Jahr. Außerdem würden jährlich 1500 Tonnen weniger Kohlendioxid ausgestoßen, so MVV. Das Mannheimer Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben schon seit drei Jahren ein vergleichbares Contracting-Projekt an 30 Schulen und Kindertagesstätten in der Bundeshauptstadt. Die MVV-Aktie wurde am Freitag für 14,35 Euro gehandelt. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verhandelt der Energieversorger EnBW derzeit mit der E.on AG über den Kauf des 15-prozentigen Anteils der E.on an dem Mannheimer Unternehmen.

Die Konstanzer Sunways AG gab weitere Einzelheiten ihrer Expansionspläne bekannt. Der Hersteller von Solarzellen und Wechselrichtern will den Angaben zufolge in Arnstadt (Thüringen) eine Solarzellenfabrik bauen. Das Werk solle zunächst eine Kapazität von 30 Megawatt haben. Die Produktion werde voraussichtlich im Sommer 2005 aufgenommen, Anfang 2006 solle die volle Produktionskapazität erreicht werden. Bei 30 Megawatt Jahresproduktion solle die neue Produktionsstätte mit 60 Arbeitsplätzen einen zusätzlichen Umsatz von 50 Millionen Euro pro Jahr bringen, sagte Unternehmensvorstand Roland Burkhardt. Finanziert werde der Bau durch die zur Zeit laufende Ausgabe einer Wandelanleihe im Volumen von bis zu zehn Millionen Euro, sowie durch Investitionsförderung und Bankkredite. Die Investitionssumme belaufe sich auf 22 Millionen Euro, so das Unternehmen. Die Sunways-Aktie verteuerte sich um 24 Prozent auf 5,40 Euro.

Die Kurse anderer Solarstromtechnik-Hersteller legten ebenfalls zu. In New York kletterten Evergreen Solar Inc. um zehn Prozent auf 3,20 Dollar. An der Frankfurter Börse stiegen SolarWorld AG um sechs Prozent auf 41,20 Euro und Solar-Fabrik AG um vier Prozent auf 9,40 Euro. S.A.G. Solarstrom AG, Projektierer und Betreiber von Sonnenstrom-Kraftwerken, verzeichneten ein Plus von sieben Prozent auf 4,30 Euro. Im Wochenverlauf konnten bei den genannten Aktien noch deutlich höhere Kurse beobachtet werden.

Solon AG legten drei Prozent auf 12,50 Euro zu. Der Berliner Solarmodul-Hersteller hat nach eigenen Angaben den Wechsel vom Freiverkehr in den Geregelten Markt bei der Berliner Börse und in den General Standard bei der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Mit diesem Schritt solle die Transparenz für private und institutionelle Anleger erhöht werden, hieß es.

Der Norderstedter Windturbinen-Hersteller Nordex AG meldete einen Auftrag im Volumen von 36 Millionen Euro. Im kommenden Jahr sollen nahe der spanischen Stadt Tortosa 37 Turbinen der 1,3 Megawatt-Klasse errichtet werden. Der Auftragseingang im Geschäftsjahr 2003/04 (30. September) habe damit rund 230 Millionen Euro erreicht, wobei der Auslandsanteil bei 65 Prozent lag. Nach den Worten von Vertriebsvorstand Carsten Pedersen lag das Auftragspotenzial sogar noch höher, konnte aber aufgrund der begrenzten Mittel für die Zwischenfinanzierung nicht ausgeschöpft werden. Die Nordex-Aktie erholte sich um zehn Cent oder 16 Prozent auf 0,74 Euro.

Wettbewerber REpower Systems AG konnte ebenfalls einen Teil der Kursverluste aus den Vorwochen ausgleichen, der Kurs stieg um 13 Prozent auf 15,75 Euro. Dazu könnte eine Mitteilung der EnerSys GmbH beigetragen haben. Nach Angaben des Windparkplaners aus Bietigheim-Bissingen hat die französische Tochtergesellschaft EnerSys Ecovest eine strategische Partnerschaft mit der Denker & Wulf AG vereinbart. Denker & Wulf ist zu 84 Prozent eine Tochtergesellschaft des Hamburger Turbinenbauers.


Zurückgehende Kursnotierungen zeigten die Windturbinen-Hersteller Vestas Wind Systems A/S, Dänemark, und Gamesa Corporación Tecnológica, Spanien. Vestas verloren in Kopenhagen neun Prozent auf 81,75 Dänische Kronen, Gamesa sanken in Madrid um sechs Prozent auf 11,21 Euro. Beide Unternehmen drängen ebenfalls auf den nordamerikanischen Windmarkt.

Plambeck Neue Energien AG, Windparkprojektierer aus Cuxhaven, meldete die vollständige Zeichnung einer Kapitalerhöhung um zwei Millionen Euro unter Ausschluss des Bezugsrechts. Das Geld solle in das Kerngeschäft fließen, sagte ein Plambeck-Sprecher zu ECOreporter.de. Die Identität des Käufers der zwei Millionen Aktien wollte der Sprecher nicht nennen. Plambeck kletterten nach der Mitteilung um 13 Cent bis auf 0,87 Euro. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 0,76 Euro, zwei Cent höher als am Ende der Vorwoche.

Umweltkontor Renewable Energy AG teilte die Verschiebung der Hauptversammlung auf unbestimmte Zeit mit. Bedingt durch den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stünden zur Zeit keine finanziellen Mittel zur Verfügung, um die Versammlung kurzfristig durchzuführen, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Quinkert. Priorität haben laut Quinkert zur Zeit die Verhandlungen mit Banken und potenziellen Investoren mit dem Ziel der Fortführung des Unternehmens. Die Umweltkontor-Aktie stieg um drei Cent auf 0,41 Euro.

Die Nürnberger UmweltBank AG gab Einzelheiten der Emission des Genussscheins für die Prokon Nord Energiesysteme GmbH & Co. Windpark Hoher Berg KG bekannt. Das Wertpapier mit einer Laufzeit bis zum 31.12.2011 und einer jährlichen Verzinsung von sieben Prozent könne vom 11. Oktober 2004 bis zum 13. November 2004 gezeichnet werden, vorbehaltlich einer möglichen Verlängerung oder vorzeitigen Schließung wegen Überzeichnung. Die einzuwerbenden Mittel von bis zu 5,5 Millionen Euro sollen für die Finanzierung eines Biomasse-Heizkraftwerks und zur Errichtung einer 5 Megawatt-Windkraftanlage verwendet werden. Die Aktie der UmweltBank ist an der Börse notiert, ihr Kurs lag am Freitagabend bei 6,69 Euro.

Die Bremer Woll-Kämmerei AG (BWK) legte den Bericht zum ersten Halbjahr vor. Die Umsätze sind auf 53,5 Millionen Euro zurückgegangen. Der Nettoverlust beläuft sich auf minus 16,3 Millionen Euro, nach minus 6,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Verbindlichkeiten sind auf über 90 Millionen Euro angewachsen. Das Eigenkapital beträgt nur noch 3,4 Millionen Euro; im Einzelabschluss der BWK AG nach HGB ergibt sich sogar ein negatives Eigenkapital. Das Unternehmen führt das schlechte Ergebnis auf die schwache Marktlage und noch nicht abgeschlossene technische Maßnahmen in der Bremer Kämmerei zurück. Unerwartete Finanzierungs-Hindernisse hätten die Umbaumaßnahmen in dem Bremer Werk verzögert, hieß es. Der Vorstand schlägt vor, die defizitäre Australientochter BWK Holdings zu verkaufen. Der BWK-Hauptaktionär hat Vorstandsangaben zufolge fünf Millionen Euro und die Übernahme aller Schulden der Holding geboten. Im November 2004 soll eine außerordentlichen Hauptversammlung über die Sanierungsmaßnamen abstimmen, um den Fortbestand der Gesellschaft zu ermöglichen. BWK gaben fünf Cent auf 0,55 Euro nach.

Die Aktie der US-amerikanischen Transmeta Corp. verteuerte sich in New York um 50 Prozent auf 1,97 Dollar. Der Hersteller energiesparsamer Mikroprozessoren hatte mehrere Vertriebserfolge seiner Crusoe- und Efficeon-Chips gemeldet.

Nach der Mitteilung über einen Rekord-Auftragsbestand der Ceco Environmental Corp. sprang der Kurs um 32 Prozent auf 2,85 Dollar. Der New Yorker Luftfilter-Spezialist hat nach eigenen Angaben im August Aufträge im Wert von 15,5 Millionen Dollar von industriellen Kunden erhalten. Unternehmenspräsident Richard J. Blum warnte zugleich davor, diese gute Entwicklung unverändert für die Zukunft zu erwarten - auch wenn sich die Marktstellung von Ceco offensichtlich deutlich verbessert habe, so Blum.

Einen Großauftrag meldete Active Power Inc. Für eine nicht näher genannte Regierungseinrichtung in Europa soll ein Schwungmassesystem zur unterbrechungsfreien Stromversorgung geliefert werden. Die vorgesehene Parallelkonfiguration zweier Multi-Megawatt-Systeme sei eine Neuheit, so das Unternehmen. Der Kurs legte 14 Prozent auf 3,32 Dollar zu.

Weitere Aktien nordamerikanischer Unternehmen zeigten deutliche Zuwächse. Im Brennstoffzellen/Wasserstoffbereich stiegen Millenium Cell Inc. (USA) um 13 Prozent, FuelCell Energy Inc. (USA) um elf und Hydrogenics Corp. (Kanada) um acht Prozent. Die kanadische Ballard Power Systems Inc. kletterte an der New Yorker Nasdaq-Börse um sieben Prozent. Im Nahrungs- und Genussmittelsektor fielen Natural Alternatives International Inc. mit einem Plus von zehn Prozent und Green Mountain Coffee Roasters Inc. mit sieben Prozent Kurszuwachs auf.

Active Power Inc. (ISIN US00504W1009 / WKN 502716)
Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
Bremer Woll-Kämmerei AG (ISIN DE0005272009 / WKN 527200)
CECO Environmental Corp. (ISIN US1251411013 / WKN 906379)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)
Green Mountain Coffee Roasters Inc. (ISIN US3931221069 / WKN 887856)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Millenium Cell Inc. (ISIN US60038B1052 / WKN 940511)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
ScottishPower plc (ISIN GB0006900707 / WKN 924606)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
UmweltBank AG (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)

Bildnachweise: Windkraftanlagen der dänischen NEG Micon A.S. in Grevenbroich; Transparente Solarzelle der Konstanzer Sunways AG; Windturbinen der GE Enery im deutschen Windpark Arneburg; Produktion bei der Bremer Wollkämmerei AG


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x